Tiertransporter im Stau | Bildquelle: rbb

Streit um Tiertransporte Klöckner lässt Länder abblitzen

Stand: 06.03.2019 21:53 Uhr

Quälender Transport, grausame Schlachtung: Der Export von Tieren in Staaten außerhalb der EU steht seit langem in der Kritik. Mehrere Bundesländer wollen dagegen vorgehen - und das missfällt Agrarministerin Klöckner.

Es klingt nach einer Auseinandersetzung über ein ziemlich trockenes juristisches Thema. Doch wenn Bund und Länder sich jetzt über den "Vollzug des Tierschutz-Transportrechts" streiten, steht dahinter ein Streit über grundsätzliche Fragen des Tierschutzes.

Es geht dabei um den Export von Tieren in Nicht-EU-Staaten wie zum Beispiel die Türkei oder Ägypten. Seit Jahren weisen Tierschützer, Veterinäre und Reporter darauf hin, dass Zuchtrinder immer wieder unter quälenden Bedingungen ins Ausland gebracht werden. Sie müssen lange Transporte über sich ergehen lassen, stehen dabei häufig in großer Hitze dicht gedrängt in Lkw unter unmöglichen hygienischen Bedingungen und werden dabei nicht ausreichend mit Wasser und Futter versorgt.

Am Zielort werden sie unter grausamen Bedingungen geschächtet. Manchen Tieren werden dabei die Augen ausgestochen und Sehnen durchgeschnitten, damit sie sich nicht wehren können.

Agrarministerin Klöckner streichelt auf der "Grünen Woche" freudig eine künstliche Kuh | Bildquelle: dpa
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Eine künstliche Kuh hält viel aus - über das leid lebender Tiere gibt es einen handfesten Dissens zwischen Ministerin Klöckner und den Ländern.

Landkreise handeln

Nach mehreren Berichten von ARD und ZDF im vergangenen Jahr hatten Mitte Februar zunächst einige Landkreise in Schleswig-Holstein und dann das Landes-Agrarministerium den Export von Rindern in 14 Nicht-EU-Staaten vorübergehend untersagt. Zur Begründung wurde auf das tierärztliche Ethos und die Gefahr verwiesen, sich der Mittäterschaft schuldig zu machen. Bayern kündigte ebenfalls an, Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten drastisch einzuschränken.

Betroffen von dem Verbot sind neben der Türkei und Ägypten der Jemen, Libanon, Marokko, Algerien, Aserbaidschan, Syrien, Jordanien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan.

Länder warten auf den Bund

Inzwischen brachten weitere Bundesländer ihre Sorgen über die Exportbedingungen zum Ausdruck. Sechs Länderminister warfen dem Bund in einem Brief vor, in dieser Frage in der EU nicht für Klärung zu sorgen. Sie riefen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, in dieser Frage gemeinsam mit den Ländern tätig zu werden.

Klöckner wiederum kritisierte dies nun als "überstürzt". Die CDU-Ministerin warf den Ländern vor, den Druck selbst erzeugt zu haben, unter dem sie nun stünden. Es wäre besser gewesen, erst rechtliche Fragen zu klären und dann zu handeln. Klöckner kündigte ein Treffen an, auf dem über den "Vollzug des Tierschutz-Transportrechts" gesprochen werden soll.

Der Transport von Tieren über größere Entfernungen ist auch innerhalb der EU immer wieder Anlass für Debatten. Zuletzt hatte sich das EU-Parlament für bessere Kontrollen und härtere Strafen bei Rechtsverstößen ausgesprochen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Februar 2019 um 17:20 Uhr.

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