Peter Tauber
Interview

Peter Tauber zum Wahlkampf im Social Web "Unmittelbar ansprechbar sein"

Stand: 07.08.2013 20:56 Uhr

Peter Tauber (@petertauber), Netzexperte der CDU, hat einen Leitfaden geschrieben: Er will seine langjährige Erfahrung mit politischer Kommunikation auf Social-Media-Plattformen teilen.

tagesschau.de: Wie sieht Ihre Strategie für den Wahlkampf im Social Web aus? Bitte benennen Sie die Schwerpunkte.

Peter Tauber: Es gibt zwei Schwerpunkte: Der erste ist, Inhalte zugänglich zu machen, der zweite ist, unmittelbar ansprechbar zu sein für Fragen.

tagesschau.de: Wen wollen Sie damit erreichen?

Tauber: Ich möchte damit zwei Gruppen erreichen. In meinem Wahlkreis leben 250.000 Menschen. Ich möchte diejenigen über Social-Media-Plattformen treffen, die ich sonst nicht treffen könnte, weil sie arbeiten oder aus anderen Gründen keine Gelegenheit haben, mit mir face to face zu kommunizieren. Ich merke auch, dass das funktioniert. Die zweite Gruppe ist die, die keine regionalen Medien verfolgt. Viele Menschen lesen regionale Tageszeitungen nicht, das sind vor allem junge Menschen. Soziale Netzwerke sind eine tolle Möglichkeit, auf diese Menschen zuzugehen und ihnen zu sagen: Ich bin Euer Kandidat vor Ort, ich möchte Eure Stimme, ich möchte mit Euch reden.

Peter Tauber (CDU)

Peter Tauber (CDU): "Es ist es eine Herausforderung, ein Thema in 140 Zeichen zu packen. Es zwingt uns, auf den Kern der Sache zurückzukommen."

tagesschau.de: Gibt es auf Landes- und Bundesebene Leitlinien für die Politiker Ihrer Partei, wie sie auf den Social-Media-Plattformen agieren sollten, eine Message-Disziplin?

Tauber: In Hessen haben wir parallel zur Bundestagswahl auch Landtagswahl. Das macht die Sache zu einer Herausforderung, weil die Bürger mit so vielen Kandidaten konfrontiert werden. Deshalb haben Landes- wie auch Bundespartei einen Leitfaden entwickelt. Ich habe darüber hinaus einen eigenen Leitfaden geschrieben, den man auf meiner Homepage herunterladen kann. Ich wollte meine Erfahrung mit politischer Arbeit auf Social-Media-Plattformen anderen zur Verfügung stellen.

tagesschau.de: Welche drei Punkte sind dabei die wichtigsten?

Tauber: Was mir besonders wichtig ist: Nicht dasselbe machen, was man für Journalisten macht: Also keine Pressemitteilungen in soziale Netzwerke stellen, die will da keiner lesen. Die Menschen wollen wissen, wo trifft man den Politiker, wofür steht er - und das muss man in kurzen und prägnanten Botschaften bringen. Im Idealfall unterstreicht man das noch durch ein Bild. Gerade in sozialen Netzwerken reagieren die Leute stark auf Bilder. Ein aussagekräftiges Bild erhöht die Likes und Kommentare. So entstehen Diskussionen und politische Auseinandersetzungen.

tagesschau.de: In Tweets und Posts ist eine extreme Komplexitätsreduktion und - bei Twitter - radikale Echtzeit notwendig. Sind diese Plattformen für seriöse Politikvermittlung überhaupt geeignet?

Tauber: Ja und nein. Die Social-Media-Plattformen haben natürlich Grenzen. Wenn es um ein kompliziertes Thema geht, sage ich auch mal, ich kann das jetzt nicht mehr in 140 Zeichen und in den nächsten drei Minuten beantworten. Ich lasse mir dann die Mailadresse schicken und antworte ausführlicher. Andererseits verändert sich ja unser Medienkonsum, wir wollen kürzere und prägnante Botschaften. Für viele Politiker - ich nehme mich da nicht aus - ist es eine Herausforderung, ein Thema in 140 Zeichen zu packen. Es zwingt uns, auf den Kern der Sache zurückzukommen.

tagesschau.de: Und auf Facebook?

Tauber: Auf Twitter geht es ganz konkret um politische Fakten und Diskussionen. Zu Snowden und NSA habe ich auf Twitter sehr viel intensivere Diskussionen erlebt als auf Facebook. Dort zwar auch, aber Facebook ist eher ein Medium, das dem Politiker ermöglicht, sich über die Timeline in den Alltag der Menschen zu integrieren. Bei Twitter haben Sie eine sehr viel stärkere Auswahl von Menschen, die Ihnen folgen. Oft sind sie stark an Politik interessiert. Auf Facebook erreichen Sie eine große Zahl von Menschen, die sagen, ach, den Tauber kenn' ich doch, dessen Seite bei Facebook gefällt mir. Diese Leute sind meistens nicht so stark in politische Debatten involviert. Deshalb muss man genau darauf achten, dass man die Facebook-Community nicht jeden Tag mit streng politischen Botschaften erschlägt.

Das Interview führte Nea Matzen, tagesschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. August 2013 um 22:15 Uhr.