Kühe in einem Stall | picture-alliance/ dpa

Forderung von Greenpeace Weniger Tiere für besseres Klima

Stand: 30.10.2021 14:18 Uhr

Um bis 2045 klimaneutral zu werden, müsste der Tierbestand in Deutschland halbiert werden. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag von Greenpeace. Die Umweltschützer wollen Landwirte beim Umbau unterstützen.

Wenn Deutschland das im Klimaschutzgesetz festgelegte Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein, erreichen will, müssen die Tierbestände in Deutschland nach Einschätzung von Greenpeace drastisch reduziert werden.

Mit einer "Halbierung des Tierbestands" könnten nicht nur die Emissionen aus der Landwirtschaft auf das nötige Maß gesenkt, sondern auch frei werdende Futterflächen für den Klimaschutz verwendet werden, heißt es in einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag der Umweltschutzorganisation.

Drei Viertel der landwirtschaftlichen Klimagase stammten aus der Tierhaltung, 14 Prozent aus der Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel und rund zehn Prozent aus dem Anbau von Energiepflanzen, heißt es in der Studie weiter.

Anreize für Verbraucher und Landwirte schaffen

"Die kommende Bundesregierung ist in der Pflicht, umgehend die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Zahl der Tiere in der Landwirtschaft deutlich sinkt", forderte Greenpeace-Experte Martin Hofstetter. Nur dann könne das Klimaschutzgesetz eingehalten werden.

Nötig seien Anreize für Verbraucherinnen und Verbraucher, weniger Fleisch und Milchprodukte zu konsumieren - etwa über eine steuerliche Vergünstigung von Obst und Gemüse. Außerdem seien finanzielle Anreize für Landwirte nötig, um den Umbau der Landwirtschaft zu stemmen und den Ausstieg aus der Tierhaltung attraktiv zu machen. Denkbar seien Prämien, die mit einer Tierwohlabgabe für Fleisch und Milchprodukte finanziert werden.

Allein mit innovativer Technik und verbessertem Management seien die Klimaziele in der Landwirtschaft nicht zu erreichen, betont Greenpeace. Ohne einen Abbau des Tierbestands lägen die Emissionen 2045 bei 46 Millionen Tonnen CO2, davon 37 Millionen Tonnen allein aus der Tierhaltung, während die Landwirtschaft dann maximal insgesamt nur noch 35 Millionen Tonnen ausstoßen darf, rechnete die Organisation vor.

Die Kritik von Greenpeace an der Landwirtschaftspolitik in Deutschland ist nicht neu. Mitte September warf die Umweltorganisation Bundesagrarministerin Julia Klöckner vor, die Klimafolgen bei der Produktion tierischer Produkte zu unterschlagen. Die Treibhausgas-Emissionen aus der Herstellung von Fleisch- und Milchprodukten in Deutschland würden "systematisch kleingerechnet". Das Ministerium benenne regelmäßig nur die direkten Emissionen aus der Tierhaltung und unterschlage den vorgelagerten, indirekten Ausstoß von Klimagasen, etwa beim Anbau von Futtermitteln, beklagte Greenpeace.

Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte die Organisation dazu aufgerufen, den Tierbestand bis 2035 zu halbieren, um die Klimaneutralität 2045 erreichen zu können. Die Studie des Öko-Instituts stützt nun diese Forderung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Oktober 2021 um 15:35 Uhr.