Tagung des Synodalen Weges in Frankfurt/Main | EPA

Katholische Kirche Bischöfe für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Stand: 09.09.2022 20:56 Uhr

Auf der Synodalversammlung war die Sorge groß, dass ein weiterer Text an den Bischöfen scheitern könnte. Nun die Erleichterung: Ein Grundsatzpapier wurde gebilligt, wonach der Papst Reformideen zur Stärkung von Frauen prüfen soll.

Deutschlands katholische Bischöfe und Laien haben dem Wunsch nach einer Zulassung von Frauen zu Weiheämtern Nachdruck verliehen. Bei der Vollversammlung des Synodalen Wegs votierten in Frankfurt in Zweiter Lesung 92 Prozent aller Delegierten und knapp 82 Prozent der Bischöfe für ein entsprechendes Dokument. Darin wird eine deutliche Bitte an Papst Franziskus formuliert, entsprechende Reformideen auf Weltebene zu prüfen. Der Abstimmung folgte ein lang anhaltender, stehender Applaus.

Vorangegangen war eine lange Debatte, nach der sich die Bischöfe zu einer internen Beratung zurückgezogen und im Anschluss einen Änderungsantrag eingebracht hatten. Dieser fügte einen Passus in die Einleitung des Papiers ein, dass der Papst gebeten werden soll, das lehramtliche Dokument "Ordinatio sacerdotalis" von 1994, das die Priesterweihe nur für Männer festschreibt, erneut darauf zu prüfen, ob Änderungen möglich seien. Ein Antrag, das Papier in eine Dritte Lesung zu verweisen, war mit großer Mehrheit abgelehnt worden.

Damit bescherte der zweite Tag der Beratungen in Frankfurt am Main den Delegierten ein Zeichen der Geschlossenheit, nachdem es am Donnerstag zu einem Eklat zwischen Laien und Bischöfen gekommen war. Die Abstimmung über einen Text, der eine Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral anstrebte, war an der fehlenden Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe gescheitert. Er stieß zwar in der allgemeinen Abstimmung auf 82 Prozent Zustimmung - aber nur 33 Bischöfe stimmten für den Text bei 21 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Sorge vor Abbruch des Projekts

In der Debatte im Plenum mit rund 50 Redebeiträgen kam nun zum einen die Sorge zum Ausdruck, dass ein weiterer zentraler Reformtext an der Sperrminorität der Bischöfe scheitern könnte. Dies hätte möglicherweise einen Abbruch des Projekts zur Folge gehabt. Zum anderen hatten etwa ein Dutzend Bischöfe erklärt, dass und warum sie den Text in der ursprünglichen Fassung ablehnen oder sich enthalten müssten, wiewohl sie viele Passagen mittrügen.

Die Münsteraner Theologin Dorothea Sattler, die den Text maßgeblich mitverfasst hat, zeigte sich nach der Abstimmung erleichtert. Sie sei von Herzen dankbar, sagte sie. Auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der sich ebenfalls für den Text eingesetzt hatte, sagte, er sei "unglaublich gerührt".

Keine ausdrückliche Forderung

Das beschlossene Papier formuliert keine ausdrückliche Forderung, sondern lädt die Weltkirche ein, die Frage nach Diensten und Ämtern von Frauen in der Kirche noch einmal neu zu bedenken. Dazu gehöre auch "unabdingbar", die unterschiedlichen theologischen Positionen unter der Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit zu reflektieren und dabei in engem Austausch mit den Sozialwissenschaften, Kultur- und Humanwissenschaften zu treten. Das 32-seitige Papier argumentiert: "Nicht die Teilhabe von Frauen an allen kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern der Ausschluss von Frauen vom sakramentalen Amt." Für den Ausschluss von Frauen aus der Verkündigung gebe es kirchengeschichtlich "keine ungebrochene Traditionslinie".

Der Grundtext plädiert für mehr Geschlechtergerechtigkeit und verweist darauf, dass Frauen in der Seelsorge und in verantwortlichen Positionen unterrepräsentiert seien. In den bestehenden Strukturen hätte viele von ihnen "mit einem alltäglich erfahrbaren Sexismus" und weiteren Diskriminierungen zu tun. Dies verstärke den Wunsch von Frauen, selbst die Leitung in seelsorglichen und sakramentalen Kontexten zu übernehmen. Das Papier hält fest: "Angesichts des Erschreckens über geistliche und sexualisierte Gewalt an Frauen und angesichts der anhaltenden Marginalisierung und Diskriminierung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche sind ein Schuldeingeständnis und eine Bewusstseins- und Verhaltensänderung dringend geboten."

Mehrheit für Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht

Außerdem verabschiedete die Vollversammlung mit 95,6 Prozent Mehrheit ein Papier, das sich gegen arbeitsrechtliche Sanktionierung von wiederverheirateten Geschiedenen oder schwulen und lesbischen Paaren ausspricht. "Der persönliche Familienstand darf keine Relevanz für die Anstellung oder die Weiterbeschäftigung im kirchlichen Dienst haben", heißt es wörtlich. Drei Bischöfe stimmten gegen den Text.

Die Stoßrichtung des Papiers deckt sich mit den aktuellen arbeitsrechtlichen Reformbestrebungen der katholischen Bischöfe in Deutschland. Im Entwurf der Bischöfe für eine neue "Grundordnung des kirchlichen Dienstes", heißt es unter anderem, die private Lebensgestaltung, "insbesondere Beziehungsleben und Intimsphäre" der Beschäftigten, solle keinen Anlass mehr für Kündigungen bieten, falls diese nicht im Einklang mit der kirchlichen Lehre stehe. Die Kirchen in der Bundesrepublik haben ein eigenes Arbeitsrecht. Dieses Selbstbestimmungsrecht ist im Grundgesetz verankert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. September 2022 um 20:00 Uhr.