Passanten sitzen am Ufer der Elbe vor der Kulisse der Dresdner Altstadt mit der Katholischen Hofkirche auf zwei Klappstühlen.  | Bildquelle: dpa

Nationale Tourismus-Strategie Die Urlaubspläne der Regierung

Stand: 30.04.2019 16:30 Uhr

Urlaub machen in Deutschland ist beliebt. Doch die Branche klagt - zu wenig Personal, zu viel Bürokratie. Die Bundesregierung will jetzt helfen - und legt erstmals eine Tourismus-Strategie vor.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Der Tourismus wächst, auch in Deutschland: Im vergangenen Jahr hat es fast 478 Millionen Übernachtungen von Gästen gegeben, ein neuer Rekordwert. Dennoch sind Hoteliers und Reiseunternehmer nicht wunschlos glücklich. Sie klagen über zu viel Bürokratie, das Personal fehlt und große Buchungsplattformen drücken die Preise.

Die Bundesregierung hat sich jetzt vorgenommen, erstmals eine Tourismus-Strategie zu entwickeln. Dabei will sie keine Werbung für die Ostsee oder den Schwarzwald machen. Das Bundeswirtschaftsministerium schaut vielmehr auf die Hotel- und Gaststättenbetreiber, die Reiseveranstalter und Busunternehmen. Ziel sei, die kleinen und mittleren Betriebe zu unterstützen, sagt der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß. Und wie? "Durch ganz konkrete Rahmenbedingungen, die wir schaffen wollen: Dazu zählt das Thema Fachkräfte, die Arbeitszeiten und die steuerlichen Rahmenbedingungen. Die Tourismus-Branche möchte eher Freiräume als Programme haben."

Touristen lassen sich auf einem Kanal im Spreewald mit dem Kahn kutschieren. | Bildquelle: dpa
galerie

Venedig-Feeling im Spreewald: Touristen lassen sich im Kahn herumschippern.

Schnelles Internet, Handy-Empfang, umweltfreundlich

Es geht also nicht um Fördergeld für neue Hotels oder touristische Attraktionen. Kostenlos sind die meisten Ziele der Regierung trotzdem nicht zu erreichen: Mehr Urlauber aufs Land locken zum Beispiel - das braucht schnelles Internet und Handy-Empfang überall. Auch müssen die Reiseziele gut erreichbar sein, zum Beispiel mit dem Zug. Und das alles soll sich laut den Eckpunkten nicht negativ auf Klima, Umwelt und Gesundheit auswirken.

Auch um weniger Bürokratie geht es. Der Tourismus-Beauftragte Bareiß schlägt zum Beispiel digitale Meldescheine vor. Außerdem ist der CDU-Politiker für flexiblere Arbeitszeiten: "In Zeiten, wie zum Beispiel im Sommer, wenn in den Biergärten und in der Gastronomie viel los ist, stelle ich mir vor, dass wir eine Wochenarbeitszeit machen können und damit Flexibilität ermöglichen. Allerdings müssen wir aufpassen, auch die Arbeitsbedingungen müssen gut sein und da hat die Branche ihre Hausaufgaben."

Und dafür spielen neben der Bezahlung natürlich auch die Arbeitszeiten eine Rolle. Und da wird das SPD-geführte Arbeitsministerium vielleicht weniger flexibel sein. Bis Anfang nächsten Jahres soll die Tourismus-Strategie stehen, gemeinsam erarbeitet mit den Bundesländern und Unternehmen.

Sonnenhungrige Besucher bevölkern den Strand des Ostseebades Binz. | Bildquelle: dpa
galerie

Wie auf Malle, aber näher: das Ostseebad Binz

FDP setzt auf Arbeitskräfte aus dem Ausland

Die FDP hofft dann auf konkretere Vorschläge. Außerdem drängt ihr tourismuspolitischer Sprecher, Marcel Klinge, mit Blick auf den Fachkräftemangel zur Eile: "Wichtig ist für uns, dass wir endlich zu einer geordneten Fachkräftezuwanderung kommen. Die Bundesregierung ist seit Monaten den entsprechenden Gesetzentwurf schuldig." Die Branche brauche Fachkräfte aus dem Ausland. "Eigentlich sollten wir keine Zeit mehr verlieren und brauchen da eine vernünftige Regelung. Und wir müssen mehr beim Thema Ausbildung und Umschulung tun, weil hier auch viel Potenzial für die Branche liegt."

Linkspartei setzt auf bessere Arbeitsbedingungen

Die Linke fordert, die Arbeitsbedingungen in der Branche zu verbessern. Die Tourismus-Strategie müsse sozial sein, so die tourismuspolitische Sprecherin Kerstin Kassner. Zum Beispiel brauche es Konzepte, um Kinder- und Jugendreisen für alle Einkommensgruppen zu ermöglichen. Auch aus ökologischen Gründen ist die Linke nicht dafür, dass noch mehr Urlauber zu den beliebten deutschen Reisezielen kommen. Die Bundesregierung will dagegen, dass der Tourismus in Deutschland weiter wächst.

Bundesregierung will Tourismus-Branche stärken
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
30.04.2019 15:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 30. April 2019 um 10:55 Uhr.

Korrespondentin

Vera Wolfskämpf  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo MDR

Vera Wolfskämpf, MDR

Darstellung: