Autos und LKW fahren bei Dorfen über die Autobahn A94 | Bildquelle: dpa

Umweltbundesamt 100, 120, 130 - Tempolimits gut fürs Klima

Stand: 28.02.2020 11:56 Uhr

Erst Anfang Februar hat der Bundesrat gegen ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen entschieden. Jetzt legt das Umweltbundesamt eine Studie vor, die zeigt: Tempolimits würden dem Klima helfen.

Das Umweltbundesamt hat eine Studie erstellt, die die Auswirkungen eines Tempolimits auf Autobahnen in Deutschland berechnet. Das Ergebnis: Die Einführung eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen kann laut der Studie einen Beitrag leisten, um das Klimaschutzziel 2030 im Verkehr zu erreichen - und zwar bereits kurzfristig und ohne nennenswerte Mehrkosten. Ein Tempolimit würde demnach den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich mindern.

Das Klimaschutzziel 2030 ist im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegt. Im Klimaschutzplan der Bundesregierung ist vorgesehen, dass die Emissionen aus dem Sektor Verkehr bis 2030 auf 98 bis 95 Tonnen Millionen CO2 im Jahr sinken - rund 40 Prozent weniger als im Jahr 1990. 

Für die Studie wurden neue Daten herangezogen: 2019 veröffentlichte die Bundesanstalt für Straßenwesen Daten zu den mittleren Geschwindigkeiten und Geschwindigkeitsverteilungen auf Bundesautobahnen. Zugrundegelegt wurden die Verbrauchsdaten von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Zuvor hatte das Umweltbundesamt auf Basis von Daten aus dem Jahr 1996 letztmals den Beitrag von Tempolimits auf Bundesautobahnen zur Entlastung der Umwelt berechnet.

Reduzierung der Treibhausgasemissionen

Die Berechnungen des Umweltbundesamtes zeigen für die Tempolimits von 130, 120 und 100 km/h:

  • Bereits die Einführung eines generellen Tempolimits von 130 km/h auf Bundesautobahnen könnte die Treibhausgasemissionen des Verkehrs um jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente mindern.

  • Ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Bundesautobahnen mindert die THG-Emissionen um 2,6 Millionen.

  • Nochmals deutlich höher lägen die Minderungen dieser Emissionen mit 5,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bei einem Tempolimit von 100 km/h.

Noch höhere Treibhausgasminderungen brächten die Tempolimits, wenn die Berechnungen für die insgesamt auf deutschen Bundesautobahnen erbrachten Fahrleistungen durchgeführt werden - die sogenannte Bilanzgrenze Inlandfahrleistung. Die Differenz beruht darauf, dass in Deutschland teilweise mit im Ausland getankten Kraftstoffmengen gefahren wird. Real werden auch diese Treibhausgasemissionen vermieden, allerdings kommen diese Minderungen den Ländern zu Gute, in denen auch die Kraftstoffe getankt wurden.

Infografik: Tempolimit Treibhausgas-Minderung
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Die Einführung eines generellen Tempolimits könnte die Treibhausgasemissionen des Verkehrs laut der Studie des mindern, in der Grafik die sogenannte Bilanzgrenze Klimaberichterstattung. Werden die Berechnungen für die insgesamt auf deutschen Bundesautobahnen erbrachten Fahrleistungen durchgeführt (Bilanzgrenze: Inlandfahrleistung,), bringen die Tempolimits noch höhere Treibhausgasminderungen. Die Differenz beruht darauf, dass in Deutschland teilweise mit im Ausland getankten Kraftstoffmengen gefahren wird. Real werden auch diese Treibhausgasemissionen vermieden, allerdings kommen diese Minderungen den Ländern zu Gute, in denen auch die Kraftstoffe getankt wurden. Für Deutschland sind nur die Treibhausgasminderungen in der Bilanzgrenze Klimaberichterstattung relevant.

Umweltbundesamt: Schnell wirksam und fast kostenlos

Die Forscher haben Vergleiche herangezogen, die zeigen, dass mit Tempolimits von 130, 120 oder 100 km/h bereits große Mengen an Treibhausgasemissionen reduziert werden können. Nach der Agora-Verkehrswende-Studie von 2018 wären für eine Treibhausgas-Minderung in Höhe von eine Million Tonnen CO2-Äquivalente beispielsweise im Jahr 2030 folgende Maßnahmen notwendig:

  • 0,5 Mio. Elektro-Pkw zusätzlich auf die Straße bringen,

  • die Energiesteuer für Dieselkraftstoff um 5 Cent pro Liter erhöhen,

  • den Pkw-Verkehr in Städten um 6 Prozent reduzieren,

  • 17 Prozent mehr Rad- und Fußverkehr zu erreichen.

Da für die Umsetzung der Maßnahme kaum Kosten anfallen würden und die Minderungen nicht erst 2030, sondern bereits nächstes Jahr wirksam würden, sollte - so die Schlussfolgerungen der Umweltbundesamt-Experten - auf diese Maßnahmen nicht verzichtet werden. Die Autoren der Studie stellen fest, dass gleichzeitig auch Lärm- und Schadstoffemissionen zurückgehen und die Verkehrssicherheit erhöht würden.

Uneinigkeit in der Koalition

Im Bundestag war bereits im Oktober ein Vorstoß der Grünen für Tempo 130 gescheitert. Dagegen stimmten auch die meisten SPD-Abgeordneten - wie bei Oppositionsanträgen üblich, obwohl sich die Partei klar für Tempo 130 auf Autobahnen ausgesprochen hatte - auch per Parteitagsbeschluss. Die Sozialdemokraten hatten angekündigt, darüber in der Großen Koalition eine Debatte anzustoßen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist gegen das Tempolimit auf Autobahnen. Die CSU spricht sich im bayerischen Kommunalwahlkampf gegen dieses Vorhaben aus. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel": "Ein solches Tempolimit ist vernünftig, auch für den Klimaschutz. Es ist in der Gesellschaft mehrheitsfähig."

Für Aufsehen hatte gesorgt, dass der ADAC sein striktes Nein zum Tempolimit aufgab.

Tempolimits für Pkw in Europa auf Autobahnen
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In Kroatien gelten abweichende Bestimmungen für Fahranfänger. In Frankreich gelten abweichende Bestimmungen für Fahranfänger und bei schlechten Wetterverhältnissen.
Max. 100 km/h gelten in Lettland von November bis März und in den Niederlanden zwischen sechs und 19 Uhr.
In Estland, Litauen und Zypern gibt es keine Angaben zu einem Tempolimit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2020 um 14:00 Uhr.

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