Afghanischer Migrant in einer Firma für Glasscheiben in Hessen | Bildquelle: dpa

Umfrage zu Migration Mehrheit sieht Einwanderung als Chance

Stand: 19.03.2019 11:28 Uhr

Seit 2015 bestimmt das Thema Migration die öffentliche Debatte. Eine Studie zeigt: Eine knappe Mehrheit der Deutschen sieht sie als Chance. Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, werde als Tatsache anerkannt.

Was die Deutschen wirklich über Migration denken, wollte die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stifung mit einer Umfrage herausfinden. Das Ergebnis: Eine knappe Mehrheit sieht Einwanderung als Chance. 53 Prozent stimmen dieser Einschätzung zu, während das 29 Prozent überhaupt nicht so sehen. 3000 Bürgerinnen und Bürger wurden für die Studie befragt.

"Pragmatisches Einwanderungsland"

Mit dem Titel "Das pragmatische Einwanderungsland" kommt sie zu dem Ergebnis, dass 70 Prozent der Befragten finden, Deutschland solle in Zukunft genauso viele oder noch mehr Menschen wie bisher aufnehmen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Geringer ist die Toleranz bei Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen. Hier meint eine Mehrheit von 57 Prozent, es sollten künftig weniger Menschen aufgenommen werden.

Besonders groß ist demnach die Zustimmung zu Einwanderung, wenn es um den Fachkräftemangel geht. 63 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland deswegen Zuwanderung braucht. Dass ausreisepflichtige Ausländer in Deutschland bleiben sollten, die gut integriert sind und einen Job oder Ausbildungsplatz haben, finden mehr drei Viertel der Befragten. Jeder zweite empfindet Einwanderung als Bereicherung für das kulturelle und soziale Leben in Deutschland. Dagegen stehen laut der Studie 31 Prozent, die das nicht so sehen.

Größte Angst vor Rechtsextremismus und rassistischer Gewalt

Die größten Sorgen im Zusammenhang mit der Einwanderung betreffen der Studie zufolge weder den Arbeitsmarkt noch eine Zunahme von Kriminalität. Mit 86 Prozent besteht die größte Angst vor einer Zunahme von Rechtsextremismus und rassistischer Gewalt. An zweiter Stelle steht die Sorge vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft. Die Furcht vor steigender Kriminalität und Terror steht mit 73 Prozent an dritter,die Angst vor einer Zunahme des Einflusses des Islam mit 64 Prozent an vierter Stelle. Um die Kosten der Integration sorgen sich 61 Prozent. 58 Prozent befürchten verstärkte Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt und 30 Prozent haben Angst vor mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.

Wenig Vertrauen in Regierung

Deutlich wurde in der Studie auch, dass die Bürger in der Flüchtlingspolitik wenig Vertrauen in die Kompetenz der Regierung haben. Rund zwei Drittel meinen, dass die Bundesregierung keinen Plan hat, wie es mit den Flüchtlingen in Deutschland weitergehen soll. Für eine gelungene Einwanderung ist den Befragten zufolge ein klar erkennbarer rechtsstaatlicher Rahmen notwendig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 19. März 2019 um 18:00 Uhr.

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