Zerstörtes Schaufenster nach Randale in Stuttgart | AFP

Nächtlicher Großeinsatz Schock in Stuttgart nach Ausschreitungen

Stand: 21.06.2020 13:33 Uhr

Nach den nächtlichen Ausschreitungen in Stuttgart vernimmt die Polizei 20 Festgenommene. Hunderte hatten in der Fußgängerzone randaliert, geplündert und die Polizei attackiert. Die Situation war während einer Drogenkontrolle eskaliert.

Ein enormer Sachschaden, jede Menge Scherben und geschockte Stuttgarter: Der nächtliche Gewaltausbruch in der Innenstadt hat Spuren hinterlassen. Anwohner und Ladenbesitzer hätten "ein völlig neues Ausmaß an Gewalt und Zerstörung" erlebt, berichtet ARD-Korrespondentin Jenni Rieger.

Eskalation nach Drogenkontrolle

Mit den Informationen der Polizei aus der Nacht lässt sich langsam nachzeichnen, was passiert ist: Auslöser der Ausschreitungen war demnach eine Personenkontrolle wegen eines möglichen Rauschgiftdelikts in der Nähe des Schlossplatzes. Dort versammeln sich an Wochenenden oft viele Menschen, um zu feiern.

Doch während der Kontrolle hätten sich viele Feiernde gegen die Beamten solidarisiert. "Abgestellte Streifenwagen wurden massiv beschädigt", schilderte die Polizei die Vorgänge. "Mit Stangen und Pfosten wurde auf die Fahrzeuge eingeschlagen, die Scheiben zertrümmert." Auch sollen Randalierer auf vorbeifahrende Streifen große Steine und andere Gegenstände geworfen haben. Die Polizeibeamten seien "äußerst aggressiv angegangen und angegriffen" worden. Mehr als ein Dutzend Beamte wurden demnach verletzt.

Die Situation war nach Polizeiangaben zeitweise "völlig außer Kontrolle". Einsatzkräfte aus dem gesamten Bundesland waren in die Hauptstadt beordert worden, um die Lage zu beruhigen.

Kleingruppen zogen durch die Innenstadt

Hunderte der vorwiegend jungen Männer hätten sich in Kleingruppen zusammengeschlossen und seien in die Fußgängerzone gezogen. Dort hätten sie dann wahllos randaliert: Es habe unter anderem Juweliere, Handygeschäfte und Ein-Euro-Shops getroffen, berichtet ARD-Korrespondentin Rieger. Überall hätten am Morgen noch Flaschen, Steine, Scherben und Müll herumgelegen. Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Reinigungskräfte seien im Einsatz.

Mehr als 20 Festnahmen

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben mehr als 20 Tatverdächtige vorläufig fest, die derzeit vernommen werden. Über die mutmaßlichen Täter und ihre möglichen Motive machte sie noch keine Angaben. Im Laufe des Nachmittags will sie sich auf einer Pressekonferenz äußern.

"Ein trauriger Sonntag für Stuttgart"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) verurteilten die gewaltsamen Ausschreitungen. Diese Taten "gegen Menschen und Sachen sind kriminelle Akte, die konsequent verfolgt und verurteilt gehören", teilte Kretschmann mit. "Unsere Gedanken sind bei den verletzten Polizeibeamten und den durch die Plünderungen Geschädigten." Es müsse "mit Hochdruck" geklärt werden, wer hinter den Gewalttaten stecke.

"Eines muss klar sein: Es darf keine rechtsfreien Räume in Stuttgart geben", teilte Kuhn auf Twitter mit. Das sei ein trauriger Sonntag für Stuttgart.

Sondersitzung des Landtags beantragt

Politiker wollen die Gewaltnacht zum Thema im Landtag machen. Innenminister Thomas Strobl (CDU) müsse dort ausführlich über die kriminelle Gewalt und seine Maßnahmen zum Schutz von Gesellschaft und Polizei berichten, forderte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Auch der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Uli Sckerl, sagte, es sei geboten, dass sich der Landtag mit einer Sondersitzung des Innenausschusses ein Bild von der Lage mache.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juni 2020 um 10:00 Uhr sowie die tagesschau um 14.00 Uhr.