Studenten gehen über den Campus der Stanford-Universität im US-Bundesstaat Kalifornien. | Bildquelle: dpa

Drohender Visa-Entzug in USA Pokern um ausländische Studierende

Stand: 14.07.2020 08:02 Uhr

Deutsche Studierende in den USA haben Angst, dass sie ausreisen müssen. In einem Brief haben sie die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Die Bundesregierung äußert sich bislang aber sehr vage.

Von Isabel Reifenrath, ARD-Hauptstadtstudio  

Die US-Ankündigung des Visa-Entzugs bringt viele deutsche Studierende in eine sehr belastende und schwierige Situation. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Rainer Breul, zeigte dafür Verständnis: "Wir haben und werden die Situation weiter thematisieren im Rahmen unserer laufenden Gespräche mit der amerikanischen Regierung."

Noch sind etwa 9200 deutsche Studierende in den USA. Die meisten von ihnen wollen auch dort bleiben. Sie kritisieren in ihrem Brief an das Auswärtige Amt, dass US-Präsident Trump eine fremdenfeindliche Einwanderungspolitik betreibe. Sie glauben auch, dass er die Universitäten dazu zwingen will, wieder in den Normalbetrieb zu gehen. Denn ausgewiesen werden sollen die Studenten nur, wenn ihre Uni ausschließlich online lehrt.

"Existenzielle Fragen"

Maximilian Klein studiert an der Universität Harvard. Er befindet sich momentan in Deutschland und hofft, zum Wintersemester wieder in die USA einreisen zu können. "Wer seinen Lebensmittelpunkt temporär von Deutschland nach Amerika verlagert hat und dieses Leben nun über Nacht quasi aufgeben soll, steht jetzt vor existenziellen Fragen", so Klein.

Einige Studierende berichten, dass ihre Partner in den USA arbeiten. Andere, dass sie in Deutschland gar keine Wohnung mehr haben. Auch Visa für Wissenschaftler werden von den USA aufgrund der Corona-Pandemie bis Ende des Jahres ausgesetzt.

Doch das Auswärtige Amt ist zurückhaltend mit Kritik an der US-Regierung. Sprecher Breul stellte klar: "Angesichts der weltweiten Pandemie müssen Staaten nach der jeweiligen Situation - und sie alle kennen die Zahlen aus den USA - geeignete Maßnahmen ergreifen, um damit umzugehen. Das gilt für Deutschland und die Staaten der Europäischen Union ebenso wie für die USA."

Scharfe Kritik von Abgeordneten

Laut der Außenexpertin der Linkspartei, Sevim Dagdelen, trägt Trump einen rechten Kulturkampf auf dem Rücken der Wissenschaft aus: "Es wäre sträflich, wenn die Bundesregierung hier nicht klar Stellung bezieht mit Kritik, sie jetzt zögert und das einfach so hinnehmen."

Auch Jürgen Hardt von der Union kritisiert Trump. "Der amerikanische Präsident betreibt in nahezu infantiler Weise eine Corona-Politik, in der das Wirklichkeit sein soll, was er sich wünscht. Und er ignoriert die Fakten der Krise. Auf den Rücken der Studenten wird hier ein Streit ausgetragen."

Und der außenpolitische Sprecher der SPD, Nils Schmid, hofft, dass es bei der Ankündigung der Ausweisungen bleibt - und sie gar nicht erst umgesetzt werden. "Es ist bezeichnend, dass Trump offenbar zu jedem Mittel greift, um vor den Wahlen Stimmung gegen Ausländer zu machen."

Auch US-Studenten in Deutschland betroffen

Einige amerikanische Universitäten klagen bereits gegen die Abschiebungen ihrer ausländischen Studierenden. Allerdings dürfen auch Studierende aus den USA laut Bildungsministerium nicht mehr nach Europa einreisen, wenn sie ihr Studium von zuhause aus online durchführen können. Die Bundesregierung weist zwar keine amerikanischen Studierenden aus - aber die Gespräche mit den USA dürfte diese Regelung schwierig machen.

USA Studentenvisa – Deutsche raus oder in die Unis?
Isabel Reifenrath, ARD Berlin
14.07.2020 01:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2020 um 13:20 Uhr.

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