US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP

Trumps Angriff auf Abgeordneten Twitter-Tirade mit Kalkül

Stand: 28.07.2019 07:25 Uhr

Er sei ein "Rüpel" und der Wahlbezirk "ein von Ratten verseuchter Dreck" - mit Attacken auf den Abgeordneten Cummings hat der US-Präsident neue Rassismusvorwürfe auf sich gezogen. Doch Trumps Tirade hat Kalkül.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Eigentlich hätte US-Präsident Donald Trump gute Gründe gehabt, das Wochenende beim Golfspiel zu genießen. Der Oberste Gerichtshof erlaubte ihm, einige Mauer-Abschnitte mit Budgetmitteln des Pentagon zu bauen. Und die Regierung von Guatemala erklärte sich bereit, künftig als "sicherer Drittstaat" Asylbewerber aus Mittelamerika aufzunehmen.

Doch stattdessen begann Trump das Wochenende mit einer heftigen Twitter-Attacke auf einen der einflussreichsten afroamerikanischen Kongressabgeordneten, den 68-jährigen Demokraten Elijah Cummings aus Baltimore.

Vor zehn Tagen hatte sich Cummings über die Zustände in den überfüllten Sammellagern für Migranten an der Südgrenze empört:

"Was bedeutet es, wenn ein Kind in seinen eigenen Fäkalien sitzt und nicht duschen kann? Keiner von uns würde seine Kinder dort haben wollen. Das sind Menschen!"

Der Abgeordnete der Demokraten Elijah Cummings | Bildquelle: REUTERS
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Abgeordneter Cummings: Kritik an der restriktiven Migrationspolitik der Trump-Administration

Kritik kann Trump nur schwer vertragen

Über diese lautstarke Kritik hatte sich der US-Präsident geärgert. Cummings sei ein "brutaler Rüpel", twitterte Trump. Die Lager an der Grenze seien "sauber, effizient und gut geführt". Dagegen sei Cummings Wahlbezirk in Baltimore und Umgebung "viel schlimmer und weitaus gefährlicher". Cummings Bezirk sei "ein widerlicher, von Ratten und Nagetieren verseuchter Dreck", schrieb der US-Präsident.

Wenn Cummings mehr Zeit in Baltimore verbringen würde, könnte er vielleicht dazu beitragen, diesen "sehr gefährlichen und schmutzigen Ort aufzuräumen".

Demokraten bezeichnen Attacken als rassistisch

Baltimore gilt tatsächlich wegen seiner hohen Kriminalitätsrate als Problemstadt. Dennoch erntete Trump einen Sturm der Empörung. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, kritisierte Trumps erneute "rassistische Attacken", zwei Wochen nachdem er vier farbigen Abgeordnetinnen empfohlen hatte, in ihre "kriminalitätsverseuchten" Herkunftsländer zurückzukehren.

Der angegriffene Cummings antwortete auf Twitter, er kehre täglich in seinen Wahlkreis zurück, um für seine Nachbarn zu kämpfen. Es sei seine verfassungsmäßige Pflicht, die Aufsicht über die Exekutive auszuüben. Auch der republikanische Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, nahm die Stadt Baltimore gegen Trumps Kritik in Schutz.

"Die Menschen dort sind stolz auf ihre Stadt"

Dass Trump in seiner Twitter-Attacke behauptet hatte, kein Mensch wolle in Baltimore leben, traf CNN-Moderator Victor Blackwell während seiner Sendung: "Wissen Sie, wer dort gern gelebt hat?", fragte der afroamerikanische Moderator, "Ich! Und zwar vom Tag meiner Geburt an bis zu jenem Tag, als ich wegzog, um aufs College zu gehen".

Ja, Baltimore habe ohne Zweifel Probleme, so der CNN-Moderator mit tränenerstickter Stimme, "aber die Menschen dort sind stolz auf ihre Stadt". Und genau wie in Städten mit überwiegend weißer Bevölkerung, fuhr Blackwell fort, gingen die Menschen von Baltimore morgens zur Arbeit "und sie kümmern sich um ihre Familien und lieben ihre Kinder. Auch sie sind Amerikaner!" Der Appell des CNN-Moderators an das Mitgefühl des US-Präsidenten verbreitete sich schnell über die sozialen Medien.

Trump jedoch legte im Laufe des Tages noch einmal nach: Cummings verbringe seine ganze Zeit mit dem Versuch, unschuldigen Menschen durch seine "Aufsicht" zu schaden - ein klarer Hinweis auf das eigentliche Motiv für Trumps Twitter-Tirade.

Als Vorsitzender des Kontrollausschusses im Repräsentantenhaus lässt Cummings gerade die Arbeit von Trumps Familienmitgliedern im Weißen Haus untersuchen.

Trump attackiert afroamerikanischen Abgeordneten aus Baltimore
Martin Ganslmeier, ARD Washington
28.07.2019 00:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2019 um 07:08 Uhr.

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