Udo Zimmermann | dpa

Nach langer Krankheit Komponist Zimmermann gestorben

Stand: 22.10.2021 12:00 Uhr

Der Komponist Udo Zimmermann ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Musik sei "sein Lebenselexir", sagte er einmal. Aufgrund einer Krankheit konnte er sie am Ende aber nicht mehr selbst erschaffen, sondern nur noch hören.

Mit Werken wie "Die weiße Rose" setzte er politische Zeichen. Er war einer der führenden zeitgenössischen Komponisten Europas. Nun ist Udo Zimmermann in der vergangenen Nacht gestorben, wie seine Frau Saskia mitteilte. Er wurde 78 Jahre alt. Musik sei "sein Lebenselexir", sagte er einmal. Aufgrund einer Krankheit konnte er sie am Ende aber nicht mehr selbst komponieren, sondern nur noch hören.

"Die weiße Rose", seine Oper über die Geschwister Scholl, war ein Riesenerfolg - in Ost und West. Sie gehört zu den meistgespielten Werken zeitgenössischer Musik.

Zimmermann sah sich stets als Theatermensch, der auch komponiert. "Theater und Musik liegen mir am Herzen und gehören zusammen, das Theater ist von der Musik amalgamiert und die Musik amalgamiert das Schauspiel", sinnierte er einmal. Dabei schlug sein musikalisches Herz stets für das Experimentelle, als engagierter Kulturpolitiker sah er die Abhängigkeit der Kultur von der Ökonomie mit großer Sorge. Als Intendant stritt er für eine auskömmliche Ausstattung der Kultur - in DDR-Zeiten wie im vereinigten Deutschland.

Gründer des "Studios Neue Musik"

Zimmermann wurde am 6. Oktober 1943 in Dresden geboren, sang als Kruzianer im berühmten Dresdner Kreuzchor. Er studierte in seiner Heimatstadt Komposition und Gesang, war später Assistent bei dem Berliner Regie-Meister Walter Felsenstein.

1970 wurde er Dramaturg an der Dresdner Staatsoper, 1974 gründete er das "Studio Neue Musik", aus dem 1986 das Zentrum für zeitgenössische Musik hervorging. Von 1990 bis 2001 war Zimmermann Intendant der Oper Leipzig, die unter ihm zum Uraufführungstheater und mehrfach ausgezeichnet wurde.

1997 bis 2011 verantwortete der Künstler zudem die Reihe "musica viva" beim Bayerischen Rundfunk, wo er zahlreiche zeitgenössische Werke zur Uraufführung brachte. Er komponierte fünf Opern, Vokalsinfonik und Werke für Kammerensemble, dirigierte namhafte Orchester wie die Wiener Philharmoniker, die Wiener Symphoniker oder die Staatskapelle Dresden.

Zimmermann litt an seltener Erkrankung

Im Rentenalter hatte sich das Leben des gebürtigen Dresdners noch einmal gewandelt. Er gab alle Ämter ab, baute ein neues modernes Haus am Elbhang, heiratete zum dritten Mal - und hatte wieder Zeit für die Musik.

Allerdings litt der Künstler seit Jahren an einer seltenen neurodegenerativen Erkrankung. Motorische Einschränkungen bremsten seinen Tatendrang immer mehr - schließlich musste er auch das Komponieren aufgeben. Der Künstler, der stets mit Leidenschaft Musik schuf, konnte sie zuletzt nur noch hören und am Ende kaum noch sprechen. Das Haus habe er schon seit Jahren nicht mehr verlassen, sagte seine Frau. "Aber Musik hörte er noch."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.