Die Düsseldorfer Altstadt: Hier sollten die mutmaßlichen Terroristen den Worten von Saleh A. zufolge zuschlagen. | null

Viele Fragen um mutmaßliche IS-Terroristen Kann man Saleh A. trauen?

Stand: 03.06.2016 21:00 Uhr

Auf viel können sich die Ermittler nach der Festnahme von drei Terrorverdächtigen nicht stützen: Nur auf die Aussage von Saleh A., der sich in Paris stellte. Doch kann man dessen Aussagen über den IS und seinen Werdegang im Terror-Netzwerk trauen?

Von Georg Mascolo und Andreas Braun, WDR

Die drei am Donnerstag festgenommenen mutmaßlichen Mitglieder einer Terrorzelle in Deutschland schweigen sich aus. In den ersten Vernehmungen legte keiner ein Geständnis ab, es bestritt aber auch keiner die Vorwürfe. Der Ermittlungsrichter ordnete in allen Fällen Untersuchungshaft an. Die Männer - mutmaßlich Anhänger des sogenannten Islamischen Staates (IS) - waren am Donnerstag nach monatelanger Observation verhaftet worden.

Die Syrer stehen im Verdacht, zusammen mit weiteren Extremisten einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant zu haben. Die Anschuldigungen stützen sich auf die Aussage von Saleh A., der schon vor Monaten mit den französischen Behörden in Paris gesprochen hat. Der 28-Jährige erzählte den Beamten am 1. Februar, dass er der Kopf einer Schläferzelle sei und befürchte, dass der entscheidende Auftrag loszuschlagen unmittelbar bevorstehe.

Für den Anschlag in Düsseldorf seien zehn Personen vorgesehen gewesen, gab er weiter zu Protokoll. Weitere sechs sollten vom IS noch geschickt werden, aber er kenne ihre Namen nicht. Auch in Holland würde es weitere Mitglieder der Schläferzelle geben.

Seine Tochter solle aber keinen Terroristen zum Vater haben, deshalb wolle er reden, sagte Saleh A. damals, und auch die Namen seiner Mitverschwörer nennen. Außerdem sei er nach zwei Jahren in Flüchtlingscamps müde.

Ermittler in Zweifel

Seit dem 26. März 2015 war Saleh A. in einer Unterkunft in Kaarst, nahe Düsseldorf gemeldet. Warum er seine Aussage ausgerechnet in Paris gemacht hat, darüber rätseln die Ermittler. Denn bisher gebe es keine Verbindung zum belgisch-französischen Netzwerk.

Saleh A. selbst gibt nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" in seiner ersten Vernehmung als Grund für seine Paris-Reise an, dass er zusammen mit dem am Donnerstag verhafteten Hamza C. Geld, Waffen und Sprengstoff für den Anschlag in Deutschland habe beschaffen wollen. Ihn benennt er außerdem als zweiten Kopf der angeblichen Terrorzelle.

Bei der Version bleibt er aber nicht - Saleh A. sagt später, er sei falsch verstanden worden und gibt an, dass er einen Umschlag mit Geld in einem Friseursalon abholen wollte. Das habe er für eine Reise in den Vatikan gebraucht, wo er über die Herausgabe eines Videos verhandeln wollte - es sei ein Beweis dafür gewesen, dass ein vom IS entführter Pater noch am Leben sei. 10.000 Euro hätte das Video angeblich kosten sollen.

Nach Angaben von französischen Medien sind die Ermittler unsicher, was man Saleh A. glauben kann. Seine Erklärungen wirkten demnach gekünstelt. Sogar die Hypothese, er könne ein Spion des Geheimdienstes des IS sein, habe es bei den Ermittlern schon gegeben. Umso mehr verkompliziert das Schweigen der in Deutschland Festgenommenen die Ermittlungen.

Bewegte Vorgeschichte

Auch wie er überhaupt zum IS gekommen ist, erzählt Saleh A. detailreich: Zwischen November 2009 und Juli 2011 sei er wegen Beleidigung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus in Haft gewesen, danach habe er sich der Freien Syrischen Armee angeschlossen.

Seine nächste Station sei eine Brigade der Jabhat al-Nusra gewesen, eine der extremistischen Al Kaida nahestehenden Bewegung. Dort sei er sogar Sprecher geworden. Als sich die Brigade im Herbst 2013 dem IS angeschlossen habe, sollte er allerdings den Treueeid auf den IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ablegen, wogegen er sich wehrte. Deshalb habe man gedroht, ihn zu töten und in eine Art Umerziehungslager gesteckt.

Saleh A. sollte seiner eigenen Aussage zufolge dem IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwören. | null

Saleh A. sollte seiner eigenen Aussage zufolge dem IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwören.

Nach seiner Entlassung habe er dann dem Gouverneur in Rakka die Treue geschworen. Den Auftrag für den Anschlag in Düsseldorf will er ebenfalls in Rakka erhalten haben - von einer IS-Größe namens Abu Doujana al-Tunisi. Der werde auch "Der Emir der Fremden" genannt. Und tatsächlich ist der Name den westlichen Sicherheitsbehörden gut bekannt. Er soll nach bisher unbestätigten Meldungen vor Kurzem bei den Kämpfen um das irakische Ramadi getötet worden sein. Und Saleh A. geht noch einen Schritt weiter: al-Tunisi sei sogar sein Schwager.

Die schwierigen Ermittlungen dauern an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juni 2016 um 20:00 Uhr.