Ein Tornado spiegelt sich in einer Pfütze. | Bildquelle: dpa

Mängel bei der Bundeswehr Tornados offenbar nicht NATO-tauglich

Stand: 31.03.2018 12:06 Uhr

Der schlechte Zustand der Bundeswehr-Ausrüstung ist bekannt. Nun gibt es Zweifel an der Einsatzfähigkeit der Tornado-Jets. Laut einem Medienbericht kann Deutschland seine NATO-Verpflichtungen nicht erfüllen.

Deutschland kann offenbar wegen altersschwacher Tornado-Kampfjets seine NATO-Verpflichtungen nicht mehr vollständig erfüllen. Der "Spiegel" zitiert aus einem vertraulichen Papier des Verteidigungsministeriums, laut dem alle 93 Tornados umfangreich modernisiert werden müssten.

Nachrüstung teilweise "nicht mehr realisierbar"

Der Bericht zählt Mängel und Risiken auf Dutzenden Seiten auf. Laut "Spiegel" geht es um die Frage, ob man die in den 1980er-Jahren eingeführten Tornados, die im Ernstfall auch amerikanische Atombomben abwerfen sollen, überhaupt noch so modernisieren kann, dass sie wie geplant bis 2035 im Einsatz bleiben können.

Im jetzigen Zustand "könnte das Waffensystem Tornado an keinem NATO-Einsatz mehr teilnehmen", zitierte das Nachrichtenmagazin aus dem Ministeriumsbericht. Die Modernisierung bedeute noch nicht abschätzbare "Mehrkosten in Millionenhöhe". Ebenso besitze der Tornado bis heute kein von der NATO gefordertes Freund-Feind-Erkennungssystem, das irrtümliche Angriffe auf alliierte Jets vermeiden soll. Der Einbau der Geräte in die deutschen Tornados sei bis 2019 "nicht mehr realisierbar".

Jets nicht abhörsicher?

Auch seien die Jets nicht ausreichend abhörsicher und verfügten über kein verschlüsseltes Kommunikationssystem. Damit bestehe das Risiko, dass vertrauliche Informationen abgefangen werden könnten.

Die Bundeswehr hat seit Jahresbeginn zehn Tornados für die Eingreiftruppe NATO Response Force gemeldet, was deren Fähigkeit zur gesicherten Kommunikation voraussetzt. "Zur Sicherstellung der Kommunikation ist eine Interimslösung (...) notwendig", heißt es mit Blick darauf in dem Bericht. Ob diese Ausweichlösung bereits verwirklicht wurde, geht aus dem Bericht nicht klar hervor.

Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, die Luftwaffe erfülle die derzeitigen NATO-Verpflichtungen mit den zehn für die NATO Response Force gemeldeten Tornado-Jets. Details nannte er nicht.

Nur 16 Tornados einsatzbereit

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte 2016 entschieden, die Tornados noch bis 2035 und damit länger als geplant zu nutzen. In der Zwischenzeit will sie einen marktverfügbaren Nachfolger aussuchen.

Dass die Bundeswehr Ausrüstungsprobleme hat, wurde auch jüngst durch den Bericht zum Zustand der wichtigsten Waffensysteme offenbar. Demnach standen von den 93 Tornados im Schnitt 63 zur Verfügung, aber nur 16 waren wirklich einsatzbereit.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. März 2018 um 12:03 Uhr.

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