Ein Mitarbeiter eines mobilen Teams nimmt eine Corona-Probe im Kreis Gütersloh. | Bildquelle: REUTERS

Corona-Ausbruch bei Tönnies "Wir sind mitten im Lockdown"

Stand: 23.06.2020 08:40 Uhr

Mehr als 1500 nachweislich Infizierte gibt es inzwischen unter der Tönnies-Belegschaft. Für den Landkreis Gütersloh bedeutet das bereits jetzt starke Einschränkungen. Heute sollen weitere Maßnahmen verkündet werden.

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geht die Diskussion um weitere Schutzmaßnahmen bis hin zu einem regionalen Lockdown weiter. Für heute ist eine Sitzung des Kabinetts in Düsseldorf angesetzt.

Ein Thema der Landesregierung dürfte dabei die aktuelle Situation im Kreis Gütersloh sein. Fachleute des Robert Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind im Kreis Gütersloh nach Angaben der Behörden im Einsatz. "Deren Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen", hatte Ministerpräsident Armin Laschet über Twitter angekündigt.

Inzwischen hält auch der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer einen Lockdown in der Region für vorstellbar - das hatte er zuvor stets zu verhindern versucht. "Ich würde sagen ja", antwortete Adenauer auf die Frage, ob es nach einem Lockdown "rieche". Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. Sie hätten einige positive Fälle gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat noch nicht nennen, da ausgeschlossen werden solle, dass es hier doppelte Zählungen gebe. Im ARD-morgenmagazin sagte Adenauer, dass es zu weiteren Einschränkungen kommen werde. "Das werden wir jetzt maßvoll und sinnvoll machen."

Adenauer wies Vorwürfe zurück, dass gegenüber Tönnies nachlässig gehandelt worden sei. "Es ist ganz genau hingeschaut worden." Noch vor vier Wochen seien alle Tönnies-Mitarbeiter getestet worden, mit nur wenigen Infektionen. Dann seien die Infektionen "expolosionsartig" hochgeschnellt. Woran dies liege, wollten Virologen herausfinden. "Von Nachlässigkeit kann hier überhaupt keine Rede sein", so der Landrat.

Sven Georg-Adenauer, Landrat Rheda-Wiedenbrück, zur Lage in Gütersloh
Morgenmagazin, 23.06.2020

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Weitere Kontaktsperren?

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte zuvor weitere Maßnahmen angekündigt. "Was wir heute überlegen ist, ob wir unter Umständen auch wieder im Bereich von Kontaktsperren mehr machen", sagte der Minister im BR. "Die passenden Schritte werden wir auch sicherlich heute verkünden und der Ministerpräsident wird sich heute zu dem Thema äußern." Laumann betonte, dass die derzeitige Situation einem Lockdown bereits gleich komme: "Wir haben 7000 Leute unter Quarantäne stehen, wir haben die Schulen und Kindergärten geschlossen. Wir werden jetzt auch Quertestungen in der Bevölkerung machen. Wenn jemand sagt, wir haben keinen Lockdown im Kreis Gütersloh, dann fahren Sie da mal hin. Wir sind mitten in einem Lockdown."

Restaurants oder Fitnesstudios zu schließen, halte er für wenig sinnvoll, sagte Laumann. "Weil zum Beispiel die Menschen, die dort als osteuropäische Werkvertragsarbeitnehmer arbeiten, nicht in Restaurants gehen. Wir müssen schon eine Maßnahme ergreifen, die auch auf diese Situation passt. Wir haben es nicht mit einer Infizierung quer durch die Bevölkerung zu tun, wie das zum Beispiel nach Ischgl der Fall war." Es handle sich in allererster Linie um Menschen, die "an weiten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gar nicht teilnehmen."

Mittlerweile 1553 bestätigte Fälle bei Tönnies

Laumann verwies auf die Zahl der Neuinfektionen. Diese ist bei Tönnies inzwischen auf 1553 gestiegen. 6650 Proben seien genommen worden. Für den Kreis Gütersloh beträgt die Zahl 263 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Das liegt deutlich über dem Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte einen kurzen Lockdown mit massiven Tests in der Region Gütersloh. Er warnte zudem vor einem freien Reiseverkehr aus der Region Gütersloh. "Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen, so der studierte Mediziner.

Laschet verwies auf Twitter darauf, dass Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh bereits vorsorglich geschlossen sind. Die Quarantäne werde konsequent für 7000 Menschen durchgesetzt, auch für Nicht-Infizierte, die in Kontakt waren, erklärte der Regierungschef. Im betroffenen Tönnies-Werk, der größten deutschen Fleischfabrik, ruhe außerdem der Betrieb.

Auch Kreis Warendorf stark betroffen

Vom Corona-Ausbruch bei Tönnies ist auch der Landkreis Warendorf betroffen. Hier wurde am Dienstag ebenfalls der festgelegte Schwellenwert für Neuinfektionen überschritten. Laut Robert Koch-Institut wurden 68,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern registriert. Warendorfs Landrat Olaf Gericke hatte die Neuinfektionen gestern auf die 1243 im Kreisgebiet wohnenden Tönnies-Mitarbeiter zurückgeführt. Sie stehen unter Quarantäne. Ein Lockdown im Kreis sei aber nicht nötig, da die Infektionen nicht auf die übrige Bevölkerung übersprängen, hatte der Landrat gesagt. Das Hauptaugenmerk gelte jetzt der Ermittlung und Testung von Kontaktpersonen der Tönnies-Mitarbeiter.

Gericke hatte an die Bürger appelliert, "weiterhin vorsichtig zu sein und die bekannten Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten". Zudem würden auch im Kreis Warendorf kostenfreie Corona-Tests ermöglicht für alle, die in besonders betroffenen Orten wohnten oder sich verständlicherweise Sorgen machten - etwa, weil sie Kontakt zu Tönnies-Mitarbeitern hatten. Solche Tests seien an zentralen Standorten möglich und die Kosten würden von Tönnies übernommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juni 2020 um 09:00 Uhr.

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