Wellen und Gischt der Nordsee treffen während auf die Hafenmole in Büsum. | AFP

Sturmief "Zeynep" Deutschland droht der nächste Orkan

Stand: 18.02.2022 10:32 Uhr

Der Start ins Wochenende wird für viele Menschen ungemütlich. Mit "Zeynep" droht ein weiteres, möglicherweise noch heftigeres Orkantief. Die Bürger sollten sich entsprechend vorbereiten, warnt die Feuerwehr.

Weiten Teilen Deutschlands droht heute der nächste Sturm. Denn von der Nordsee zieht schon das nächste Orkantief namens "Zeynep" herauf. Bereits gestern verursachte die Sturmlage "Ylenia" Ausfälle und Verzögerungen im Zug- und Flugverkehr. Besonders der Norden und Osten sind von den Nachwirkungen noch betroffen. Auf den Straßen gab es einige Tote und Verletzte.

Schwerpunkt des Orkans "Zeynep" ist von heute Nachmittag bis Samstagfrüh die Nordhälfte und die Mitte Deutschlands, sagen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraus. Betroffen seien Teile der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen.

Orkanböen mit bis 140 km/h

In der Nacht zum Freitag ließ der Wind zwar zunächst nach, teilte das DWD mit, aber die Ruhe wird wohl nur von kurzer Dauer sein. Zwischen Nordsee und Hochrhein soll der Wind am Vormittag zunehmen, vom Nachmittag an beginnt dann die nächste schwere Sturmlage - von West nach Ost ausgreifend.

Für die Nordhälfte Deutschlands rechnet der DWD mit orkanartigen Böen und Orkanböen von 100 bis 140 Kilometern pro Stunde bis ins Flachland. In der Nacht zum Samstag könne der Wind an der Nordsee und in einigen Hochlagen wahrscheinlich sogar noch heftiger sein.

"Alles in die Garage räumen"

Um Schäden und Unfälle durch den herannahenden Sturm zu vermeiden, sollten Bürgerinnen und Bürger entsprechende Vorbereitungen treffen. "Alles, was auf der Terrasse ist, was nicht niet- und nagelfest ist, am besten reinholen, in die Garage stellen", sagte Christopher Rehnert, Leiter der Feuerwehr Lüdenscheid, im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Blumenkästen oder andere Gegenstände sollten von Balkonen entfernt werden. Von Spaziergängen rät Rehnert derzeit ab. Vor allem sollte man nach einem heftigen Sturm Ausflüge in den Wald meiden, da dort abgebrochene Äste herunterfallen könnten. "Die Stunden und die Tage danach können immer noch gefährlich sein."

Sturmflut-Gefahr an Nordseeküste

Die Deutsche Bahn erwartet bis einschließlich Samstag Verspätungen und Zugausfälle. Nach dem Sturm gestern sei der Großteil der Strecken im Bahnverkehr mittlerweile wieder befahrbar. Insbesondere zwischen Berlin und Hamburg sowie zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen fuhren wieder Fernverkehrszüge, wie die Bahn mitteilte. Dennoch komme es weiterhin wegen gesperrter Streckenabschnitte im Fernverkehr zu Einschränkungen.

Auf der Strecke nördlich von Berlin Richtung Ostseeküste und nördlich von Hamburg und Münster sowie auf den internationalen Verbindungen von Frankfurt am Main und Berlin nach Amsterdam fahren demnach noch keine ICE und Intercity-Züge. Es komme zu Zugausfällen und Verspätungen. Im Regionalverkehr habe sich der Verkehr weitgehend normalisiert.

Wegen der vorhergesagten weiteren Sturmfront mit teilweise noch höheren Windgeschwindigkeiten sei mit erneuten Einschränkungen zu rechnen. Die Bahn bittet ihre Fahrgäste, sich vor Reiseantritt über ihre Verbindung auf bahn.de oder im DB Navigator zu informieren.

Für die deutsche Nordseeküste wird wieder vor Sturmflut-Gefahr gewarnt. Sturmfluten an sich seien durchaus normal, in der Häufigkeit wie im Moment jedoch schon ungewöhnlich, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Schulunterricht könnte wieder ausfallen

Auch für die Einsatzkräfte etwa von Polizei und Feuerwehr bedeutet das Herannahen von Orkantief "Zeynep", dass sie nur kurz durchatmen können. Mancherorts dürfte auch wieder der Schulunterricht beeinträchtigt sein oder ganz ausfallen.

So teilte der Landkreis Goslar in Niedersachsen mit, dass die Schüler und Schülerinnen nicht überall befördert werden könnten. Deshalb wurde dort der Präsenzunterricht in allen allgemein- und berufsbildenden Schulen abgesagt. Aus Hamburg hieß es, Sorgeberechtigte könnten selbstständig entscheiden, ob ihr Kind zu Hause bleibt, sie sollten dann aber unbedingt die Schule informieren.

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Sturmtief "Ylenia" zieht über Deutschland

Drei Menschen starben durch Sturm

Zuvor hatte schon Orkantief "Ylenia" seit Mittwochabend zu Tausenden Einsätzen geführt. So rückte allein die Berliner Feuerwehr bis Donnerstagabend zu rund 1300 Einsätzen aus. Mindestens drei Autofahrer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt starben bei wetterbedingten Unfällen - zwei wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Ein dritter starb, als sein Anhänger im Sturm auf die Gegenfahrbahn geriet und es dabei zu einem Unfall kam.

Auch in Tschechien, Großbritannien und Polen verursachte das Sturmtief Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen. Mehr als 300.000 Haushalte waren am Donnerstag in Tschechien wegen beschädigter Leitungen ohne Elektrizität. Im Norden Englands waren Tausende Haushalte zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten

Über dieses Thema berichteten am 18. Februar 2022 das Morgenmagazin um 06:51 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.