Das Wasser drückt durch den Sturm auf den Fähranleger.  | dpa

Orkantief über Deutschland Mehrere Tote und Verletzte

Stand: 19.02.2022 07:37 Uhr

Bei seinem Zug durch Teile Europas bekommt auch Deutschland die Wucht von "Zeynep" ab. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.

Heftige Böen des Orkantiefs "Zeynep" haben am Abend und in der Nacht erhebliche Schäden in Deutschland angerichtet. Der Deutsche Wetterdienst teilte mit, an der Nordsee und auf dem Brocken im Harz habe es "extreme Orkanböen" gegeben.

In Bremen wurden wegen "Zeynep" mehrere Gebiete evakuiert. Es bestehe Überschwemmungsgefahr, teilte die Polizei mit. Die Bereiche Pauliner Marsch, Stadtwerder und Rablinghauser Deich würden daher geräumt. Die Menschen wurden demnach per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, die Gegend zu verlassen und zu meiden. Es handele sich überwiegend um Kleingartenanlagen.

Schwere Sturmflut in Hamburg

"Zeynep" hat Hamburg und Schleswig-Holstein voll erwischt, aber wohl weniger Schaden angerichtet als befürchtet. Feuerwehren und Polizei meldeten bis Samstagmorgen zwar zahlreiche Einsätze, doch blieb es zunächst in der Regel bei Sachschäden und umgestürzten Bäumen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte im Laufe des Abends in Kiel, Hamburg, auf Sylt und auf Helgoland Windstärken zwischen 9 und 11 gemessen, in Büsum wurde eine Orkanböe mit 143,3 Kilometer pro Stunde festgestellt. Der DWD hat die Höhe der in Hamburg am frühen Morgen erwarteten Sturmflut nach oben korrigiert. Statt mit einer schweren Sturmflut mit Wasserständen von bis zu drei Metern müsse nun mit bis zu 3,5 Metern gerechnet werden, was einer sehr schweren Sturmflut entspräche, teilte der Wetterdienst am Samstag mit.

Zwei Tote im Münsterland

Im Münsterland kam ein Autofahrer ums Leben. Auf der B54 bei Altenberge stürzte nach WDR-Informationen ein Baum auf ein Auto.

Nach Informationen von buten un binnen kletterte in der Gemeinde Wurster an der Nordseeküste bei Bremerhaven am Abend ein Mann auf ein Dach und stürzte ab. Angaben der Feuerwehr zufolge war es wohl sein eigenes Haus, an dem sich Dachpfannen gelöst hatten.

Verletzte durch umgestürzte Bäume

Im hessischen Lahn-Dill-Kreis wurden bei zwei Autounfällen wegen umgestürzter Bäume vier Menschen verletzt. Das teilte eine Sprecherin des Kreisausschusses mit. Der erste Unfall ereignete sich demnach auf der Landstraße 3451 bei Braunfels. Hier habe die Feuerwehr die beiden eingeschlossenen Fahrzeuginsassen befreien müssen, hieß es. Ein weiterer Baum sei zwischen Hüttenberg-Weidenhausen und Wetzlar auf einen Wagen gestürzt. Auch hier wurden demnach zwei Menschen im Auto eingeschlossen.

Auf der Autobahn A7 nahe Fulda stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto. Die Fahrerin wurde leicht verletzt, ihr 26-jähriger Beifahrer trug nach Polizeiangaben schwere Verletzungen davon. 

In Rheinland-Pfalz im Landkreis Ahrweiler wurden ein Traktorfahrer und seine Beifahrerin auf der Bundesstraße 267 bei Dernau leicht verletzt, als durch Sturmböen ein zunächst unbekannter Gegenstand gegen die Frontscheibe schlug. Das berichtete die Polizeiinspektion Bad Neuenahr-Ahrweiler.

NRW: Zugausfälle und herabfallende Dachziegel

In Nordrhein-Westfalen fielen Bäume, Bauzäune und Straßenschilder um. Im Zugverkehr gab es starke Beeinträchtigungen. Am Freitagnachmittag stellte die Deutsche Bahn erst den Regionalverkehr in dem Bundesland komplett ein, wie ein Sprecher sagte. Später wurde auch der Fernverkehr im ganzen Land eingestellt, wie die Bahn auf Twitter mitteilte.

Auf der Landstraße 763 zwischen Willebadessen und Kleinenberg wurde ein Kleinbus von einem umstürzenden Baum begraben. Dabei wurden nach Angaben der Polizei "wie durch ein Wunder" nur zwei Menschen leicht verletzt. Die insgesamt sieben Insassen waren vor dem Aufprall des Baums ausgestiegen, weil ein anderer zuvor umgestürzter Baum die Fahrbahn blockiert hatte. Der Kleinbus hatte die Strecke befahren, obwohl sie von der Polizei durch Beschilderungen gesperrt worden war.

