Eine junge Lehrerin schreibt schreibt zahlen auf eine Tafel (Archiv, 17.08.2016) | Bildquelle: dpa

Bildungsstudie zu Grundschulen Lehrer verzweifelt gesucht

Stand: 31.01.2018 07:43 Uhr

Bildungsforscher haben errechnet, dass bis 2025 rund 35.000 Lehrer an Grundschulen fehlen werden. Gemessen an steigenden Schülerzahlen und dem Ausbau von Ganztagsschulen gibt es zu wenig Lehramtsstudenten.

Eine von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass sich der Lehrermangel in den nächsten Jahren verschärfen wird. Demnach werden bis 2025 rund 35.000 Lehrer an deutschen Grundschulen fehlen. Angesichts steigender Schülerzahlen und dem geplanten Ausbau von Ganztagsschulen reiche die Zahl der Lehramtsstudenten an den Universitäten nicht aus, um entstehende Lücken zu schließen, so die Studie.

Rund 2000 Lehrerstellen unbesetzt

Der Grund dafür: Nach Berechnungen der Stiftung müssten bis 2025 knapp 105.000 neue Lehrer eingestellt werden, die Universitäten können bis dahin aber nur 70.000 Absolventen ausbilden. In ihrer Rechnung gehen die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn von 60.000 Pädagogen aus, die in den Ruhestand gehen und ersetzt werden müssten. Weitere 26.000 neue Lehrer seien nötig, um die bis dahin steigenden Schülerzahlen aufzufangen.

Jörg Dräger | Bildquelle: picture alliance / Christina Sab
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Jörg Dräger von der Berterlsmannstiftung fordert flexible Zugangswege zum Lehrerberuf.

Für den Ausbau von Ganztagsschulen würden außerdem 19.000 Lehrer benötigt. Der Mangel wird laut der Studie regional unterschiedlich ausfallen. Nach Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind aktuell bundesweit rund 2000 Lehrerstellen an Grundschulen nicht besetzt.

"Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrer gemacht. Angesichts des bundesweiten Lehrermangels sollten sich die Länder die Lehrer nicht länger gegenseitig abwerben", forderte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Die Verantwortlichen sollten gemeinsame Lösungen suchen, um den Bedarf zu decken - und zwar ohne die Qualität einreißen zu lassen."

Eine Chance für Quereinsteiger

Die Studie sieht drei Möglichkeiten, den vorübergehenden Bedarf an Grundschullehrern besser abzudecken. Die Forscher schlagen vor, den überwiegend weiblichen Pädagogen, von denen 40 Prozent in Teilzeitarbeit arbeiten, Anreize zum Aufstocken zu bieten. Auch könnten Grundschullehrer, die kurz vor der Pensionierung stehen, wieder mehr unterrichten. Die Studienautoren schränken aber ein, dass wegen der Freiwilligkeit nur schwer einzuschätzen sei, wie diese Angebote angenommen würden.

Als dritte Möglichkeit schlagen die Autoren vor, Quereinsteiger ohne Grundschulstudium einzusetzen. "Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürfen nicht im Widerspruch stehen. Wir brauchen einheitliche Standards für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern. Dazu gehört auch genügend Zeit für berufsbegleitendes Lernen und für das Mentoring durch erfahrene Kollegen", so Dräger.

Maßnahmen nur Notlösungen

"Bei dem jetzt prognostizierten Lehrermangel für die kommenden Jahre müssen wir schnellstmöglich über Maßnahmen diskutieren, die aber generell Notlösungen sein werden", sagte Susanne Miller der Deutschen Presse-Agentur. Die Professorin lehrt und forscht zum Schwerpunkt Grundschulpädagogik an der Uni Bielefeld und ist 1. Vorsitzende der Kommission "Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe" in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) wirft der Politik schwere Versäumnisse vor. "Es ist ein Armutszeugnis, dass eine Stiftung die Hausaufgaben der Politik machen muss, um zu einer realistischen Lehrerbedarfsprognose zu kommen", kommentierte VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann die Studie.

In der Zeit nach 2025 könnte sich die Lage bei den Schülerzahlen wegen der demografischen Entwicklung in der Gesamtbevölkerung wieder entspannen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Januar 2018 um 06:00 Uhr.

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