Zwei Männer tragen Aktenkoffer auf einem Platz  | dpa

Transparency International Deutsche besorgt über Einfluss der Wirtschaft

Stand: 15.06.2021 09:26 Uhr

Viele EU-Bürgerinnen und -Bürger nehmen Korruption als großes Problem wahr - das geht aus dem aktuellen Korruptionsbarometer von Transparency International hervor. Auch Deutschland müsse deutlich mehr tun.

Von Philipp Eckstein, ARD-Hauptstadtstudio

Korruption: ein Problem in der gesamten Europäischen Union. Entsprechend kritisch die Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger. So lassen sich die Aussagen des Korruptionsbarometers von Transparency International zusammenfassen.

Philipp Eckstein ARD-Hauptstadtstudio

Zwischen Oktober und Dezember 2020 wurden für die repräsentative Umfrage in der EU mehr als 40.000 Menschen telefonisch befragt.

Rund ein Drittel von ihnen gab an, dass sie davon ausgehen, dass Korruption in ihrem Land im vergangenen Jahr zugenommen habe. Besonders stark war mit 65 Prozent der Anstieg auf Zypern.

Korruptionsskandal auf Zypern

Dort hatten im vergangenen Jahr Journalistinnen und Journalisten aufgedeckt, dass Politiker - wohl gegen Bezahlung - an Kriminelle aus dem Ausland Reisepässe verkauft hatten. Das sei ein Grund dafür, dass sich die Wahrnehmung beim Thema Korruption auf Zypern so deutlich verschlechtert habe, so Transparency International.

Fast zwei Drittel der befragten EU-Bürgerinnen und -Bürger gab bei der Umfrage an, dass bei ihrer Regierung Korruption ein großes Problem sei. Wobei es innerhalb der EU deutliche Unterschiede gibt.

Große Unterschiede zwischen Ländern

Während in Dänemark und Finnland lediglich zwölf bzw. 16 Prozent ein Korruptionsproblem bei ihrer Regierung wahrnehmen, sind es in Bulgarien 90 und in Kroatien sogar 92 Prozent. 

Von den rund 4800 in Deutschland Befragten, sagten 34 Prozent, Korruption in der Bundesregierung sei ein Problem. Insgesamt ist das Vertrauen in Regierung und Politik laut der Studie in Deutschland im Vergleich mit vielen anderen europäischen Staaten aber relativ hoch.

Trotzdem: "Wir haben nach wie vor ein Problem mit Korruption", sagt Hartmut Bäumer, Vorsitzender von Transparency Deutschland. So würden 62 Prozent der Befragten sagen: "Die Regierung ist im Wesentlichen gesteuert in ihren Entscheidungen durch große finanziellen Interessen."

Sie folge also finanzstarken Interessengruppen und nicht den Interessen der Allgemeinheit. Hinzu komme, dass mehr als 38 Prozent die Wahrnehmung hätten, die Bundesregierung tue zu wenig gegen Korruption. Zusammengenommen "sind das Zahlen, die wirklich besorgniserregend sind", so Bäumer, "und zwar deswegen, weil sie diejenigen speisen, die dem Staat und unserer liberalen Demokratie gegenüber ohnehin kritisch sind. Und das ist sozusagen der Nährboden für alles, was sich von Querdenkern oder Rechts- oder Linksradikalismus aus entwickelt."

Strengere Auflage für Lobbyregister

Die Bundesregierung müsse daher dringend mehr gegen Korruption tun und vor allem für mehr Transparenz sorgen, so die Forderung von Transparency International, etwa durch strengere Regeln beim Lobbyregister. Die Anti-Korruptions-Organisation fordert zudem die Einführung eines Unternehmensstrafrechts. Durch solche Maßnahmen könne verlorengegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.

Gerade im Bereich Wirtschaft scheint das dringend nötig. Laut der Umfrage glaubt einer von drei Befragten in Deutschland, dass alle oder die meisten Führungskräfte der Wirtschaft in Korruption verwickelt seien. Mehr als die Hälfte glaubt, dass Unternehmen Geld oder Beziehungen einsetzen, um öffentliche Aufträge zu erhalten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juni 2021 um 09:30 Uhr in den Nachrichten.