Bundeswehr setzt Abnahme des Kampfhubschraubers aus Afghanistan-Truppe muss weiter auf den "Tiger" warten

Stand: 21.06.2013 18:04 Uhr

Der geplante Einsatz des Kampfhubschraubers "Tiger" durch die Bundeswehr verzögert sich weiter. Es gebe "eklatante Mängel", besonders an der Verkabelung, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. Die ersten einsatzbereiten Hubschrauber würden nicht mehr vor 2012 erwartet.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert aus einem internen Bericht des Ministeriums. Dort würden "aufgescheuerte Kabel" bemängelt, die auch bei Hubschraubern mit sehr wenig Flugstunden aufträten. Die Probleme seien offenbar seit 2009 bekannt. Da der Hersteller Eurocopter - eine Tochterfirma des Luftfahrtunternehmens EADS - die Mängel noch nicht beseitigt habe, setze das Ministerium die Abnahme aus. Der Ministeriumssprecher monierte, Eurocopter habe bislang nur elf Testexemplare zur Verfügung gestellt, bei denen es sich jedoch nicht um die angeforderte Version gehandelt habe.

Abnahme zu langsam?

Ein Sprecher von Eurocopter erklärte, in den kommenden zwei Monaten würden zwei weitere Testversionen des Hubschraubers der Bundeswehr übergeben werden. Bis dahin sollten Korrekturen an der Verkabelung vorgenommen werden. Laut Reuters macht die Industrie aber auch die schleppende Abnahme durch deutsche Behörden für die verzögerte Auslieferung verantwortlich.

Der "Tiger" soll unter anderem in Afghanistan eingesetzt werden. Dort sind die deutschen Einheiten bislang auf die Unterstützung durch Kampfhubschrauber und -flugzeuge anderer NATO-Staaten angewiesen. Ein Bundeswehrsprecher kommentierte die neuen Nachrichten, das sei "für die Bundeswehr sehr schmerzlich", sagte der Sprecher zum Fehlen der Hubschrauber für den Afghanistan-Einsatz. "Wir brauchen die Fähigkeiten sehr dringend."

Jahre hinter dem Zeitplan zurück

Der "Tiger" ist ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt. Insgesamt hat die Bundeswehr 80 Stück zum Preis von jeweils etwa 40 Millionen Euro bestellt. Dem ursprünglichen Zeitplan nach sollte die Bundeswehr bereits 2009 über 67 Exemplare verfügen. Die französische Armee hat den "Tiger" bereits abgenommen und setzt ihn in Afghanistan ein.

Für die militärische Sparte des EADS-Konzerns bedeutet die Verzögerung ein weiteres Debakel nach der Kostenexplosion beim Militärtransporter A400M und den Problemen beim Transporthubschrauber NH-90. Da die Bundeswehr erst bei Auslieferung jedes einzelnen Exemplares zahlt, dürfte die Verschiebung der Abnahme die Konzernbilanz spürbar belasten.

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