Fahrzeuge der Bundeswehr rücken in Altenahr an, um die Rettungsdienste zu unterstützen. | dpa

Flutkatastrophe Bereits mehr als 100 Tote

Stand: 16.07.2021 13:19 Uhr

Die Totenzahlen in NRW und Rheinland-Pfalz steigen weiter an - auch in Belgien starben Menschen durch die Unwetter. Hunderte werden weiterhin vermisst. Die Zahl der Opfer ist bereits weitaus größer als bei der "Jahrhundertflut" 2013.

Bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands sind bislang mindestens 103 Todesopfer zu beklagen. Die Zahl dürfte sich angesichts einer hohen Zahl von Vermissten noch erhöhen. Sie übersteigt bereits deutlich die Zahl der Toten beim sogenannten Jahrhunderthochwasser von Elbe und Donau. Damals kamen 21 Menschen ums Leben.

In Nordrhein-Westfalen hätten mindestens 43 Menschen ihr Leben verloren, sagte Ministerpräsident Armin Laschet nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts in Düsseldorf. Es stehe zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter stiegen. Laschet bezeichnete die dramatischen Unwetterfolgen als "Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß" und dankte allen Rettungskräften. "Die Fluten haben vielen Menschen buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen", so Laschet.

Nach Angaben der Kölner Polizei stieg die Zahl der Toten allein im Kreis Euskirchen auf 24 und im Rhein-Sieg-Kreis auf sechs. Ob die in Erftstadt-Blessem befürchteten Todesopfer in der Zahl bereits enthalten sind, blieb zunächst unklar. Dort hatten gewaltige Erdrutsche Häuser und Autos mitgerissen. Luftbilder zeigen das enorme Ausmaß der Zerstörung.

Blick auf das unterspülte Erftstadt | dpa

Im nordrhein-westfälischen Erftstadt-Blessem haben Erdrutsche Gebäude mitgerissen. Immer noch werden Menschen vermisst. Bild: dpa

Immer wieder kamen Notrufe aus dem Ort unweit von Köln. Wie viele Menschen vermisst werden, war zunächst unklar. Nach dem extremen Starkregen war der Fluss Erft über die Ufer getreten und hatte Teile des Stadtgebiets überflutet. In mehreren Ortschaften hatte es Evakuierungen gegeben.

60 Tote in Rheinland-Pfalz

Nach Angaben von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kamen in Rheinland-Pfalz mindestens 60 Menschen ums Leben. Das teilte sie nach einer Sondersitzung des Kabinetts mit. "Das Leid nimmt heute so dramatisch zu", sagte Dreyer. Es sei "eine nationale Katastrophe".

Wie der Koblenzer Polizeisprecher Ulrich Sopart sagte, bleibt die Zahl der vermissten Menschen nach der Hochwasserkatastrophe weiterhin unklar. "Das Handynetz ist zum großen Teil noch nicht funktionsfähig." Es sei auch davon auszugehen, dass eine Reihe von Menschen mehrfach vermisst gemeldet wurden.

Noch immer würden aber auch Menschen gerettet, so Sopart weiter. Schwerpunkte der Einsätze seien die Orte Schuld, Insul und Ahrbrück. Für Menschen, die ihre Wohnungen und Häuser verloren haben, seien Unterkünfte eingerichtet worden. Wie viele Menschen durch das verheerende Unwetter obdachlos geworden sind, lasse sich noch nicht abschätzen.

Mehrere Tote auch in Belgien

Im ebenfalls betroffenen Nachbarland Belgien ist die Zahl der Toten laut Medienberichten auf zwölf gestiegen. Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunksender RTBF berichtete, werden fünf Menschen noch vermisst. Der wallonische Regierungschef Elio Di Rupo sagte dem Sender, er befürchte, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde. "Gestern Abend waren noch Hunderte Menschen in ihren Häusern eingeschlossen."

In der belgischen Großstadt Lüttich waren die Anwohner der Maas wegen außergewöhnlich starken Hochwassers aufgerufen worden, schnell ihre Häuser zu verlassen. In der Nacht stieg der Wasserpegel jedoch nicht weiter.

Steigende Pegelstände in Baden-Württemberg erwartet

Neue Unwetter gibt es weiter südlich. An den Flüssen und Seen in Baden-Württemberg erwarten die Experten für Freitag steigende Wasserstände. In einigen Regionen wurden erneut Straßen gesperrt, im Allgäu stand ein Wohngebiet unter Wasser. Der Deutsche Wetterdienst warnte bereits vor schnellen Anstiegen vor allem in kleineren Gewässern des Südwestens.

Bundesregierung will Hilfspaket schnüren

Die Bundesregierung will innerhalb weniger Tage umfangreiche Finanzhilfen für die Hochwasser-Geschädigten vorbereiten. "Das Konzept dafür entwickelt mein Haus gerade noch mit der Bundeskanzlerin und Bundesfinanzminister Olaf Scholz", sagt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dem "Spiegel". "Es soll möglichst schon am Mittwoch ins Kabinett."

Details wolle er nicht nennen, bevor es ein klares Bild vom Ausmaß der Schäden gebe. "Aber Sie können davon ausgehen, dass es ein großes Paket sein wird", sagte Seehofer. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser, das 2013 acht Bundesländer betraf, hatte die Bundesregierung einen Fluthilfefonds über acht Milliarden Euro aufgelegt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juli 2021 um 12:00 Uhr.

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Moderation 16.07.2021 • 16:23 Uhr

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