Peter Tauber | dpa

Rückzug von Peter Tauber "Ein sehr menschlicher Vollprofi"

Stand: 02.04.2021 09:13 Uhr

Mit gerade mal 39 Jahren wurde er CDU-Generalsekretär: Peter Tauber versuchte, die Partei zu modernisieren und eckte öfter an. Nach Ostern zieht er sich aus der Politik zurück.

Von Birgit Schmeitzner,  ARD Hauptstadtstudio

Schmal ist er geworden, man sieht Peter Tauber an, dass seine Gesundheit jetzt Vorrang haben muss.  Deshalb kehrt er Berlin und der "hauptamtlichen Politik" nun nach Ostern den Rücken, wie er vor gut zwei Wochen bekanntgab. Er will Politik nur noch als "Hobby" betreiben - daheim im hessischen Gelnhausen in der Stadtverordnetenversammlung. Was ihn aber nicht davon abhält, seiner Partei, der CDU, noch eines ans Herz zu legen: Auch mal Fehler zugeben und Konsequenzen ziehen, wie jetzt bei den Maskendeals. "Es ist richtig, dass dann einer sagt: dann lege ich mein Mandat nieder." In Sachen Fehlerkultur habe die CDU Nachholbedarf, sagt Tauber im Gespräch mit dem BR. Aber er zieht den Bogen noch größer, sieht das durchaus als Problem der Gesellschaft.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Generalsekretär: Rechte Hand der Kanzlerin

Tauber ist seit seiner Schulzeit Parteimitglied: Konrad Adenauer ist sein Vorbild, damals wie heute. Als er zum Generalsekretär aufsteigt, ist der promovierte Historiker gerade mal 39 Jahre alt und hat sich als Netzpolitiker einen Namen gemacht. Parteichefin Angela Merkel will, dass Tauber die CDU jünger und weiblicher macht.

Gegen den Widerstand der Partei wirbt der evangelische Christ für ein Einwanderungsgesetz und für die Ehe für alle. Er prägt den unaussprechlichen Wahlkampf-Hashtag #fedidwgugl - "für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben". Die sehr Konservativen in der CDU fremdeln. In der Rückschau räumt Tauber ein, er habe "manchmal der eigenen Truppe was zugemutet". Aber das sei schon auch Auftrag eines Generalsekretärs.

Spannende, aber auch aufreibende Jahre

Gut vier Jahre bleibt Tauber Parteimanager, bis ihn eine entzündliche Darmerkrankung aus dem politischen Alltag katapultiert. Seine Bilanz als Generalsekretär gemischt. Die Wahlergebnisse der CDU waren schon mal besser. Aber er hat die Partei reformiert. Und er hat sie in die digitale Zeit geführt, wenn auch nicht so weit, wie sie es jetzt wegen Corona muss.

Den jüngst rein virtuell abgehaltenen Parteitag findet Tauber "sensationell". Der Wermutstropfen dabei: er hätte sich das schon zu seiner Zeit als Generalsekretär gewünscht, aber damals seien die Widerstände noch zu groß gewesen. "Vielleicht war ich nicht durchsetzungsstark genug oder die Umstände haben nicht gepasst", sagt Tauber, aber er "hadere da eigentlich mit wenig". Die Jahre seien spannend gewesen, aber auch aufreibend.

"Spaß an konkreten Ergebnissen"

Im Gespräch mit Tauber wird klar: Generalsekretär war als Job okay, die Berufung ein paar Monate später zum Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium war viel mehr als das. Nicht nur, weil er als Reserveoffizier die Bundeswehr von innen kennt und die Soldatinnen und Soldaten ihn sofort akzeptieren. 

Sondern auch, weil es im Ministerium weniger ums Debattieren geht als darum, Entscheidungen zu beeinflussen. Das sei eine besondere Verantwortung, aber "das macht natürlich auch Spaß, wenn sie die Ergebnisse sehr viel konkreter sehen".

Die Kunst, mit vielen Worten wenig zu sagen

Dafür bleibt er bei seinen Auftritten im Verteidigungsausschuss des Bundestages gern mal vage. Der SPD-Wehrexperte Fritz Felgentreu bescheinigt Tauber die Kunst, mit vielen Worten wenig zu sagen. Der scheidenden Staatssekretär sei ein "sehr menschlicher Vollprofi", er habe immer eine "gewisse menschliche Wärme ausgestrahlt, die ich sehr angenehm empfand".

Humorvoll, nie arrogant, aber schon auch mit der ein oder anderen Stichelei. Das hat der netzaffine Tauber in den vergangenen Jahren auch immer wieder auf Twitter bewiesen. Wobei er sich zuletzt mehr auf weise Sprüche von namhaften Personen verlegt hat, versehen mit dem Hashtag #tempusfugit - "Die Zeit rast". Ein Spruch, der an die Begrenztheit des irdischen Lebens erinnert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. April 2021 um 23:18 Uhr.