Taxis in Berlin | Bildquelle: picture alliance / dpa

Pro und Contra Soll der Taximarkt geöffnet werden?

Stand: 08.11.2018 04:31 Uhr

Verkehrsminister Scheuer möchte den Fahrdienst Uber in Deutschland bis 2021 erlauben. Carsten Schabosky findet, dass der deutsche Taximarkt ein Update braucht. Moritz Stadler warnt vor den Konsequenzen. 

Pro: Der Kunde soll auch im Taxi-Markt wieder König sein

Von Carsten Schabosky, WDR

Natürlich braucht der Taxi-Markt ein Update! Die Taxi-Ordnungen stammen aus den 60er-Jahren. Sie entsprechen nicht mehr unbedingt den Bedürfnissen einer modernen und mobilen Gesellschaft. Und sie verhindern einen freien Wettbewerb.

Bis ins kleinste Detail ist dort zum Beispiel geregelt, wie ein Taxi aussehen muss. Der Zutritt zum Taxi-Markt ist mit Konzessionen limitiert. Statt "echter" Preise gibt's Tarifzonen. Natürlich muss klar sein, dass ich als Fahrgast zum Beispiel bei bestimmten Witterungslagen wie Schnee und Regen nicht plötzlich das Doppelte bezahlen muss. Oder dass an Silvester oder an anderen Tagen, an denen Taxen Mangelware sind, nicht nur Reiche damit fahren können. Preisobergrenzen müssen also her.

Aber wer einmal Uber als Taxi-Ersatz genutzt hat, der weiß, dass es in vielen EU-Staaten viel billiger geht. Uber vermittelt über eine Smartphone-App Fahrangebote von Privatleuten. Das US-Unternehmen ist bereits in rund 60 Ländern aktiv und meist preiswerter als "echte" Taxiunternehmen. Es funktioniert also. Soziale Standards müssen aber natürlich eingehalten werden. Uber-Fahrer müssen Sozialabgaben selber leisten. Dies wird von vielen zum Beispiel kritisiert.

Trotzdem: Fahrdienste wie Uber könnten dafür sorgen, dass auch im ländlichen Raum mehr Leute, vor allem auch Ältere, mobil sein können. Die Politik hat Recht, wenn sie durch die Fahrdienste neue Möglichkeiten auf dem Land sieht. Noch ein Argument, das für die Idee spricht: Der Kunde sollte wieder König sein. Auch im Taxi. Warum sollten nicht auch endlich im Taxi-Gewerbe die Anbieter gewinnen, die die besten Apps haben, die besten Angebote machen, besonders freundlich sind und vielleicht auch am besten wirtschaften?

Schriftzug von Uber | Bildquelle: dpa
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Verkehrsminister Scheuert will den Fahrdienst Uber in Deutschland bis 2021 erlauben.

Contra: Dieser Wettbewerb verlangt Selbstausbeutung - die Rechnung tragen wir alle

Von Moritz Stadler, WDR

In der Logik von Unternehmen wie Uber ist jeder selbst ein Unternehmer. Das Motto: Verdiene Geld mit dem, was Du ohnehin besitzt. Jemand hat ein Auto und Zeit - warum dann nicht andere Menschen von A nach B transportieren. Das Prinzip Geld verdienen durch teilen heißt "Shareconomy" oder "Sharing Economy".

Was unkompliziert und praktisch klingt, hat einen großen Haken: Denn Unternehmer wird in dieser Welt jeder schnell, unternehmerisch denken lernen die meisten dagegen eher mühsam.

Denn es gibt Gründe, weshalb ein Taxi mehr kostet als ein Uber. Versicherung, Krankheitstage, Verdienstausfälle - das alles sind Risiken, die ein Unternehmer einpreist, der Anfänger aber oft unterschätzt. Hinzu kommen bei Uber-Fahrern langfristige Kosten: Die Abnutzung des Autos von der Bremse bis zur regelmäßigen Reinigung des Innenraums. Wer das alles wirtschaftlich sinnvoll einkalkuliert, wird schon deutlich näher dran sein am Taxipreis.

Hinzu kommt, dass Uber seine Fahrer mit dem Versprechen motiviert, sie könnten so viel verdienen wie sie wollten. Wer selbstständig ist, so die Logik, muss ja nicht nach acht Stunden aufhören zu arbeiten. Boni für erreichte Ziele, eine bestimmte Zahl Fahren pro Stunde oder eine bestimmte Zahl Gäste - wie in einem Computerspiel hetzt ein Uber-Fahrer von Level zu Level immer auf der Suche nach der nächsten Belohnung. Die Anreize zur Selbstausbeutung sind enorm. Wie viel er dabei wirklich verdient? Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Studien aus anderen Ländern legen aber nahe, dass Uber-Fahrer selten den Mindestlohn erreichen.

So wird unter dem Deckmantel der hippen "Shareconomy" vor allem eines gemacht: Mühsam errungene Sozial- und Arbeitsstandards ausgehöhlt. Die Rechnung tragen am Ende wir alle, denn spätestens in der Rente werden viele Uber-Fahrer von ihrem Verdienst nicht leben können und angewiesen sein auf Unterstützung aus unseren Sozialsystemen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "MDR um 11" am 15. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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