Eine Rose liegt am Mahnmal für die Opfer des rassistischen Anschlags in HAnau am 19. Februar 2020 | Bildquelle: dpa

Nach rassistischem Anschlag Deutschland gedenkt der Toten von Hanau

Stand: 04.03.2020 10:45 Uhr

Neun Menschen mit ausländischen Wurzeln sind Opfer der rassistischen Tat in Hanau geworden. Der zentrale Trauerakt findet heute statt. Die Politik ringt weiter um Maßnahmen gegen das "Gift Rassismus".

Zwei Wochen nach dem rassistischen Anschlag mit elf Toten wird heute bei einer Trauerfeier in Hanau der Opfer gedacht. Zu dem Gedenkakt werden unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel erwartet.

Insgesamt sind rund 650 Gäste in den Congress Park Hanau geladen. Ein Großteil der Plätze wird nach Angaben der Stadt den trauernden Familien zur Verfügung gestellt. Angehörige werden bei dem Trauerakt Ansprachen halten. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und der Bundespräsident sprechen vor der Trauergemeinde.

Die Veranstaltung wird auf Großbildleinwänden auf zwei Plätzen in der Innenstadt übertragen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedenkt der Opfer in Hanau. | Bildquelle: MAXIMILIAN VON LACHNER/EPA-EFE/R
galerie

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier waren bereits am 20. Februar bei eine Gedenkveranstaltung in Hanau.

Gedenkstätte auf Hauptfriedhof geplant

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der mutmaßliche Täter, ein 43-jähriger Deutscher, eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank. Neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschoss er am Abend des 19. Februar. Weitere Menschen wurden verletzt. Der Sportschütze soll auch seine Mutter getötet haben, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Die Stadt Hanau will eine Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags errichten. Sie soll auf dem Hauptfriedhof entstehen, auf dem einige der Opfer beerdigt sind. Das bestätigte die Stadt, nachdem zuvor der Hanauer Bürgermeister das Vorhaben in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk erwähnt hatte.

Zahlreiche Mahnwachen und Demonstrationen

In den Tagen nach dem Verbrechen hatte es in Hanau bereits zahlreiche Mahnwachen, Trauermärsche und Kundgebungen gegeben. Mit der zentralen Trauerfeier findet nun das offizielle Gedenken von Stadt und Land statt. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier wird erwartet.

Demos und Gedenken nach Hanau

Auch nach der zentralen Trauerfeier wird die Erinnerung an die Opfer nicht enden. So hat ein Bündnis für den 14. März in Frankfurt zu einer Demonstration gegen Hass und Gewalt aufgerufen. Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus soll es nach Angaben der Stiftung gegen Rassismus am 20. März in mehr als 1700 Moscheegemeinden bei den Freitagsgebeten in Ansprachen und Gebeten unter anderem um die Opfer von Hanau gehen.

Giffey kündigt Demokratieförderung per Gesetz an

"Rassismus und Hass sind ein Gift", hatte Merkel nach dem Anschlag gesagt. Um gegen das "Gift Rassismus" anzugehen, müsse der Staat diejenigen stärker fördern, die sich gegen Rassismus einsetzen, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RDN) vor der zentralen Trauerfeier in Hanau.

Bislang fehle eine gesetzliche Grundlage, um Projekte gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit auch dauerhaft fördern zu können. Die Ministerin kündigte an, dass sie in Kürze einen konkreten Gesetzentwurf vorlegen werde. Bei ihrer Initiative hat sie zwar Innenminister Horst Seehofer auf ihrer Seite, nicht aber die Unionsfraktion.

Einem RND-Bericht zufolge will die Grünen-Fraktion am Donnerstag einen Antrag in den Bundestag einbringen, der auf eine Verbesserung der psychologischen Begutachtung von Waffenbesitzern drängt.

Trauerfeier in Hanau: Die Bundespolitik zeigt Präsenz
Sabine Müller, ARD Berlin
04.03.2020 14:53 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 04. März 2020 die tagesschau um 07:30 Uhr und tagesschau24 um 10:00 Uhr.

Darstellung: