Ein schwarzer SUV steht am Straßenrand, ein weißes Auto fährt schemenhaft daran vorbei. | Bildquelle: dpa

Nach Unfall in Berlin Der SUV - ein Risikofaktor?

Stand: 09.09.2019 16:03 Uhr

Ein tödlicher Unfall in Berlin hat den SUV zum Politikum gemacht. Doch über Verbote für die Autos sind sich selbst die Grünen uneins. Derweil wird geprüft, ob der Unfall Folge eines epileptischen Anfalls war.

Nach einem Verkehrsunfall mit vier Toten in Berlin wird kontrovers über den Umgang mit SUVs in Innenstädten diskutiert. Mehrere Politiker sprachen sich gegen strengere Auflagen für die Sportgeländewagen aus. Bei den Grünen, die diese Debatte angestoßen hatten, gehen die Meinungen auseinander.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach sich gegen Verbote aus. Stattdessen schlug sie vor, SUVs teurer zu machen. "Die Frage, was es kostet, ist viel entscheidender als ein Verbot", sagte Göring-Eckardt der "Bild". Sie stellte sich damit gegen den Vizevorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer. Er hatte zuvor strengere Auflagen für SUVs gefordert.

"Auch mit jedem anderen Fahrzeug"

Politiker der CDU warnten vor Aktionismus. Der rechtliche Rahmen sei durch die Straßenverkehrsordnung bereits gesetzt, sagte der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor. CDU-Verkehrspolitiker Oliver Friederici sagte dem SWR, der Unfall hätte auch mit jedem anderen Fahrzeug passieren können. "In einem freien Land muss jeder selbst entscheiden dürfen, welches Auto er fährt."

FDP sieht Instrumentalisierung

FDP-Bundestagsfraktionsvize Frank Sitta warnte vor einem "Instrumentalisieren von Verkehrstoten". Der FDP-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, erklärte, wer von "panzerähnlichen Fahrzeugen" spreche, wolle aus einem Unglück politisches Kapital schlagen. Nach dem Unfall hatte der zuständige Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel von den Grünen ein Verbot der Geländewagen in Innenstädten gefordert und die SUVs als "panzerähnliche Autos" bezeichnet.

Der Automobilclub ADAC hält ein Verbot von SUVs weder für umsetzbar noch für sinnvoll. "Entscheidend für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist vielmehr das verantwortungsvolle Führen von Kraftfahrzeugen", sagte ein ADAC-Sprecher. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich gegen ein Verbot aus. Man brauche nicht mehr neue Vorschriften, die ohnehin nur schwer zu kontrollieren seien, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Passanten legen an der Unfallstelle in Berlin, an der ein SUV in eine Gruppe Menschen gefahren war, Blumen ab. | Bildquelle: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX
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Trauer nach dem tödlichen Unfall in Berlin: Ein SUV-Fahrer war in eine Menschengruppe gefahren. Vier Menschen starben.

Medizinischer Notfall als Unfallursache?

Am Freitag war ein Sportgeländewagen auf einer Straße in Berlin-Mitte nach links von der Fahrbahn abgekommen. Er überfuhr vier Menschen sowie mehrere Poller und einen Ampelmast. Ein drei Jahre altes Kind, zwei Männer und eine Frau starben noch am Unfallort. Die Unfallursache steht noch nicht fest.

Allerdings verdichten sich die Hinweise auf einen möglichen medizinischen Notfall. Laut Medienberichten könnte ein epileptischer Anfall des Fahrers Auslöser gewesen sein. Die Polizei bestätigte das bisher nicht. Sie will nun mit Hilfe der Krankenakte des Fahrers und einer Blutuntersuchung klären, ob er krank war und die Hinweise auf den Anfall stimmen.

Grüne und Umwelthilfe fordern: SUV raus aus den Städten
Anita Fünffinger, ARD Berlin
09.09.2019 07:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. September 2019 um 10:23 Uhr.

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