In Solingen wurde ein Mensch durch herabfallende Dachziegel verletzt, wie ein Stadt-Sprecher sagte. In Mülheim stürzten nach Angaben der Feuerwehr mehrere 25 Meter hohe Buchen aus einem Waldstück quer über die Straße und landeten auf Hausdächern. Die Bewohner mussten die Gebäude verlassen.

Fahrzeuge kippen um wie Spielzeuge

In Thüringen brachten die Sturmböen Fahrzeuge nördlich von Erfurt wie Spielzeuge zum Umkippen. Auf der Bundesstraße 4 bei Greußen sei ein Auto mit Anhänger regelrecht von der Straße geblasen worden, sagte ein Sprecher der Landeseinsatzzentrale in Erfurt. Bei Straußfurt kippte der Wind einen Transporter um. Menschen wurden hier nicht verletzt.

"Zeynep" hat auch Sachsen-Anhalt am Abend mit großer Wucht erreicht. "Es stürmt ordentlich. Die Feuerwehr ist zahlreich im Einsatz", sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion in Stendal. Der Sturm habe vielerorts Bäume umstürzen lassen. Es habe auch einige Unfälle deswegen gegeben. Verletzte wurden zunächst aber nicht gemeldet.

Niedersachen: Häuser in Aurich evakuiert

Weil ein Baukran in Aurich in Ostfriesland in Niedersachen umzukippen drohte, sind dort am Abend zwei Einfamilienhäuser evakuiert worden. "Er drehte und neigte sich erheblich, wir mussten auch die Baufirma hinzuziehen", sagte ein Feuerwehrsprecher. Feuerwehr und Eigentümer sicherten den schweren Kran dann am Abend.

Wegen des heftigen Sturms seien bis zum späten Abend im Kreis Aurich mehr als 210 Einsätze zu verzeichnen gewesen. Im Kreis Leer gab es weit mehr als 100 Einsätze, wie es hieß. Bäume seien auf Häuser gestürzt. Eine Eiche krachte in Aurich in ein Haus, es sei unbewohnbar, hieß es von der Feuerwehr. Carports und Dächer mussten von den Einsatzkräften gesichert werden, sie drohten abzuwehen.

Hamburg: Kind verletzt

In Schleswig-Holstein stürzten auf der Bundesstraße 77 bei Hohenlockstedt im Kreis Steinburg am späten Abend zwei Bäume im Abstand von rund 50 Metern um. Ein Autofahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr in einen umgestürzten Baum. Der Mann wurde leicht verletzt. Ein weiterer Autofahrer blieb unverletzt, als sein Pkw von einem umstürzenden Baum getroffen wurde.

In Hamburg stürzte ein Baum auf parkende Autos und verletzte ein Kind leicht, das mit seinem Fahrrad unterwegs war. In Berlin rief die Feuerwehr am Abend den Ausnahmezustand aus. Die Berliner Feuerwehr wurde zu mehreren Hundert Einsätzen gerufen. Es seien Bäume entwurzelt worden und stellenweise gegen Gebäude gestürzt, Dächer wurden beschädigt und dicke Äste herabgeweht, so ein Sprecher. "Das war querbeet alles, was bei einem Sturm immer ist." Die Lage sollte sich den Vorhersagen zufolge in der Hauptstadt erst in den frühen Morgenstunden entspannen.

Baden-Württemberg: Schornsteine stürzen auf Straße

Und auch in Baden-Württemberg sorgte das Sturmtief "Zeynep" für Schäden. Rund 60 Quadratmeter Blechdach löste der starke Wind in Stuttgart, wie die Feuerwehr mitteilte. Dabei stürzten zwei Schornsteine auf die Straße, mehrere parkende Fahrzeuge wurden beschädigt. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste versperrten Straßen und Schienen - auch die Stadtbahn fiel laut Polizei für kurze Zeit aus. "Verletzte oder Tote haben wir aber nicht", sagte ein Polizeisprecher in Stuttgart.

In Freiburg stürzte nach Angaben der Polizei ein Baum auf eine Stromleitung, im Stadtteil Lehen fiel für eine Dreiviertelstunde der Strom aus. In Karlsruhe lösten sich einige Ziegel von einem Kirchturm. Es sei jedoch niemand verletzt worden, versicherte ein Polizeisprecher. Das Kirchendach sei gesichert, der Platz rund um die Kirche bleibe aber voraussichtlich bis Montag gesperrt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Februar 2022 um 03:15 Uhr.