Zweite Synodalversammlung der katholischen Kirche tagt in Frankfurt am Main. | dpa

Synodaler Weg Reformen angeschoben, Treffen abgebrochen

Stand: 02.10.2021 17:31 Uhr

Katholische Bischöfe und Laien haben bei ihren Beratungen zum Synodalen Weg viele Reformvorhaben angeschoben, etwa beim Thema Mitsprache der Gläubigen. Das Treffen endete dennoch vorzeitig - zu viele Teilnehmer reisten vorzeitig ab.

Bei dreitägigen Beratungen zum Synodalen Weg haben Geistliche und Laien der katholischen Kirche mehr als ein Dutzend konkrete Reformvorschläge in erster Lesung diskutiert.

Eine Mehrheit von ihnen stimmte dem Reformvorschlag zu, Gläubige in die Bestellung von Bischöfen einzubeziehen. In erster Lesung fand der Vorschlag Zustimmung, einfachen Gläubigen ein Mitentscheidungsrecht bei der Erstellung der Kandidatenlisten und ein Anhörungsrecht vor der Wahl aus der Kandidatenliste zu gewähren.

Eine endgültige Abstimmung über die Reform findet zu einem späteren Zeitpunkt statt. Damit der Vorschlag final angenommen werden kann, ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 230 Delegierten, darunter eine eigene Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe, nötig. Das Recht, Bischöfe zu ernennen, liegt generell beim Papst.

Gegen Ende der Sitzung fehlende Beschlussfähigkeit

Die zweite Vollversammlung zum Synodalen Weg in Frankfurt am Main wurde allerdings vorzeitig beendet, weil nicht mehr genügend Delegierte anwesend waren. Somit fehlte für die restlichen Tagesordnungspunkte die Beschlussfähigkeit. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren offenbar nach der Mittagspause verfrüht abgereist.

Trotz des vorzeitigen Endes der Beratungen zeigte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erfreut über Fortschritte des Reformprozesses. Er sprach von "klaren Richtungsentscheidungen". Er sei "unglaublich berührt", weil bei dem dreitägigen Treffen so viel geschafft worden sei. "Es ist kein Text abgelehnt worden."

"Enttäuschung trifft uns jetzt alle"

Dass zahlreiche Delegierte vorzeitig abreisten, konnte Bätzing jedoch nicht verstehen: "Ich bin ziemlich entsetzt darüber, wie viele Menschen jetzt hier abgereist sind im Laufe des Tages. Ich möchte eindringlich bitten: Das geht nicht." Er ergänzte: "Die Enttäuschung trifft uns jetzt alle über dieses Ende einer so wunderbaren Synodalversammlung."

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, pflichtete ihm bei: "Wir sind jetzt an einem Ende angekommen, dass viele, viele frustriert." Zugleich verwies er darauf, dass so etwas nicht ganz ungewöhnlich sei und in politischen Verfahren häufig vorkomme.

Beim Synodalen Weg sollen Geistliche und Laien gemeinsam beraten, wie die Kirche aus der Vertrauenskrise nach mehreren Missbrauchsskandalen kommen kann. Der Reformprozess war von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ins Leben gerufen worden.

Reformprozess geht weiter

Der Synodale Weg soll bis Anfang 2023 verlängert werden. Man plane eine weitere Versammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2023, kündigten Bätzing und Sternberg an. Angesichts der Fülle der Reformvorschläge sei eine weitere Synodalversammlung nötig. Diesem Vorschlag müssten Bischofskonferenz und Zentralkomitee noch gesondert zustimmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.