Ein Fahrrad steht am Nachmittag während einer Sturmflut beim Hochwasser der Elbe auf dem überschwemmten Fischmarkt. | dpa

Sturmtiefs "Ylenia" und "Zeynep" Nach dem Orkan ist vor dem Orkan

Stand: 18.02.2022 02:25 Uhr

Das Orkantief "Ylenia" hat zu Hunderten Einsätzen von Polizei und Feuerwehren geführt. Mindestens drei Menschen starben. Vielerorts fiel die Schule aus. Für heute Mittag wird schon der nächste schwere Sturm erwartet.

Der Sturm "Ylenia" hat Bäume umstürzen lassen, zu gesperrten Straßen geführt und den Zug- und Flugverkehr durcheinandergewirbelt. Zwei Autofahrer wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Ein dritter Autofahrer starb, als sein Anhänger im Sturm auf die Gegenfahrbahn geriet und es dabei zu einem Unfall kam.

Doch die Einsatzkräfte können nur kurz durchatmen - denn der nächste heftige Sturm ist bereits im Anmarsch. "Es zieht noch ein Orkan auf", sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Hamburg. "Zeynep" könnte in Teilen noch stärkere Orkanböen bringen. Der Schwerpunkt dieser neuen Sturmlage ab Freitagnachmittag bis Samstagmorgen liege im Norden und in der Mitte Deutschlands, hieß es am Abend im DWD-Warnlagebericht.

Drei Autofahrer sterben durch Sturm

In Sachsen-Anhalt in der Gemeinde Südharz starb am Donnerstag ein 55-Jähriger auf einer Landstraße. Ein Baum sei durch den starken Wind auf den Wagen des Mannes gefallen, teilte die Polizei mit. Daraufhin habe sich der fahrende Wagen am Morgen überschlagen. Auf einer Landstraße in Niedersachsen zwischen Bad Bevensen und Seedorf starb ein 37 Jahre alter Mann. Auch hier stürzte ein Baum auf das Auto. Ein weiterer Autofahrer starb - ebenfalls in Niedersachsen - bei einem Unfall in Belm im Landkreis Osnabrück: Sein Anhänger geriet im Sturm auf die Gegenfahrbahn, so dass es zum Zusammenstoß mit einem Lkw kam.

Nach zahlreichen Schäden durch den Sturm und vielen Zugausfällen am Donnerstagvormittag begann die Deutsche Bahn mit Aufräumarbeiten. "Für eine Schadensaufnahme ist es noch zu früh. Die Schäden sind aber erheblich", sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. "Im Moment sind Reparaturtrupps der Bahn mit Hochdruck unterwegs, um Strecken freizuräumen, mit der Kettensäge Bäume zu schneiden oder auch Oberleitungen zu reparieren, was bei diesen Wetterbedingungen nicht ganz einfach ist."

Bahn: "Über längeren Zeitraum Einschränkungen"

Wegen des andauernden Sturms sei mit weiteren Störungen zu rechnen. Probleme werde es auch durch die zweite erwartete Sturmfront geben, sagte Stauß. "Ich fürchte, unsere Reisenden müssen noch über einen längeren Zeitraum mit Einschränkungen leben." Reisende sollten sich vor ihren Fahrten genau informieren. Wenn möglich sollten Reisen verschoben werden. Fahrkarten seien länger gültig.

Die Bahn stellte den Fernverkehr von ICEs und ICs in Nord- und Nordostdeutschland zwischenzeitlich komplett ein. Das betraf nach Mitteilungen der Bahn seit der Nacht Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Auch im Regionalverkehr kam es zu Zugausfällen und Verspätungen in vielen Bundesländern. Mit Stand Donnerstagabend informierte die Bahn auf ihrer Website, dass zwischen Berlin und Hamburg wieder einzelne ICE-Züge fahren.

Schulunterricht soll heute wieder wie geplant stattfinden

Nachdem am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen oder Niedersachsen teilweise die Schule ausfiel, Fehltage nicht erfasst wurden oder Distanzunterricht abgehalten wurde, wollten einige Länder am Freitag wieder öffnen. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, der Unterricht solle dann an allen Schulen wieder stattfinden.

In der Nacht zum Donnerstag waren verbreitet schwere Sturmböen und orkanartige Böen aufgetreten. Die Feuerwehren und Polizeileitstellen berichteten am Morgen vielerorts von zahlreichen Einsätzen, größere Schäden blieben vorerst aber aus. Das Sturmtief hat bei Tausenden Haushalten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vorübergehend den Strom ausfallen lassen.

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Sturmtief "Ylenia" zieht über Deutschland

Auf stürmischer Fahrt über die Elbe zerschlug am Donnerstagmorgen eine große Welle die Frontscheiben einer Hamburger Hafenfähre. Drei Fahrgäste seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Ein 15 Meter hoher Antennenmast stürzte in Berlin im Sturm auf die Ringbahn. Die Feuerwehr rückte mit einem Kran aus, um die Strecke freizuräumen, wie ein Sprecher sagte. Die Berliner Feuerwehr rief sowohl in der Nacht als auch am Donnerstagvormittag den Ausnahmezustand aus, was unter anderem bedeutet, dass Freiwillige Feuerwehren zum Dienst gerufen werden.

Auswirkungen auch in Tschechien, Großbritannien und Polen

Einschränkungen wurden derweil auch für den Flugverkehr gemeldet. Passagiere am Berlin-Brandenburger Flughafen BER brauchten am Donnerstagvormittag Geduld. Wegen starker Windböen war die Flugzeugabfertigung stark eingeschränkt, es kam zu Verspätungen, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft sagte. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt waren nach Betreiberangaben Verbindungen mit Berlin, München und Hamburg betroffen. Am Flughafen Hamburg fielen rund ein Dutzend Flüge aus.

Auch in Tschechien, Großbritannien und Polen verursachte das Sturmtief Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen. Mehr als 300.000 Haushalte waren am Donnerstag in Tschechien wegen beschädigter Leitungen ohne Elektrizität. Im Norden Englands waren Tausende Haushalte zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten. In Krakau kippte bei starkem Wind ein Kran auf einer Baustelle um und verletzte vier Bauarbeiter. Zwei der Männer seien im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, teilte die Polizei mit.

Heute Orkanböen bis 135 Stundenkilometern an der Nordseeküste erwartet

Seit Donnerstagnachmittag sollte der Wind von Tief "Ylenia" laut DWD zwar langsam nachlassen. Die Verschnaufpause dürfte jedoch nur kurz sein. Bereits für heute wird das nächste Orkantief - "Zeynep" genannt - von den Britischen Inseln kommend erwartet. Vor allem an den Küsten dürfte es von Freitag auf Samstag ruppig werden, wie DWD-Meteorologin Franka Nawrath der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Wir warnen vor extremen Orkanböen bis 135 Stundenkilometern an der Nordseeküste."

Auch an der Ostseeküste werden am Freitagabend demzufolge extreme Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 Stundenkilometern erwartet. In den übrigen Regionen des Nordens könne mit orkanartigen Böen oder auch Orkanböen gerechnet werden. Mit welcher Wucht das Orkantief den Norden treffen wird, sei aber noch immer nicht zu 100 Prozent berechenbar.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Februar 2022 um 22:15 Uhr.