Ein schwer bewaffneter Polizist sichert den Tatort der Amokfahrt von Trier ab. | AP

Auto rast durch Fußgängerzone Mutmaßlicher Amokfahrer soll vor Haftrichter

Stand: 02.12.2020 06:40 Uhr

Warum mussten fünf Menschen in der Trierer Innenstadt sterben? Dieser Frage gehen die Ermittler weiter nach. Der festgenommene Autofahrer muss vor den Haftrichter. Eine ganze Stadt steht unter Schock.

Nach der Amokfahrt in der Trierer Innenstadt mit mehreren Toten soll der dringend Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung bei dem 51-Jährigen. Die Justizbehörde muss daher noch entscheiden, ob sie Untersuchungshaft beantragt oder die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Mann mit einem PS-starken Geländewagen am frühen Dienstagnachmittag gezielt Menschen in der Trierer Fußgängerzone überfahren. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) war er in der Innenstadt im Zickzack-Kurs mit seinem Wagen unterwegs. Fünf Menschen starben, darunter ein Baby. Wie die Polizei in der Nacht mitteilte, war es nicht neun Monate alt, sondern erst neuneinhalb Wochen. 14 weitere Menschen wurden verletzt.

Politischer oder religiöser Hintergrund bislang ausgeschlossen

Rund vier Minuten nach dem ersten Notruf konnten Polizisten den Autofahrer festnehmen. Das Motiv des Mannes ist noch unklar, einen politischen oder religiösen Hintergrund schließen die Ermittler aber bislang aus. Auch gebe es keine Hinweise auf Mittäter oder Komplizen des Festgenommenen.

Einsatzkräfte von der Polizei sind nahe der Fußgängerzone in Trier im Einsatz | REUTERS

Die Polizei hat den Tatort rund um den Hauptmarkt in der Trierer Fußgängerzone weiträumig abgesperrt. Bild: REUTERS

Der Verdächtige ist Deutscher und gebürtig aus Trier. Er war zur Tatzeit betrunken, bei ihm wurden 1,4 Promille festgestellt. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Mordes, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung. Nach Angaben der Ermittler lebte er in den Tagen vor der Tat in dem Auto.

Oberbürgermeister: Schwärzester Tag seit Weltkrieg

Zu den Todesopfern zählen neben dem Baby drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie der 45-jährige Vater des Kindes. Sie alle stammen aus Trier. Die Mutter des Babys hat überlebt und liegt laut Behördenangaben ebenso im Krankenhaus wie ihr eineinhalb Jahre alter Sohn.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach nach der Amokfahrt vom schwärzesten Tag für die Stadt in der Nachkriegsgeschichte. Am Vormittag (10.00 Uhr) wird am Trierer Wahrzeichen Porta Nigra der Opfer gedacht. Im Trierer Dom beteten bereits am Abend rund 100 Menschen für die Toten, die Verletzten und ihre Angehörigen. Die Innenstadt war nach der Tat für die weiteren Ermittlungen weiträumig abgesperrt. In der Nacht waren die Tatortarbeiten dann abgeschlossen, die Fußgängerzone wurde wieder freigegeben.

Bundeskanzlerin "sehr traurig"

Kanzlerin Angela Merkel drückte den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig", heißt es in einer Stellungnahme, die Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter veröffentlichte. "Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Menschen, die so jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden. Ich denke aber auch an diejenigen, die zum Teil schwere Verletzungen erlitten haben und wünsche ihnen viel Kraft."

Dreyer: "Sehr schlimm für uns alle"

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die auch in Trier lebt, sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefstes Beileid aus. Es sei "das Allerschlimmste", dass die Menschen "ihr Leben verloren haben", sagte die SPD-Politikerin. Der Tag sei ein "wirklich schlimmer und schrecklicher Tag für die Angehörigen". Mitten an einem ganz normalen Tag seien Menschen aus dem Leben gerissen worden. "Das ist einfach sehr schlimm für uns alle". Sie sei mit ihren Gedanken bei den Verletzten und Schwerverletzten und hoffe und bete, dass sie überlebten und gesundeten.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 01. Dezember 2020 um 00:55 Uhr sowie die tagesschau am 02. Dezember 2020 um 09:00 Uhr.

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Moderation 02.12.2020 • 14:06 Uhr

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