Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies | Bildquelle: dpa

Rassistische Äußerungen Tönnies' Aussagen für viele unentschuldbar

Stand: 04.08.2019 17:25 Uhr

Die umstrittenen Äußerungen über Afrikaner von Schalkes Aufsichtsratschef Tönnies empören zunehmend Sport und Politik. Die DFB-Ethikkommission und der eigene Verein beraten über Konsequenzen. Sein Rücktritt wurde bereits gefordert.

Die Kritik an Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach seinen umstrittenen Aussagen über Afrikaner wächst, der Ton wird schärfer. Vertreter aus Politik und Sport nennen die Äußerungen "deplatziert", "primitiv" oder "rassistisch". Sogar eine Amtsenthebung erscheint nicht ausgeschlossen.

Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner gesprochen. Dabei kritisierte er Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies.

Für diese Aussagen entschuldigte er sich später. Sie seien "falsch, unüberlegt und gedankenlos" gewesen. 

Am Samstag hatte Tönnies schon klare Kritik von DFB-Interimschef und Ligapräsident Reinhard Rauball bekommen. "Ich war sehr überrascht, dass ihm das so passiert ist, und das kann man nicht durchgehen lassen, kommentarlos", sagte Rauball nach dem Supercup in Dortmund.

Justizministerin Christine Lambrecht | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX
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Bundesjustizministerin Lambrecht forderte den DFB auf, sich "mit dem Vorfall" zu befassen.

"Dumpfer Rassismus"

Nun schaltete sich auch die Bundesregierung in den Fall ein. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht nannte Tönnies' Äußerungen "dumpfen Rassismus". Die SPD-Politikerin sagte der Funke Mediengruppe: "Wir lassen uns nicht spalten. Rassismus muss man überall laut und deutlich widersprechen: in sozialen Netzwerken, im Verein, im Job und auf dem Fußballplatz." Wer dumpfen Rassismus verbreite, stelle sich gegen Hunderttausende Fußballfans. Die übergroße Mehrheit stehe klar für Menschlichkeit und Toleranz, sagte Lambrecht. Und weiter: "Nirgendwo gelingt Integration so gut und so schnell wie im Sport. Das darf man nicht gefährden."

Sie forderte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, sich "mit dem Vorfall" zu befassen.

Thema für DFB-Ethikkommission

Der Vorsitzende der DFB-Ethikkommission, Nikolaus Schneider, kündigte bereits an, dass Tönnies' Aussagen bei der nächsten Sitzung am 15. August Thema sein werden. "Die öffentliche Wirkung ist schlimm", sagte Schneider. Das dreiköpfige Gremium kann selbst keine Strafe gegen Tönnies aussprechen, den Vorfall aber zur Anklage bei der DFB-Gerichtsbarkeit bringen.

Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland | Bildquelle: dpa
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Der Vorsitzende der DFB-Ethikkommission, Nikolaus Schneider, bestätigte, dass Tönnies Aussagen bei der nächsten Sitzung Thema sein werden.

Erste Fans drohen mit Austritt

In den sozialen Medien drohen erste Fans mit Vereinsaustritt, sollte der seit 2001 amtierende Tönnies Club-Chef bleiben. Mit dem Leitbild des Vereins sind Tönnies' Aussagen nicht vereinbar. Noch auf der Mitglieder-Versammlung am 30. Juni hatte Finanzvorstand Peter Peters konkret zum Thema Rassismus darauf hingewiesen und erklärt: "Danach leben und danach handeln wir. Alle, die nicht für die königsblauen Werte einstehen, sind keine Schalker."

Jüdischer Weltkongress fordert Rücktritt

Auch der Jüdische Weltkongress (WJC) äußerte sich empört und forderte seinen Rücktritt. "Wer solche Vorurteile hegt und in aller Öffentlichkeit rassistisches Gedankengut verbreitet, der ist für verantwortliche Positionen im Spitzensport nicht geeignet", zitiert die "Bild"-Zeitung Maram Stern vom WJC. Tönnies solle "schleunigst seinen Hut nehmen und von seinem Amt zurücktreten".

Stern betonte, schockierende Aussagen wie die von Tönnies zeigten sehr deutlich, dass rassistische Vorurteile und merkwürdiges Gedankengut auch 2019 noch weit verbreitet seien - "bis in gesellschaftliche Kreise, die eigentlich wissen müssten, was mit solchen Aussagen angerichtet werden kann".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. August 2019 um 17:15 Uhr.

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