Entwicklungsministerin Svenja Schulze im Kiewer Vorort Borodjanka | AP

Deutsche Hilfe für die Ukraine "Strom, Wasser und ein Dach über dem Kopf"

Stand: 27.05.2022 13:10 Uhr

Bei einem Besuch in der Ukraine hat Entwicklungsministerin Schulze deutsche Hilfe für den Wiederaufbau angekündigt. Es soll schnell Wohnraum gebaut werden. Man dürfe nicht warten, bis der Krieg vorbei sei.

Die russische Armee hat sich aus dem Großraum Kiew zurückgezogen, die Zerstörungen sind geblieben: Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hat sich als zweites Regierungsmitglied seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor Ort ein Bild gemacht.

Bei einem Besuch des zerstörten Kiewer Vororts Borodjanka sicherte sie den Menschen zivile Hilfe aus Deutschland zu. Ihr Ministerium werde auch in Zukunft dabei stark mit den betroffenen Gemeinden kooperieren, sagte sie im Gespräch mit Borodjankas Bürgermeister Georgi Jerko.

Wohnungen und Stromleitungen geplant

"Die Ukrainerinnen und Ukrainer brauchen Strom, Trinkwasser und ein Dach über dem Kopf. Kinder und Jugendliche sollen trotz Krieg weiter in die Schule gehen können, lokale Betriebe durch die Wirtschaftskrise kommen," so die SPD-Politikerin. Konkret sollen etwa Wohnungen und Stromleitungen gebaut werden. Sie werde mit ukrainischen Regierungsmitgliedern erörtern, wie die deutsche Unterstützung ausgebaut werden könnte.

Zerstörte Wohnhäuser in Borodjanka, Ukraine. | dpa

Durch russischen Beschuss und Gefechte sind viele Häuser beschädigt oder zerstört worden. Bild: dpa

185 Millionen Euro für schnelle Hilfe

Das Bundesentwicklungsministerium hatte vor einigen Wochen ein Sofortprogramm für die Ukraine aufgelegt, das inzwischen einen Umfang von rund 185 Millionen Euro hat. Es sollen unter anderem Unterkünfte für Binnenvertriebene finanziert und medizinische Güter bereitgestellt werden. Ferner sind Gelder für den Katastrophenschutz und die Trinkwasser- und Stromversorgung vorgesehen. Schulze betonte, dass außerdem schon jetzt Grundlagen für eine international koordinierte Unterstützung des Wiederaufbaus einer freien und demokratischen Ukraine gelegt werden müssten.

"Aber wir dürfen nicht erst warten, bis der Krieg zu Ende ist, wir müssen jetzt wieder anfangen, zu helfen und aufzubauen", betonte Schulze. Es sind noch Gespräche mit Regierungschef Denys Schmyhal und dessen Stellvertreterin Iryna Wereschtschuk geplant.

Appell an Putin

Schulze rief den russischen Präsidenten Wladimir Putin dazu auf, Getreideexporte über die ukrainischen Häfen zu ermöglichen. "Putin ist daran schuld, dass es in vielen Ländern jetzt womöglich zu Hungerkatastrophen kommt", sagte sie.

Gleichzeitig wies Schulze die russischen Vorwürfe zurück, dass westliche Sanktionen eine globale Hungerkrise provozierten. Lebensmittel seien von den Sanktionen ausgeschlossen, betonte die Ministerin. "Was Putin aber faktisch macht, ist, dass er die Häfen bombardiert und dadurch verhindert, dass Lebensmittel aus der Ukraine überhaupt exportiert werden können". Das müsse aufhören, forderte Schulze.

Baerbock-Reise vor einigen Wochen

Vor zweieinhalb Wochen war Außenministerin Annalena Baerbock als erstes Regierungsmitglied seit Kriegsbeginn nach Kiew gereist. Anfang Mai hatten im Abstand von einigen Tagen CDU-Parteichef Friedrich Merz sowie Bundestagspräsidentin Bärbel Bas als hochrangige deutsche Politiker Kiew besucht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Mai 2022 um 12:27 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag" und in den Nachrichten um 14:00 Uhr.