Türkischer Wachturm am Grenzzaun zwischen der Türkei und Bulgarien bei Lesovo | Bildquelle: AFP

Auf Betreiben der Türkei Deutscher in Bulgarien verhaftet

Stand: 04.09.2018 19:23 Uhr

Auf Betreiben der Türkei ist ein deutscher Staatsbürger in Bulgarien verhaftet worden. Nach Informationen von WDR und NDR könnte dem Bonner die Auslieferung in die Türkei drohen.

Von Andreas Braun, Lena Kampf und Andreas Spinrath, WDR

Der Deutsche Mehmet Y. ist am Sonntag von der bulgarischen Polizei festgenommen worden, da ein Fahndungsaufruf der türkischen Behörden für ihn vorlag. Die Türkei hatte den Mann mit einer sogenannten Interpol-"Red Notice" weltweit suchen lassen. Y. sitzt nun im bulgarischen Warna in Untersuchungshaft.

Der 44-Jährige arbeitete als Flüchtlingsbetreuer in einer kirchlichen Einrichtung in Bonn. Er war in den vergangenen Jahren mehrfach innerhalb von Europa gereist. In Bulgarien war er vor seiner Festnahme laut seiner Familie jedoch noch nie. Auch über das Interpol-Gesuch sei er nicht informiert gewesen.

WDR und NDR liegt das Protokoll seiner Verhaftung in Bulgarien vor. Demnach ist der Fahndungsaufruf mit einer Verurteilung in der Türkei begründet. Ein Gericht in der türkischen Stadt Adana hatte ihn wegen angeblicher Tätigkeit in der PKK in Abwesenheit zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Seit 2001 im Asyl

Das Gebäude des Auswärtigen Amtes. | Bildquelle: dpa
galerie

Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich nicht zu der Verhaftung des Deutschen.

Y. floh vor der Strafverfolgung nach Deutschland und erhielt hier nach Angaben seiner Familie im Jahr 2001 Asyl.

2009 wurde Y. in Deutschland eingebürgert. Die türkischen Behörden entließen ihn danach nicht aus der Staatsbürgerschaft, er besitzt deshalb sowohl einen deutschen als auch einen türkischen Pass.

Laut seinem Anwalt soll er morgen dem Haftrichter in Bulgarien vorgeführt werden. Im schlimmsten Fall droht Y. eine Auslieferung in die Türkei. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, dass die Botschaft in Sofia Mehmet Y. konsularisch betreue. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Betroffenen wolle man aber keine weiteren Auskünfte erteilen.

Keine Reaktion von Interpol

Die Bearbeitung von Interpol-Fahndungsaufrufen liegt in Deutschland in der Hand des Bundeskriminalamts und des Justizministeriums. Keine der Behörden wollte den Einzelfall kommentieren. Auch Interpol reagierte auf Nachfrage nicht

Die Festnahme von Mehmet Y. zeigt Parallelen zu mehreren Fällen, in denen deutsche Staatsbürger aufgrund eines türkischen Gesuchs inhaftiert wurden. Der bekannteste Fall ist der des deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli, der im August 2017 in Spanien festgenommen wurde. Der Kölner ist mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte der Türkei damals den Missbrauch von Interpol vorgeworfen.

Deutscher auf Betreiben der Türkei in Bulgarien festgenommen
Andreas Braun, WDR
04.09.2018 17:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2018 um 17:30 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: