Die Gischt der aufgepeitschten Nordsee überflutet bei Sturm den Fähranleger Dagebüll.  | dpa

Unwetterwarnung aufgehoben Sturmtief richtet schwere Schäden an

Stand: 30.01.2022 15:31 Uhr

Das Sturmtief "Nadia" hat in Deutschland zu Hunderten Einsätzen von Rettungskräften geführt. In Brandenburg starb ein Mann, mehrere Menschen wurden verletzt. Insgesamt wurden in Nordeuropa vier Todesopfer gemeldet.

Das Sturmtief "Nadia" hat im Norden und im Osten Deutschlands mehrere schwere Unfälle verursacht. Im brandenburgischen Beelitz kam ein Fußgänger ums Leben. Ein Wahlplakat war umgeweht worden und auf ihn gestürzt. In Bremen und im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden zwei Menschen bei Unfällen aufgrund von umgestürzten Bäumen schwer verletzt.

Das Sturmtief erreichte Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometer pro Stunde. Diese Werte lieferten Messstationen des Deutschen Wetterdienstes von den Leuchttürmen der Alten Weser (Nordsee) und Kiel (Ostsee). Auf Hallig Hooge (Kreis Nordfriesland) wurde eine Böe mit 127 km/h gemessen. In List auf Sylt, Kap Arkona auf Rügen und Glücksburg bei Flensburg wurden Werte von 119 km/h in der Spitze gemessen.

Hunderte Einsätze von Polizei und Feuerwehr

Allein in Hamburg gab es nach Angaben der Polizei Hunderte Einsätze. Das Mittagshochwasser überflutete das Gelände des Fischmarkts erneut. Tausende Schaulustige zog es an die Elbe, um dies zu beobachten. Der Wasserstand am Pegel St. Pauli stieg auf 2,60 Meter über dem mittleren Hochwasser. Kurz nach Mitternacht war der Wasserstand mit 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser angegeben worden. Mehrere Autos wurden durch Wasser beschädigt.

In Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin kam es ebenfalls zu zahlreichen Einsätzen von Rettungskräften.

Gesamte Nordseeküste betroffen

Auch an anderen Orten gab es Sturmfluten. "Zwar nicht überall eine schwere Sturmflut wie in Hamburg", sagte die Sprecherin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Es sei aber die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen. In Bremerhaven habe der Scheitelwert beispielsweise bei 2,14 Metern über dem mittleren Hochwasser gelegen.

Inzwischen hob das BSH die Sturmflutwarnung für die deutsche Nordseeküste auf. An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Bis zum Abend gilt für die Ostseeküste um Rügen eine Sturmflutwarnung. Der Wasserstand soll dort dann 1,20 Meter höher als der mittlere Wasserstand sein. Für die Lübecker Innenstadt sowie Travemünde wird ab etwa 21.30 Uhr ein Wasserhöchststand von 1,20 Meter über Normalnull erwartet. Die Gefahrenabwehrbehörde forderte Bewohner daher auf, das betroffene Gebiet zu meiden und nicht durch überflutete Straßen zu fahren.

An der Ostseeküste spricht man bereits 1,00 bis 1,25 Meter über mittlerem Wasserstand von einer Sturmflut. Bei einer mittleren Sturmflut steigt der Pegel auf 1,25 bis 1,50 Meter über mittlerem Wasserstand. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird ab Werten von mehr als 1,50 beziehungsweise 2,00 Metern über mittlerem Wasserstand gesprochen.

Havarien auf der Nordsee und in Hamburg

In Hamburg und auf der Nordsee kam es außerdem zu zwei Havarien: Im Hamburger Hafen fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen.

Die Unfallursache war zunächst unklar. Es sei möglich, dass sich der Kapitän wegen des steigenden Wasserstandes der Elbe verschätzt habe. Am frühen Morgen konnte das Schiff freigeschleppt werden, teilte die Feuerwehr mit.

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr kommen zu einem Unfallort, nachdem sich ein Binnenschiff unter einer Brücke in Hamburg festgefahren hat. | dpa

Ein Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke in Hamburg hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Bild: dpa

Der zweite Vorfall ereignete sich rund 30 Kilometer vor der ostfriesischen Küste. Dort trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die 190 Meter lange "Vienna" hatte wegen des Sturms erkennbar Probleme zu manövrieren, wie ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven mitteilte. 

Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden.

Beeinträchtigungen im Bahnverkehr

Auch der Bahnverkehr war von den Unwettern stark betroffen. Die Probleme sollten im Laufe des Tages gelöst werden, teilte die Deutsche Bahn mit. Auf dem Abschnitt zwischen Stralsund und Ostseebad Binz fielen die ICE- und IC-Züge aus. Zwischen Bremen und Hamburg kam es zu Verspätungen, da der Streckenabschnitt nur eingleisig befahrbar war. Zwischen Rostock und Hamburg sowie Berlin sollten Fahrgäste mit kurzfristigen Zugausfällen und Verspätungen rechnen.

Auch im Regionalverkehr kam es wegen der Unwetterschäden noch zu Verspätungen und Ausfällen. Als Gründe nannte die Bahn vielerorts Bäume, die auf die Gleise gestürzt waren - oder Störungen der Oberleitung.

Drei Tote in Schottland und Dänemark

In Skandinavien und Schottland kamen mindestens drei Menschen ums Leben. In Dänemark erlag Medienberichten zufolge eine 78-Jährige ihren schweren Verletzungen, die sie bei einem Sturz im Sturm erlitten hatte. Viele Regionen Dänemarks wurden überschwemmt, es gab mehrere Verkehrsunfälle durch umstürzende Bäume und herumfliegende Trümmer.

In Schottland wurden ein Junge und ein 60-jähriger Mann von umstürzenden Bäumen erschlagen. Zeitweise war die Stromversorgung von Hunderttausenden Haushalten unterbrochen.

Auch aus Schweden, Norwegen und Finnland wurden erhebliche Sachschäden an Autos, Booten und Häusern gemeldet. In Finnland kam es bei schwerem Schneefall zu Verkehrsunfällen und zum Ausfall von Bus- und Zugverbindungen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Januar 2022 um 11:00 Uhr.