Rückkehrer vor dem Corona-Testzentrum am Münchner Flughafen | dpa

Gesundheitsminister einig Weniger Corona-Tests für Urlauber

Stand: 24.08.2020 20:05 Uhr

Tausende Urlauber wurden auf das Coronavirus getestet, doch die Kapazitäten werden knapp. Jetzt wollen Gesundheitsminister Spahn und seine Länderkollegen die Strategie anpassen: Kostenlose Tests für Reisende wird es wohl nicht mehr geben.

Kostenlose Corona-Tests für Urlauber bei der Einreise nach Deutschland soll es nach dem Willen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern nach Ende der Sommerreisesaison nicht mehr geben. Außerdem soll die erst kürzlich eingeführte Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten wieder abgeschafft werden.

Entsprechende Vorschläge legten die Minister nach einer Schaltkonferenz vor. Es habe eine hohe Übereinstimmung gegeben, dass richtigerweise im Sommer die Tests für Reisende ausgeweitet worden seien, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn nach dem Gespräch. Man sei sich aber gleichzeitig einig, dass mit Ende der Rückreisewelle die Kapazitäten wieder stärker im Bereich Pflege und Krankenhäuser genutzt werden sollten.

Jens Spahn | AFP

Kapazitäten sollen wieder stärker im Bereich Pflege und Krankenhäuser genutzt werden, so Gesundheitsminister Spahn. Bild: AFP

Quarantäneregelung soll gelten

Konkret geplant ist demnach, dass für diejenigen, die aus Risikogebieten einreisen, wieder ausschließlich die 14-tägige Quarantäneregelung gelten soll. Das heißt: Die Betroffenen müssen sich wie bisher beim Gesundheitsamt melden und sich in Quarantäne begeben. Diese kann verlassen werden, wenn mit einem frühestens fünf Tage nach der Einreise gemachten Test ein negatives Ergebnis vorgewiesen wird.

Im Moment gilt, dass Reisende, die in Risikogebieten waren, sich nach der Einreise testen lassen müssen, wenn sie keinen eigenen maximal 48 Stunden alten negativen Test vorweisen können. Ein negatives Ergebnis hebt die vorgeschriebene Quarantänepflicht auf. Seit Ende Juli können sich zudem Urlaubsrückkehrer auch aus Nicht-Risikogebieten in Deutschland kostenlos auf Corona testen lassen. Nach Angaben der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci wollen die Gesundheitsminister dies aber beenden.

Zudem forderten sie ein digitales Meldeportal zur verbesserten Kontrolle der Tests, das durch die Bundesregierung entwickelt und von den Bundesländern umgesetzt werden soll.

Überlastete Labore

Die geplante Neuausrichtung wird unter anderem damit begründet, dass die Labore in Deutschland inzwischen an ihre Grenzen stießen, sowohl beim Personal als auch bei der Verfügbarkeit von Materialien. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte: "Wenn wir wochenlang Volllast fahren in dem Bereich, werden wir Material- und Personalprobleme bekommen." Deshalb müsse man die Teststrategie entsprechend anpassen. Pro Woche werden dem Sprecher zufolge momentan rund 875.000 Corona-Tests gemacht. Die Labore hätten eine theoretische Kapazität von rund 1,2 Millionen.

Die Gesundheitsminister konnten sich laut der Berliner Senatsverwaltung allerdings nicht darauf einigen, ab wann die Neuregelungen greifen sollen. Im Gespräch sind der 15. September oder der 1. Oktober. Ebenfalls keine einhellige Meinung gab es in der Frage der Kosten für Corona-Tests bei Reisenden aus Risikogebieten. Beide Themen werden bei den Beratungen der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag eine Rolle spielen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2020 um 20:00 Uhr.