Eine Schwangere hält ihren Bauch | Bildquelle: picture alliance / PhotoAlto

Trisomie-Früherkennung Gentest als Kassenleistung?

Stand: 22.03.2019 16:41 Uhr

Ab der elften Woche können Schwangere per Gentest ihr ungeborenes Kind auf Trisomie testen lassen. Zukünftig könnten Krankenkassen diese Untersuchung bezahlen. Diskutiert wird noch über ethische Fragen.

Frauen mit einer sogenannten Risikoschwangerschaft sollen künftig einen Gentest auf Trisomie-Erkrankungen des ungeboreren Kindes von der Krankenkasse bezahlt bekommen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, leitete ein offizielles Verfahren ein, bei dem unter anderem wissenschaftliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und der Deutsche Ethikrat Stellungnahmen dazu abgeben sollen. Nach der Prüfung soll eine endgültige Entscheidung über den Gentest als Kassenleistung fallen - voraussichtlich im Sommer.

Gentest kostet 130 Euro

Bislang müssen Schwangere den ab rund 130 Euro teuren Bluttest meist selbst zahlen. Nach Informationen des einzigen Anbieters in Deutschland - der LifeCodexx AG - wurde der sogenannte Praena-Test seit 2012 in Deutschland rund 75.000 verkauft. Er gibt zuverlässig Auskunft darüber, ob ein Kind an Trisomie erkrankt ist. Für den Test wird den Schwangeren ab der elften Woche Blut abgenommen.

Anhand der darin enthaltenen Chromosomenteile des Kindes oder der Plazenta kann unter anderem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden, mit der das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde. Die Treffsicherheit liegt nach Angaben des Herstellers bei 99 Prozent.

Ein "Praena-Test" der Firma LifeCodexx | Bildquelle: dpa
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Die Bluttests sollen Aufschluss über eine mögliche Erkrankung des Kindes an Trisomie 21 geben.

Test ist umstritten

Unter Politikern und Ethikexperten ist der Test umstritten, da sich viele Eltern nach einem positiven Ergebnis für eine Abtreibung entscheiden.  Laut Experten entscheiden sich nur etwa zehn Prozent der Frauen, die mit einem Kind mit Down-Syndrom (Trisomie 21) schwanger sind, für das Baby. 90 Prozent der Kinder kommen nicht zur Welt.

"Wir befürchten, dass künftig weniger Kinder mit Down-Syndrom zur Welt kommen als bislang", sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Down-Syndrom InfoCenters, Elzbieta Szczebak. Die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin hält die Pläne aus "Gründen der Gerechtigkeit" für richtig. "So gibt es kein Gefälle mehr zwischen den Schwangeren, die sich den Test leisten können und denen, die ihn nicht bezahlen können", sagte der Präsident Dieter Grab.

Ein Ersatz für die bisherigen Methoden sei der Gentest jedoch nicht. "Man sucht damit ja lediglich nach den Trisomien 13, 18 und 21. Alles andere, was es an Entwicklungsstörungen gibt, würde unter den Tisch fallen", warnt der Arzt. Bei den Chromosomenstörungen 13 und 18 geben Ärzte Kindern keine Chancen zu überleben - anders als bei der Trisomie 21.

Der Gentest könnte die bisher eingesetzten invasiven Methoden wie die Biopsie der Plazenta oder die Fruchtwasseruntersuchung ergänzen.

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"Glück kennt keine Behinderung": Fotografien von Jenny Klestil

Raphael

Raphaels Vater hat versucht, so viel wie möglich über Trisomie 21 zu lesen, um herauszufinden, was die Diagnose für die gemeinsame Zukunft bedeutet. Hätte er gewusst, was auf ihn zukommt, hätte er sich entspannen können, weiß er im Rückblick. Von Raphael und seiner Schwester Elena habe er viel gelernt. | Bildquelle: Jenny Klestil

"Nur bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken"

Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken verteidigte die Entscheidung, den Gentest zur Kassenleistung machen zu wollen. Angesichts der Risiken invasiver Untersuchungen sowie der belegten hohen Testgüte sehe er eine Anerkennung als medizinisch begründet an.

Hecken betonte, dass es "ausdrücklich um die Anwendung des Tests bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken" gehe. Als Risiko-Schwangere gelten unter anderem Frauen ab 35 Jahren.

Bluttest für Schwangere könnte bald Kassenleistung werden
B. Nutz, ARD Berlin
22.03.2019 16:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2019 um 15:30 Uhr in den Nachrichten.

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