Aktivisten stellen Stühle auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude auf.  | dpa

Aktion vor dem Reichstagsgebäude 13.000 Stühle für Moria

Stand: 07.09.2020 14:31 Uhr

Im Rahmen einer bundesweiten Aktion gegen Rassismus haben mehrere Organisationen Tausende Stühle vor dem Reichstagsgebäude aufgestellt. Sie fordern die Aufnahme weiterer Flüchtlinge, vor allem aus den überfüllten griechischen Lagern.

Als "Symbol der Aufnahmebereitschaft für schutzsuchende Menschen aus Moria und allen überfüllten Lagern an den EU-Außengrenzen" haben mehrere Flüchtlingshilfsorganisationen 13.000 weiße Stühle vor dem Reichstagsgebäude in Berlin aufgestellt.

"Humanitäre Katastrophe an den Außengrenzen"

Die Gruppen Seebrücke, Sea-Watch, #LeaveNoOneBehind und Campact fordern damit die Politik auf, "die humanitäre Katastrophe an den europäischen Außengrenzen endlich zu beenden und die Lager zu evakuieren". Die Stühle symbolisierten die Menschen, die momentan im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos lebten, erklärten die Organisationen. Zugleich sollten sie "den Platz und die Aufnahmebereitschaft der Städte, Länder und Zivilgesellschaft" verdeutlichen.

Die Lage in den überfüllten griechischen Lagern habe sich zuletzt noch verschärft, hieß es weiter mit Verweis auf die Feststellung des ersten Corona-Falls in Moria. Ähnliche Aktionen im Rahmen der antirassistischen Aktionstage von "We'll Come United" soll es auch in etlichen anderen deutschen Städten sowie in Wien geben.

Deutschland nahm 465 Menschen aus Moria auf

"Der Bundestag war in Sommerpause, die akute humanitäre Katastrophe an den europäischen Außengrenzen nicht", erklärte Tareq Alaows von der Organisation Seebrücke. "Die Notlage verlangt schnelle Hilfe und sofortiges Handeln."

Alaows verwies darauf, dass seit Jahresbeginn erst 465 Menschen aus Moria im Rahmen einer Hilfsaktion für kranke Kinder und deren Familien nach Deutschland kamen. "Das ist absolut absurd, wenn man auf das Leid vor Ort und die Aufnahmebereitschaft hier in Deutschland schaut."

Doreen Johann von der Organisation Sea-Watch ergänzte: "Nachdem in den letzten Tagen die Bilder mit Rechtsextremen vor dem Reichstagsgebäude um die Welt gingen, wollen wir zeigen, was stattdessen vor dieses Gebäude gehört: Ein Protest für die Achtung der Menschenwürde und Menschenrechte."

Europäisches Seenotrettungsprogramm gefordert

Die Organisationen verlangen auch, dass die Bundesländer "ihre Spielräume ausnutzen und Landesaufnahmeprogramme beschließen", und dass der Bund dies zulässt. Außerdem fordern sie ein europäisches Seenotrettungsprogramm. Bis dahin dürften "zivile Akteure nicht länger kriminalisiert werden und Staaten müssen ihrer Pflicht zur Seenotrettung nachkommen".

Der Zugang zu Asylverfahren als Grundlage des Asylrechts müsse garantiert werden, mahnen sie weiter. Außerdem müssten "Menschenrechtsverletzungen wie illegale Rückführungen und Misshandlungen von Schutzsuchenden durch EU-Staaten" beendet werden. Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft müsse die Bundesregierung dafür Sorge tragen.

 Helfer stellen Stühle auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude auf. | dpa

Die Stühle symbolisieren die Menschen, die momentan in Moria leben, sowie den Platz und die Aufnahmebereitschaft der Städte, Länder und Zivilgesellschaft. Bild: dpa

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. September 2020 um 15:00 Uhr.