Annegret Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Nach der Thüringen-Wahl CDU - Turbulenzen nach dem Absturz

Stand: 28.10.2019 19:09 Uhr

Als wenn die Situation für die CDU nach der Thüringen-Wahl nicht schon schwierig genug ist. Da setzt der Vorsitzende der Jungen Union noch einen drauf und greift die Parteichefin an. Doch Kramp-Karrenbauer kontert.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Die Thüringen-Wahl hat die CDU so erschüttert, dass Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer es mit einer Beschwörungsformel versucht: "Die CDU gewinnt zusammen und wir verlieren zusammen." Denn zuvor hatten sich innerhalb weniger Stunden mehrere Risse aufgetan.

Der Thüringer CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring tritt am Morgen sichtlich frustriert auf. Das historisch schlechte Wahlergebnis lastet er auch der Bundespolitik an und widerspricht im gleichen Atemzug der Parteilinie, auf keinen Fall mit den Linken zusammenzuarbeiten:

"Ich brauche nicht Berlin, um zu wissen, was für Thüringen wichtig ist. Wir haben ja bisher gesehen, dass Berlin nicht besonders nützlich war für die Wahlwochen im Vorfeld. Deshalb ist die Entscheidung, die wir für die Zukunft des Landes Thüringen treffen müssen, keine Frage, die in Berlin beantwortet wird, sondern die beantworten wir allein in Thüringen."

Mit den Linken reden - "Das Ende als Volkspartei"

Damit wird nach der kurzen Wahlnacht manch einer in der CDU schlagartig wach gewesen sein. Schließlich gibt es einen klaren Parteitagsbeschluss, weder mit AfD noch mit Linken zusammenzuarbeiten.

Prompt kommt Widerspruch: aus der thüringischen CDU und vehement von der Bundespartei. Carsten Linnemann, Chef der Mittelstandsunion: "Wir müssen endlich Haltung zeigen statt Beliebigkeit und nicht davon schwadronieren, dass wir jetzt mit den Linken reden. Das wäre der Anfang vom Ende der CDU. Ich würde sogar sagen: das Ende als Volkspartei."

Grundsätzlich nicht, aber dann doch: Bereit für Gespräche

So unterschiedlicher Meinung kommt die CDU-Spitze im Konrad-Adenauer-Haus zusammen. Den ganzen Vormittag dauern die Beratungen - danach können CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer und der Thüringer Spitzenkandidat Mike Mohring wieder Arm in Arm auftreten.

Einerseits hat die Parteispitze den Beschluss erneuert, dass die CDU grundsätzlich nicht mit Linken oder AfD kooperiert. Andererseits unterstützt das Präsidium Mohring: "Dass ich der Einladung des Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, Gespräche zu führen, aus staatspolitischer Verantwortung nachkommen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Und so habe ich auch meine Wortmeldung gesehen: bereit zu stehen für Gespräche."

Mohring und Kramp-Karren | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX
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Der Thüringer CDU-Spitzenkandidat Mohring und CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer

Kuban zweifelt Machtposition der Parteichefin an

Als wenn es nicht schwierig genug war, diese Differenz zu klären, ist in den Parteigremien noch die Personaldiskussion aufgeflammt. Nach diversen Medienberichten erklärt Kramp-Karrenbauer:"Wie Sie ja alle im Liveticker verfolgen konnten, ist im Bundesvorstand vom Vorsitzenden der Jungen Union die Führungsfrage gestellt worden."

Tilman Kuban hat die Frage der Kanzlerkandidatur aufgebracht. Die Junge Union stimmte vor zwei Wochen dafür, das per Urwahl zu klären - also nicht traditionell der Parteivorsitzenden den Vortritt zu lassen. Beginnt nach diesem Affront jetzt ein offener Machtkampf? Nein, sagt JU-Chef Kuban: "Wir werden natürlich darüber sprechen müssen, wie wir uns in Zukunft aufstellen und danach auch das Kanzleramt für die CDU verteidigen. Es geht um die Themensetzung, aber es geht natürlich auch darum, dass wir Köpfe haben und momentan gibt es eine gewisse Unsicherheit."

Tilman Kuban und Annegret Kramp-Karrenbauer am 13.10.2019 beim Deutschlandtag der Jungen Union | Bildquelle: dpa
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Tilman Kuban und Annegret Kramp-Karrenbauer am 13.10.2019 beim Deutschlandtag der Jungen Union

Kramp-Karrenbauer verteidigt Führungsanspruch

Kramp-Karrenbauer sagt, sie kümmere sich als Parteivorsitzende um das Wahlprogramm und bereite alles für die 2021 anstehende Bundestagswahl vor. Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz gehörten traditionell in eine Hand, aber darum solle es planmäßig erst nächstes Jahr gehen.

"Und wer immer meint, die Frage müsse jetzt in diesem Herbst entschieden werden, der hat auf dem Bundesparteitag dazu die Gelegenheit."

In den Parteigremien soll sie zustimmenden Applaus bekommen haben. In einem Monat steht besagter Bundesparteitag an. Die Gefahr besteht, dass die CDU wieder anfängt, sich mit sich selbst zu beschäftigen - obwohl die Partei das gerade als eine der Ursachen für das schlechte Wahlergebnis in Thüringen ausgemacht hat.

Ein turbulenter Tag für die CDU nach der Thüringen-Wahl
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
28.10.2019 18:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Oktober 2019 um 17:00 Uhr.

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