Umweltgutachten für Bundesregierung vorgestellt Sachverständige empfehlen elektrifizierte Autobahn

Stand: 04.06.2012 18:37 Uhr

Stromabnehmer eines Zuges (Archivbild)
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Die Umweltexperten schlagen vor, Lkw mit Stromabnehmern auszurüsten, wie sie bei Trolleybussen oder Elektroloks zu finden sind.

Die Umwelt-Sachverständigen der Bundesregierung schlagen den Bau elektrischer Oberleitungen für dieselelektrische Lkw an Autobahnen vor. Damit könne ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung des Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen geleistet werden, sagte der Sachverständige Olav Hohmeyer bei der Vorstellung des Umweltgutachtens 2012.

Der Güterverkehr habe enorme Zuwachsraten und könne nur zu einem Teil auf die Schiene verlagert werden. Der Vorsitzende des Gremiums, Martin Faulstich, sagte, die Verringerung von Rohstoff- und Energieverbrauch sowie die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Umwelt würden zur entscheidenden Systemfrage des 21. Jahrhunderts. Ziel müsse es sein, Wirtschaftswachstum und Umweltbelastungen zu entkoppeln.     

Lkw mit Stromabnehmern

Einen Weg zur Verringerung des Schadstoffausstoßes der Lkw sehen die Experten in elektrischen Antrieben. Dazu sollte die rechte Spur bestimmter Autobahnen mit einer Oberleitung ausgestattet werden, wie sie für Trolleybusse in manchen Städten bereits existierten. Nach Hohmeyers Worten hat die Industrie Interesse an derartigen Überlegungen. Siemens habe eine Teststrecke in Brandenburg gebaut. Die Experten von Siemens hätten errechnet, dass sich die Umstellung für Spediteure in einem Zeitraum von zwei Jahren rechnen würde.

5700 Kilometer für 14 Milliarden Euro

Der Sachverständigenrat schlägt in der ersten Phase die Elektrifizierung aller Autobahnen mit einer einstelligen Nummerierung (A1 bis A9) vor. Die Kosten werden bei einer Länge der elektifizierten Autobahnabschnitte von 5700 Kilometern auf gut 14 Milliarden Euro veranschlagt. Der Strom für die Oberleitungen könne aus regenerativen Energien kommen und sei deswegen klimaneutral.          

Pfand auf Elektrogeräte, Fleisch soll teurer werden

Elektroschrott
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Elektroschrott soll besser recyclet werden, so die Sachverständigen.

Zu den Empfehlungen der Experten zählt auch die Einführung eines konsequenteren Recyclings von Metallen und von mineralischen Rohstoffen. So sollte es eine Pfandpflicht für bestimmte Elektrogeräte geben. Das Gremium macht sich auch stark für eine Halbierung der Verluste bei Lebensmitteln bis 2025. Aus Sicht der Experten sollte zudem der Fleischkonsum eingeschränkt werden, der nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die menschliche Gesundheit negative Folgen habe. Vorgeschlagen wird, eine Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte sowie eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren zu prüfen.

Gutachten: "Verantwortung in einer begrenzten Welt"

Mit dem Gutachten "Verantwortung in einer begrenzten Welt" schaltet sich das Gremium in die laufende Diskussion über "grüne Wirtschaft" und die "Postwachstumsgesellschaft" ein, die auch Thema beim UN-Gipfel "Rio + 20" vom 20. bis 22. Juni sein wird. Die Einhaltung ökologischer Grenzen müsse "Priorität in der nationalen, europäischen und internationalen Umweltdiskussion erhalten - nicht nur im Klimaschutz", heißt es im Gutachten.

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