Ein Binnenschiff hängt unter der Freihafenelbbrücke in Hamburg fest.  | dpa

Sturmtief "Nadia" Hunderte Einsätze in Norddeutschland

Stand: 30.01.2022 10:44 Uhr

Das Sturmtief "Nadia" hat im Norden für Hunderte Polizei- und Feuerwehreinsätze gesorgt. Der Bahn- und Fernverkehr wurde zwischenzeitlich stark eingeschränkt. Die Behörden warnen vor einer erneuten Sturmflut an Nord- und Ostsee.

Umgestürzte Bäume, lose Dachziegel und umgekippte Baustellenabsperrungen - wegen Sturmtief "Nadia" gab es in Norddeutschland Hunderte Polizei- und Feuerwehreinsätze.

Allein in Hamburg meldete die Feuerwehr 450 wetterbedingte Einsätze seit Samstagmorgen. Die Polizei musste fast 300 Mal ausrücken. Neben Sturmschäden kam es auch zu zahlreichen Hochwassereinsätzen.

Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) war es in der Nacht im Hamburger Elbgebiet zu einer schweren Sturmflut gekommen - diese setzte den Fischmarkt im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter Wasser. Der Scheitel sei gegen 0.17 Uhr mit 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte eine Sprecherin des BSH.  

Binnenschiff fährt gegen Brücke im Hamburger Hafen

Im Hamburger Hafen fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen. Die genaue Unfallursache war zunächst unklar.

Am frühen Morgen konnte das Schiff freigeschleppt werden, teilte die Feuerwehr mit. Während des Einsatzes mussten zeitweise die A255 und der Zugverkehr gesperrt werden.

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr kommen zu einem Unfallort, nachdem sich ein Binnenschiff unter einer Brücke in Hamburg festgefahren hat. | dpa

Ein Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke in Hamburg hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Bild: dpa

Hunderte Einsätze in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein traf der Sturm unter anderem die Region Lübeck schwer. Die Polizei verzeichnete 350 Einsätze seit Samstagmorgen. Unter anderem kippte ein 3,5 Tonnen schwerer Laster auf der Fehmarnsundbrücke um. Mittlerweile ist diese voll gesperrt. Auch ein Auto sei auf der Brücke verunglückt - wegen des starken Windes könnten aber keine Abschleppfahrzeuge zur Unfallstelle fahren, teilte die Polizei mit. Außerdem stürzte ein Baum auf die Autobahn 21 - insgesamt acht Menschen wurden dabei leicht verletzt.

Auch die Regionalleitstelle Mitte, die für Kiel sowie die Kreise Rendsburg Eckernförde und Plön zuständig ist, musste bis zum Morgen 387 Mal ausrücken. Die nördlichste Regionalleitstelle der Feuerwehr verzeichnete für Flensburg, Schleswig und Husum 159 Einsätze - bei der Polizeileitstelle West in Elmshorn waren es 130.

Havarierter Frachter vor der ostfriesischen Küste

Die Feuerwehr in Bremen war nach Angaben eines Sprechers in der Nacht mehr als 40 Mal im Einsatz. Im Kreis Aurich in Ostfriesland wurde die Feuerwehr rund 25 Mal zu Hilfe gerufen. Auch dort waren Bäume oder Bauzäune umgestürzt. Dem niedersächsischen Innenministerium in Hannover lagen zunächst keine genaue Zahlen vor. Größere Einsätze habe es zunächst aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher.

Vor der ostfriesischen Küste trieb stundenlang ein havarierter Frachter: Die 190 Meter lange "Vienna" hatte erkennbar Probleme zu manövrieren, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven. Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden. Die 24 Crewmitglieder blieben nach ersten Erkenntnissen unverletzt. Das Schiff sei nicht beschädigt worden.

Das Sturmtief bescherte auch Feuerwehr und Polizei in Mecklenburg-Vorpommern viele Einsätze. In Schwerin und Umgebung sei man knapp 200 Mal ausgerückt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch in Stralsund berichtete das Lagezentrum, dass man alle Hände voll zu tun habe.

Massive Probleme im Bahnverkehr

Das Sturmtief sorgte für massive Verkehrsbehinderungen: Die Deutsche Bahn (DB) stellte den Fernverkehr in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen am Samstagabend zwischenzeitlich ganz ein, wie sie auf Twitter mitteilte.

Die Fernzüge konnten später wieder anrollen. Die Bahn meldet aber aufgrund von Unwetterschäden anhaltende Beeinträchtigungen des Zugverkehrs.

Warnung vor schwerer Sturmflut

Noch ist das Unwetter nicht vorbei. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt für die deutsche Nordseeküste vor der Gefahr einer schweren Sturmflut. Das Vormittags- beziehungsweise das Nachmittag-Hochwasser werde an der ostfriesischen Küste, im Weser- und Elbegebiet 2 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. An der nordfriesischen Küste können Pegelstände von 1,5 bis 2 Meter höher als das mittlere Hochwasser erreicht werden.

Im Hamburger Elbegebiet kann das Hochwasser sogar 2,5 bis 3 Meter höher sein als das mittlere Hochwasser. Die Sturmflutgefahr besteht nach BSH-Angaben bis etwa 14.37 Uhr.

Auch für die Ostseeküste besteht am Sonntag die Gefahr einer Sturmflut. Hier werden am Nachmittag beziehungsweise Abend Wasserstände bis 1,35 Meter über dem mittleren Wasserstand erwartet. An der Ostseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Wasser 1,00 bis 1,25 Meter über mittlerem Wasserstand aufläuft.

Auch der deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor allem für die nordöstliche Hälfte Deutschlands weiter vor Unwetter. Orkanböen erwartete der DWD auch auf dem Brocken im Harz und auf dem Fichtelberg.  In den Hochlagen des Bayerischen Waldes und der Alpen könne es zu schweren Sturmböen kommen, insgesamt seien Sturmböen in der Nordhälfte und den höheren Lagen des Südens verbreitet. In den zentralen Mittelgebirgen herrsche gebietsweise leichter Frost mit Glätte.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. Januar 2022 um 23:15 Uhr.