Blutprobe einer Schwangeren | dpa

Unter engen Voraussetzungen Trisomie-Bluttest wird Kassenleistung

Stand: 19.09.2019 12:44 Uhr

Schwangere Frauen sollen Bluttests auf ein Down-Syndrom und andere Trisomien künftig unter engen Voraussetzungen von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss.

Der Bluttest zur Erkennung einer Trisomie, also einer Chromosomen-Anomalie, zu der auch das Down-Syndrom zählt, wird künftig von den Krankenkassen bezahlt. Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Entscheidungsgremium der Kassen. In ihm sind neben den Kassen selbst auch Ärzte und Kliniken vertreten.

Test nur bei Risikoschwangerschaften

Allerdings: Den Bluttest gibt es "nur in begründeten Ausnahmefällen". So müsse bei den Frauen eine Risikoschwangerschaft vorliegen, außerdem ist eine ärztliche Beratung Pflicht. Durch die "sehr engen Voraussetzungen" werde klar und eindeutig geregelt, dass der Bluttest nicht als ethisch unvertretbares "Screening" eingesetzt werden solle, sagte der Vorsitzende des Bundesausschusses Josef Hecken. Ziel sei es vielmehr, Risiken einer sonst erforderlichen invasiven Untersuchung zu vermeiden. Bei bisherigen Fruchtwasseruntersuchungen muss eine Nadel in den Bauch gestochen werden, was das Risiko einer Fehlgeburt erhöht.

Behandlung von Trisomie nicht möglich

Behandelt werden kann eine Trisomie nicht. Also folgt bei einem positiven Testergebnis keine Therapie, sondern in der großen Mehrheit der Fälle eine Abtreibung. Wenn der Test nun Kassenleistung wird, könnte das dazu führen, dass diese vorgeburtliche Selektion von Kindern mit Behinderung noch gefördert wird, befürchten Kritiker.

Der aktuell zur Debatte stehende Bluttest zeigt jedoch auch schwere Chromosomenstörungen wie die Trisomie 18 an, die nicht zu lebensfähigen Menschen mit Behinderungen führen, sondern zu sogenannten todgeweihten Embryonen, die häufig im Verlauf der Schwangerschaft oder kurz vor der Geburt versterben.

Kassenleistung kommt wohl erst Ende 2020

In Anspruch genommen werden kann die neue Kassenleistung vorerst noch nicht - zunächst muss voraussichtlich Ende 2020 die verpflichtende Versicherteninformation beschlossen werden. Auch das Bundesgesundheitsministerium muss die Beschlüsse billigen.

Mit Informationen von Katrin Schirner, ARD-Hauptstadtstudio 

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. September 2019 um 12:00 Uhr.