Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler | dpa

Bundesweite Stromerzeugung Kohle überholt Windkraft wieder

Stand: 11.06.2021 13:53 Uhr

Ein Frühjahr ohne Stürme hat zum Rückgang der Windenergie geführt. Kohle wuchs im ersten Quartal damit zum wichtigsten Energieträger im Land. Gleichzeitig steige der Strombedarf, sagt Wirtschaftsminister Altmaier.

Die Stromproduktion mittels Kohle in Deutschland hat im ersten Quartal 2021 die Windkraft wieder überholt. Ein "windarmes Frühjahr" habe zu fast einem Drittel weniger Strom aus Windkraft geführt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Gefüllt wurde die Lücke nach Angaben der Behörde durch eine höhere Stromerzeugung aus Kohle- und Erdgaskraftwerken.

Insgesamt wurden von Januar bis einschließlich März bundesweit 138,2 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und ins Netz eingespeist. Nach vorläufigen Ergebnissen des Bundesamtes waren das 2,6 Prozent weniger als im ersten Quartal 2020.

Kohle, Gas und Kernenergie dominieren

Stammte der Strom im Vorjahreszeitraum überwiegend aus erneuerbaren Energiequellen wie Windkraft, Biogas und Sonne (51,4 Prozent), dominierten zu Beginn dieses Jahres Kohle, Gas und Kernenergie (59,3 Prozent). Mit einem Anteil von 28,9 Prozent an der insgesamt eingespeisten Strommenge war Kohle der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres.

Die in Kohlekraftwerken erzeugte Strommenge erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) auf fast 40 Milliarden Kilowattstunden. Die Strommenge aus Erdgas erhöhte sich um 24 Prozent auf 22,5 Milliarden Kilowattstunden.

Dagegen gab es bei der Windkraft ein kräftiges Minus von fast einem Drittel (32,4 Prozent): Die Einspeisung von 33,5 Milliarden Kilowattstunden war für diese Energiequelle der niedrigste Wert für ein erstes Quartal seit dem Jahr 2018. In den beiden Vorjahren hatte Windkraft aufgrund starker Frühjahrsstürme deutlich höhere Werte erreicht.

Altmaier sieht gestiegenen Strombedarf

Unterdessen räumte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ein, dass sein Ressort bisher unterschätzt habe, wie stark der Strombedarf in Deutschland im Zuge der Energiewende steigen dürfte. "Wir müssen durch die verschärften Klimaziele Deutschlands und der EU von einem deutlich höheren Strombedarf ausgehen, als es bisher zugrunde gelegt wurde", sagte der CDU-Politiker der "Wirtschaftswoche". "Dazu wird mein Haus neue Berechnungen vorlegen."

Altmaier sagte, dass mehr Energie produziert werden müsse, "und zwar aus allen verfügbaren erneuerbaren Quellen: Windkraft und Fotovoltaik". Er werde konkrete Vorschläge vorlegen, wie die Offshore-Windkraft auf hoher See und die übrigen erneuerbaren Energien stärker als bisher geplant ausgebaut werden könnten, sagte Altmaier. Für "grünen Wasserstoff" zum Einsatz etwa in der Stahlindustrie oder den Ausbau der Elektromobilität wird aus Sicht vieler Experten in den kommenden Jahren erheblich mehr Strom benötigt, der aus erneuerbaren Energien kommen soll.

SPD macht Druck

Die SPD kritisierte Altmaier: "Seit Monaten fordern die SPD sowie die gesamte deutsche Industrie und Energiewirtschaft den Bundeswirtschaftsminister vergeblich auf, einen realistischen Strombedarf und einen entsprechend ambitionierten Ausbau der Windkraft und Photovoltaik im EEG zu verankern", sagte Fraktionsvize Matthias Miersch der Nachrichtenagentur dpa.

Wenn Altmaier nun neue Vorschläge ankündige, die dann erst die nächste Bundesregierung umsetzen könne, sei das "armselig" und eines Bundeswirtschaftsministers unwürdig, so Miersch. Die SPD habe schon vor Monaten Vorschläge vorgelegt, die ausgehend von einem realistischen Stromverbrauch die zugehörigen Ausbaupfade beim Ökostrom bis 2030 festlegen und Mittel zur Flächengewinnung und Beschleunigung enthielten. "Diese könnten wir noch nächste Woche implementieren", so der Politiker.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2021 um 19:05 Uhr in der Sendung "Kommentare und Themen der Woche".