Trude Simonsohn | dpa

Trauer um Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist tot

Stand: 06.01.2022 16:45 Uhr

Die Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Sie überlebte die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz. Über ihre Erfahrungen berichtete sie ab 1975 vor allem in Schulen.

Die Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 100 Jahren, wie die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main mitteilte. Simonsohn setzte sich als Überlebende der Schoah für Versöhnung und ein respektvolles Miteinander ein. Sie berichtete beispielsweise vor Schulklassen über die Gräuel in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern. Für ihr soziales und gesellschaftspolitisches Engagement erhielt sie unter anderem den Ignatz-Bubis-Preis für Verständigung.

Der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde, Salomon Korn, betonte: "Wir sind fassungslos und voller Trauer über diesen großen Verlust." Er würdigte Simonsohn als bemerkenswerte, herausragende Frau, die stets zum Wohle anderer Menschen gehandelt habe.

"Stets voller Hoffnung und Mut"

Simonsohn lebte ab 1955 in Frankfurt und war von 1989 bis 1992 Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde. "Durch ihr unermüdliches Engagement, insbesondere jungen Menschen in Schulen vom Erlebten zu berichten, wirkte sie für eine friedlichere Gesellschaft", sagte Korn. "Trude hat ihren Lebensweg auch stets voller Hoffnung und Mut gestaltet und glaubte an eine bessere Welt, die aus ihrer Vergangenheit gelernt hat."

Simonsohn wurde am 25. März 1921 in Olomouc (Olmütz) im heutigen Tschechien geboren. Sie wuchs in einem liberalen jüdischen Elternhaus auf. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde ihr Vater im September 1939 verhaftet und später im Konzentrationslager Dachau ermordet. Simonsohn engagierte sich in der jüdischen Jugendarbeit und half jüdischen Jugendlichen bei der Ausreise nach Palästina.

1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert

Im November 1942 wurde sie mit ihrer Mutter ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte, den Sozialpädagogen und Juristen Berthold Simonsohn. Im Oktober 1944 wurde das Paar nach Auschwitz verschleppt, voneinander getrennt und später in unterschiedliche Konzentrationslager gebracht.

Trude Simonsohn wurde schließlich im Mai 1945 aus dem Lager Merzdorf, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, von Soldaten der Roten Armee befreit. Ihre Mutter wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ihr Ehemann Berthold Simonsohn starb 1978 in Frankfurt am Main.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Januar 2022 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.