Gemüsekisten stehen in der Mainzer Tafel. | dpa

Obst und Gemüse besonders beliebt Tafeln rechnen mit mehr Bedürftigen

Stand: 25.12.2021 10:57 Uhr

Schon jetzt melden die Tafeln mancherorts mehr Andrang. Für die kommenden Monaten erwarten die Helfer, dass die Nachfrage weiter steigt. Was sind die Gründe?

Angesichts steigender Lebensmittel- und Energiekosten rechnen die Tafeln in Deutschland mit einer erhöhten Nachfrage in den kommenden Monaten. "Zu einigen Tafeln kommen schon heute mehr Menschen", sagte der Vorsitzende der Tafel Deutschland, Jochen Brühl, der Nachrichtenagentur dpa. Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse seien aktuell besonders beliebt, da sich viele Menschen "eine ausgewogene Ernährung schlichtweg nicht leisten" könnten. "Die steigenden Lebensmittelpreise verschärfen dieses Problem."

Brühl forderte die neue Bundesregierung auf, von Armut betroffenen Menschen kurzfristig mit Sonderzahlungen zu helfen. Auch längerfristig äußerte er konkrete Erwartungen an das Ampel-Bündnis: "Egal, ob wir es künftig Bürgergeld oder Hartz IV nennen - klar ist, dass die Regelsätze deutlich steigen müssen, ebenso wie der Mindestlohn." Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, dass Millionen Menschen nicht an ihr teilhaben und dass Kinder kaum eine Chance haben, sich aus einem Leben in Armut zu befreien. "Die Tafeln dürfen keine Existenzhilfe sein, sondern eine Unterstützung, um armen Menschen einen finanziellen Spielraum zu schaffen", sagte er.

Auch viele Kinder und Jugendliche

Nach den jüngsten Zahlen aus dem Mai 2021 berichteten schon da knapp 40 Prozent der Tafeln von mehr Menschen an den Ausgabestellen. Vor allem der Anteil von Menschen in Kurzarbeit, Beziehern und Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II und Selbstständigen habe zugenommen. Viele ältere Menschen blieben dagegen aktuell wieder zu Hause. Es kommen den Angaben nach auch weiterhin viele Familien zu den Tafeln - der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist sehr hoch.

Bei rund jeder fünften Tafel gebe es jedoch auch weniger Kundschaft. "Einige Kundinnen und Kunden sind seit Pandemie-Beginn nicht wieder zurückgekommen", so Brühl. "Das macht uns Sorgen, denn wir wissen, dass sie die Unterstützung bräuchten."

Neue Konzepte wegen Corona

Auch bei den Helferinnen und Helfern habe es durch die Pandemie Veränderungen gegeben. Einige, die ihr Engagement Anfang des Jahres aus Angst vor einer Corona-Ansteckung pausiert hatten, seien zurückgekommen, sagte Brühl. Andere seien dagegen weiter verunsichert und noch nicht wieder zurück.

Die neuen Ausgabemodelle mit Abstand und wenig Kontakt seien inzwischen erprobt. Die neuen Konzepte bedeuteten aber auch mehr Arbeit und zusätzliche Kosten, die bewältigt werden müssten. Der Winter und die aktuelle Pandemie-Situation mit der Verbreitung der Omikron-Variante würden die Helferinnen und Helfer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.