Ein Anhänger der AfD demonstriert mit zwei Fotos von Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag und einer Deutschlandfahne in der Innenstadt von Erfurt. | Bildquelle: dpa

Studie von Medienforschern AfD schürt Furcht vor Zuwanderern

Stand: 04.08.2019 18:12 Uhr

Die AfD rückt ausländische Tatverdächtige in den Mittelpunkt und zeichnet im Vergleich zur Kriminalstatistik ein verzerrtes Bild. Das mache sie "überraschend konsequent", sagen Forscher, die AfD-Pressemitteilungen analysiert haben.

Eine Studie von Medienforschern über die AfD kommt zu dem Ergebnis, dass die Partei systematisch Angst vor Zuwanderern schürt. Die Professoren Thomas Hestermann (Hamburg) und Elisa Hoven (Leipzig) werteten dazu mehr als 240 Pressemitteilungen der AfD zum Thema Kriminalität auf Bundes- und Länderebene aus dem Jahr 2018.

"Soweit die Nationalität genannt wird, sind 95 Prozent der darin beschriebenen Tatverdächtigen Nichtdeutsche (und nahezu ausschließlich Zuwanderer), nur fünf Prozent sind Deutsche - und selbst bei den wenigen deutschen Tatverdächtigen wird durchweg auf einen Migrationshintergrund oder einen nur geringen Tatbeitrag hingewiesen", heißt es in der Studie für die "Kriminalpolitische Zeitschrift". Die Forscher verglichen die AfD-Mitteilungen mit der Polizeilichen Kriminalstatistik. Demnach liegt der Anteil der nicht-deutschen Verdächtigen bei weniger als 35 Prozent.

Syrer, Iraker und Afghanen im Fokus

Im Fokus der AfD standen vor allem Zuwanderer aus Syrien, Irak und Afghanistan, die 2018 laut Polizeilicher Kriminalstatistik 5,2 Prozent aller Tatverdächtigen stellen. Afghanen, die laut Statistik in 1,5 Prozent aller Fälle verdächtigt werden, sind in den AfD-Mitteilungen für 20 Prozent der erwähnten Taten verantwortlich. Ähnlich sehe es bei den Syrern aus: Ihre Gruppe stellt 2,5 Prozent der Tatverdächtigen, in der Welt der AfD-Mitteilungen aber fast ein Fünftel (19 Prozent).

Der Studie zufolge rücken die AfD-Pressemitteilungen vor allem Messer als Tatmittel in den Vordergrund, "soweit Waffen erwähnt werden, zu 66,7 Prozent". Von einer vermeintlichen "Messerepidemie" ist etwa die Rede - eine Behauptung, die sich statistisch nicht belegen lässt, zumal die von der Polizei erhobenen Daten dazu lückenhaft sind. Nach Zahlen des Landeskriminalamts Niedersachsen wurden 2017 lediglich 2,8 Prozent der erfassten Gewalttaten mit Messern verübt.

"Heil wird in Repression gesucht"

Effektive Maßnahmen zur Prävention von Gewalt spielen laut der Studie bei den AfD-Pressemitteilungen keine Rolle. "Das Heil wird vielmehr in der Repression gesucht. Ziel ist eine konsequente 'Law and Order'-Politik: strengere Strafen, insbesondere für Wiederholungstäter, eine Einschränkung des Jugendstrafrechts oder eine Absenkung der Strafmündigkeitsgrenze." Vor allem gehe es der AfD darum, härter gegen Zuwanderer und in Deutschland lebende Ausländer vor allem muslimischen Glaubens vorzugehen.

"Unsere Inhaltsanalyse zeigt, wie die Oppositionspartei AfD Kriminalitätsphänomene überzeichnet und andere ausblendet", schreiben die Autoren. Eine "emotionalisierende und generalisierende strafrechtspopulistische Rhetorik" könne erheblichen Einfluss auf die Verbrechensängste der Bevölkerung haben. Wie die AfD Ängste schüre, geschehe "überraschend konsequent".

Außerdem sprechen die Wissenschaftler von "Wechselwirkungen": "Soweit sich das Publikum an besonders emotionalisierenden Ereignissen interessiert zeigt, berichten Journalisten verstärkt."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2019 um 18:00 Uhr.

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