Ein Radfahrer fährt auf dem markierten Fahrradstreifen auf der Straße. | Bildquelle: Philipp Wundersee

Unfallrisiko beim Radfahren Die Gefahr am Straßenrand

Stand: 14.07.2020 12:01 Uhr

Parkende Autos sind für Radfahrer ein weitaus größeres Sicherheitsproblem als bisher bekannt. Jeder fünfte Unfall wird durch sie verursacht - weil sie die Sicht einschränken oder die Fahrertür plötzlich aufgeht.

Von Philipp Wundersee, WDR Köln

Tatort Venloer Straße in Köln. Mitten in der morgendlichen Rushhour parkt ein weißer Lieferwagen in zweiter Reihe und blockiert damit nicht nur die Straße für Autofahrer, sondern auch den Radweg auf der Straße. Die Traube aus Radfahrern schert aus, kommt in den Gegenverkehr, quetscht sich zwischen Lieferwagen und parkenden Autos hindurch.

"Es ist einfach nur ein Alptraum in Köln", sagt Christian Abel. Der Radfahrer steht mit seinem Rennrad am Straßenrand. "Es wird von Auto- und Radfahrern keine Rücksicht genommen. Man hat den Eindruck, keiner war in der Fahrschule." Eine neue Studie der Unfallforscher der Versicherer (UDV) zeigt nun, dass illegal, aber auch legal parkende Autos für das Unfallgeschehen eine erhebliche Rolle spielen.

Autotür: Keine Chance für Radfahrer

Öffnet sich plötzlich eine Autotür, hat der Radfahrer keine Chance. "Radfahrer können einen solchen Unfall praktisch nicht verhindern, wenn sie nah an parkenden Autos vorbeifahren", sagt Siegfried Brockmann, der die UDV leitet. "Schwingt die Tür auf, müsste man bei 20 km/h mindestens elf Meter, also fast drei Wagenlängen, entfernt sein, um noch zum Stehen zu kommen." Dabei habe eine Tür gefährliche Kanten. Und dazu komme noch der Sturz auf die Fahrbahn. Deshalb enden solche Unfälle oft mit schweren Verletzungen.

Dem stimmt Radfahrer Christian Abel zu. Er selbst ist auch schon gestürzt, als er einer Autotür spontan ausweichen musste. "Wenn Kontrollen vom Ordnungsamt da sind, dann wird der Radweg mal nicht als Parkplatz genutzt", sagt Abel. "Keine fünf Minuten später ist hier schon wieder der Lieferwagen mit seiner Warnblinke. Ich fahre mit ungutem Gefühl daran vorbei."

Radfahrer fahren auf der Straße.
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Fahrradstreifen haben das Problem erst groß gemacht, sagen Unfallforscher.

Kommunen müssen handeln

Siegfried Brockmann fordert schnelles Handeln bei den Kommunen. "Das Problem ist überhaupt erst groß geworden durch Fahrradstreifen auf der Fahrbahn", sagt Brockmann. "Hier muss zwingend ein ausreichend breiter Sicherheitsstreifen zu parkenden Autos markiert werden, mindestens 75 cm. Meist ist der aber schmaler, oder sogar gar nicht vorhanden." Wenn die Straße nicht breit genug dafür sei, dürften dort eben keine Parkplätze sein.

Christoph Schmidt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club kennt die Probleme in Köln und anderen Städten. "Die fast vollständige Nutzung des öffentlichen Raums als Großparkplatz ist ein grundsätzliches Problem", kritisiert er. "Verkehrsteilnehmer sehen sich nicht und müssen ausweichen. Und für Radfahrende kommen die Gefahren durch rangierende Autos und unachtsam geöffnete Autotüren hinzu." Radfahrer sollten aktiv Abstand zu parkenden Autos halten und ebenso nur mit Abstand durch fahrende Kraftfahrzeuge überholt werden, so sein Appell.

Auf der Venloer Straße in Köln sei das im Alltag nicht möglich, sagt Radfahrer Christian Abel. Die Sicht sei häufig nicht ausreichend, Autos würden wenden, der Radweg sei zu nah an den Parkplätzen.

Hauptproblem: Dooring und Sichtbehinderung

Wesentliche Probleme sind laut der aktuellen Studie das sogenannte Dooring und Sichtbehinderungen durch parkende Fahrzeuge. Auch deswegen fordern die UDV weitreichende Maßnahmen: Mehr Parkverbote an Straßenkreuzungen, verstärkte Ahndung bei Verstößen und autonome Türblockierung bei Autos durch Assistenzsysteme.

Anfangen könnte jeder Autofahrer mit dem sogenannten Holländer-Griff, bei dem man mit der rechten Hand die Türe öffnet. So wäre der Fahrer zu einer Drehbewegung gezwungen und würde beim Drehen vermehrt auf den Radverkehr achten. "Das Problem Parken wurde bisher krass unterschätzt", sagt Siegfried Brockmann. Das kann jeder bestätigen, der einige Minuten den Verkehr auf der Venloer Straße in Köln beobachtet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 14. Juli 2020 um 18:10 Uhr.

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