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Interview

Weisband in den tagesthemen Jüdische Vielfalt im Netz erlebbar machen

Stand: 27.01.2021 22:09 Uhr

Wie kann jüdisches Leben in Deutschland sichtbarer werden? Die jüdische Grünen-Politikerin Weisband setzt vor allem auf das Internet und das Engagement junger Menschen. Dadurch werde Vielfalt erlebbar, sagte sie in den tagesthemen.

Die Grünen-Politikerin Marina Weisband setzt darauf, dass jüdisches Leben in Deutschland mithilfe moderner Kommunikationsmittel sichtbarer gemacht werden kann. Sie glaube daran, dass gerade das Internet und das Engagement junger Menschen mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit Juden herbeiführen könnten, sagte Weisband am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in den tagesthemen.

Das Internet gebe die Möglichkeit, seine Stimme zu erheben und die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland zu zeigen. Dadurch werde sichtbar, "dass nicht alle Jüdinnen in Deutschland helle Hautfarbe haben, dass nicht alle die gleichen Einstellungen haben", sagte Weisband, die selbst als Kind einer jüdischen Familie aufwuchs. "Je weniger monolithisch wir herüberkommen, je weniger wir nur bei Reden zu Gedenken präsent sind, desto vielfältiger nimmt man uns auch wahr und desto normaler werden wir auch einfach."

Öffentliche Treffen scheitern an Sicherheitsbedenken

Dass es dem jüdischen Leben in Deutschland derzeit noch an Sichtbarkeit mangele, liege vor allem an Sicherheitsrisiken. "Wir können nicht öffentlich irgendwelche Treffen oder Tagungen machen, weil dann immer die Polizei kommt und durchaus berechtigt einwendet, dass es Sicherheitsbedenken gibt", sagte Weisband. "Ein Teil unserer Unsichtbarkeit ist einfach Sicherheitsprotokoll. Und das finde ich sehr schade."

Sie wies zugleich auf die Herausforderung hin, dass den Opfern des Holocaust zukünftig ohne Zeitzeugen gedacht werden müsse. "Das Schwierige ist, dass wir nicht zulassen dürfen, dass Gedenken zu einem Ritual vertrocknet, das keine Bedeutung mehr hat." Die Frage sei, wie die Geschichten der Opfer bewahrt werden können. Die Gedenkstätten versuchten zum Beispiel, die Geschichte für ihre Besucher erlebbarer zu machen, so Weisband.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Januar 2021 um 22:15 Uhr.