Ein Positionslicht ist bei Sturm und Einbruch der Dunkelheit am Fähranleger zu sehen | dpa

Sturmtief über Norddeutschland Starke Beeinträchtigungen im Bahnverkehr

Stand: 30.01.2022 03:14 Uhr

Sturmtief "Nadia" sorgt in Norddeutschland für Beeinträchtigungen und Zugausfälle. Am Abend war der Fernverkehr vorübergehend ganz eingestellt worden. Für die Nordseeküste besteht die Gefahr einer schweren Sturmflut.

Wegen des Sturmtiefs über der Nordsee kommt es in Norddeutschland zu massiven Problemen im Bahnverkehr. Der Fernverkehr in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen sei für etwa 50 Minuten eingestellt worden, mittlerweile aber wieder angelaufen, sagte ein Bahnsprecher. 

Betroffen sind den Angaben zufolge insbesondere die ICE-Strecken zwischen Hamburg und Bremen sowie zwischen Hamburg und Berlin. Dort komme es auch weiterhin zu großen Beeinträchtigungen, sagte der Sprecher weiter. Im Regionalverkehr gibt es der Bahn zufolge ebenfalls Zugausfälle und Verspätungen. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt über die Webseite, die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt. Wann die Züge wieder wie geplant fahren, ist unklar. Man müsse zunächst die Nacht abwarten, sagte der Bahnsprecher.

Binnenschiff fährt gegen Brücke im Hamburger Hafen

Im Hamburger Hafen hat sich ein Binnenschiff unter einer Brücke festgefahren. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen.

Die genaue Unfallursache war zunächst unklar. Es sei möglich, dass sich der Kapitän wegen des steigenden Wasserstandes der Elbe verschätzt habe. Die Brücke sei gesperrt. "Das Schiff klemmt unter der Brücke. Wenn das Wasser weiter steigen sollte, besteht die Gefahr, dass es unter Wasser gedrückt wird und untergeht", sagte der Sprecher weiter. Daher seien nun Schlepper auf dem Weg, um das Schiff freizubekommen.

Ein unbeladener Frachter trieb wegen des Sturmtiefs mehrere Stunden vor der deutschen Küste: Die 190 Meter lange "Vienna" hatte erkennbar Probleme zu manövrieren, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven. Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden.

Die nächsten Stunden bleiben stürmisch

Die nächsten Stunden bleiben nach Angaben des Deutsche Wetterdienstes (DWD) stürmisch. Die Experten warnten vor Sturm bis hin zu Orkanböen. Der Höhepunkt werde in der Nacht zum Sonntag erwartet, sagte ein DWD-Meteorologe in Offenbach.

Wie der DWD mitteilte, verstärken sich die Winde vielerorts in Niedersachsen im Laufe des Abends und können an den Küsten Geschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern pro Stunde erreichen. Vereinzelt seien in Schleswig-Holstein und an exponierten Abschnitten der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern auch Orkanböen der Windstärke zwölf mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde nicht ausgeschlossen.

Sturmfluten drohen an den Küsten

Eine schwere Sturmflut setzte den Fischmarkt im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter Wasser. Der Scheitel sei gegen 0.17 Uhr mit 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Nun gehe das Hochwasser wieder zurück. Das BSH hatte in Hamburg mit Wasserständen von bis zu drei Meter über dem mittleren Hochwasser gerechnet.  Wegen der erwarteten Sturmflut war in Hamburg ein Krisenstab in der Innenbehörde eingerichtet worden. "Dort werden die Kompetenzen gebündelt", sagte ein Polizeisprecher. Auch die Feuerwehr und die die Bezirksämter seien Teil des Zentralen Katastrophendienstes (ZKD).

Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie besteht auch für die deutsche Nordseeküste die Gefahr einer Sturmflut. An der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern bestehen ebenfalls Sturmflutwarnungen. Mehrere Fähren zwischen Rostock und Gedser auf der dänischen Insel Falster fallen aus.

Schwere Böen auch auf dem Brocken

Auf dem Brocken im Harz rechnet der DWD ebenfalls mit schweren Sturmböen. Die Nationalpark-Verwaltung rät deshalb auch über das Wochenende hinaus von Waldbesuchen ab. Durch die orkanartigen Böen bestehe akute Lebensgefahr, hieß es. Bäume könnten entwurzelt werden und ganze Baumkronen sowie Äste herabstürzen.

Laut DWD lässt der Wind am Sonntag im Tagesverlauf nach, der Tag verlaufe dann überwiegend recht freundlich, bei Höchsttemperaturen zwischen vier und acht Grad.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Januar 2022 um 20:50 Uhr.