Ein SUV fährt auf dem Münchner Ring.  | Bildquelle: dpa

Nach Unfall in Berlin Debatte um SUV-Beschränkungen

Stand: 09.09.2019 05:54 Uhr

Ein tödlicher Unfall in Berlin hat eine Debatte über SUVs ausgelöst. Die Grünen fordern eine Obergrenze in Innenstädten, die Umwelthilfe bringt höhere Parkgebühren ins Gespräch. Unfallforscher warnen vor Pauschalurteilen.

Sie sind groß, verbrauchen viel Sprit und haben jüngst neue Verkaufsrekorde erzielt: SUVs. Das Kürzel steht für "Sport Utility Vehicle" und bezeichnet eine Autoklasse, die polarisiert.

Nachdem am Freitag in Berlin ein SUV in eine Gruppe von Passanten gefahren war und vier Menschen tötete, bringen die Grünen nun strengere Auflagen ins Gespräch: "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten", forderte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer im "Tagesspiegel".

Es brauche dringend eine Debatte, "wie groß die Autos denn noch werden sollen, die in unseren Innenstädten rumfahren", sagte Krischer. "Die Autos brauchen immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper wird. Sie sind eine Gefahr gerade für Fußgänger und Radfahrer." Er befürworte eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaube, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen.

Umwelthilfe trat Debatte los

Auch die Deutsche Umwelthilfe sieht SUVs kritisch. Auf Twitter teilte der Verein mit, die Geländewagen hätten in den Städten nichts zu suchen. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch forderte nun im "Tagesspiegel" rasch umsetzbare Maßnahmen: Entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte für große, schwere Wagen sehr teuer mache - oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich erhöhte SUV-Parkgebühren in Städten.

Zuvor hatte sich der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), negativ über die Geländewagen geäußert. "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt." Jeder Fahrfehler bedeute Lebensgefahr für Unschuldige.

"Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher"

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft widerspricht: "Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart." Mehr Einfluss als das Gewicht hätten Geschwindigkeit und Art des Zusammenstoßes. Im Berliner Fall hätte aber der Ampelmast einen Polo möglicherweise abgehalten.

Mehr als eine Million Neuzulassungen

Die bei Autokäufern beliebten SUV stehen schon länger in der Kritik, allerdings vor allem wegen des Vorwurfs der Klimaschädlichkeit. In diesem Jahr werden nach Branchenschätzungen erstmals mehr als eine Million Sportgeländewagen in Deutschland neu zugelassen. Ihr Marktanteil wird auf rund ein Drittel steigen.

Im Zusammenhang mit der Internationalen Automobilausstellung IAA gab es Forderungen nach einem Strategiewechsel der Autohersteller.

Grüne und Umwelthilfe fordern: SUV raus aus den Städten
Anita Fünffinger, ARD Berlin
09.09.2019 07:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. September 2019 um 06:36 Uhr.

Darstellung: