Bundeswehrsoldaten tragen auf dem Flughafen in Masar-i-Scharif zu einem wartenden Hubschrauber eine Feldkiste (Archivbild vom 08.12.2015). | dpa

Nach dem Ende des Einsatzes Streit über Zeremonie für Afghanistan-Soldaten

Stand: 10.07.2021 17:26 Uhr

Nach der Rückkehr der letzten Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan ist ein Streit über den angemessenen Ort für die öffentliche Ehrung entbrannt. Vor dem Bundestag, meinen die einen - im Bendlerblock, sagen andere.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist der Bundestag, der deutsche Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätze schickt. Als die jedoch aus Afghanistan zurückkehrten, war weder die Verteidigungsministerin noch sonst ein Politiker zur Stelle, um die Heimkehrenden in Empfang zu nehmen. Das sorgte in den letzten Tagen für teilweise heftige Kritik: "Ehrlich gesagt ist das, was sich bei der Ankunft der Soldatinnen und Soldaten ereignet hat, kein schönes Bild", befand jetzt der Grünen-Politiker Tobias Lindner im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer selbst weilte auf USA-Reise, als der letzte Flieger aus Afghanistan im niedersächsischen Wunstorf landete. Die CDU-Politikerin wehrt sich gegen Kritik mit dem Hinweis darauf, dass man mit der sogenannten "stillen Rückkehr" lediglich dem ausdrücklichen Wunsch der Truppe nachgekommen sei. Die Soldatinnen und Soldaten hätten so schnell wie möglich zu ihren Familien nach Hause gewollt. Außerdem stellte Kramp-Karrenbauer jetzt noch einmal klar: "Wir werden den Einsatz entsprechend würdigen - und zwar für alle, die in Afghanistan waren."

Lindner: "Schlicht Dank und Anerkennung ausdrücken"

Der Grünen-Politiker Lindner hingegen meint: Selbst bei einer sogenannten "stillen Ankunft" hätten die Verteidigungsministerin und der Außenminister anwesend sein können. Und wenn man nicht erst am Vorabend um 21:30 Uhr informierte worden wäre, hätten auch Politiker aus dem Verteidigungsausschuss zugegen sein können: "Da geht’s ja nicht darum, Reden zu halten oder Hände zu schütteln. Sondern schlicht mit der Anwesenheit Dank und Anerkennung auszudrücken."

Rückendeckung bekommt die Ministerin vom letzten Kommandeur des Afghanistan-Einsatzes, Ansgar Meyer. Aus Sicherheitsgründen habe man den Termin der Landung nicht frühzeitig bekanntgegeben, sagte der Brigadegenaral der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem wäre es ungerecht gegenüber allen anderen gewesen, wenn man nur die letzten 264 Heimkehrer in den Mittelpunkt gestellt hätte.

Sämtliche Afghanistan-Soldatinnen und -Soldaten will das Verteidigungsministerium mit einem großen Appell am 31. August ehren. Bundespräsident Steinmeier hat bereits zugesagt. Eine Debatte darüber, welcher Rahmen dem bislang gefährlichsten und 20 Jahre währenden Einsatz der Bundeswehr gerecht wird, gibt es auch hier: Eine Veranstaltung vor dem Berliner Reichstagsgebäude fordert nun auch der Bund Deutscher Einsatzveteranen gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Herz der Demokratie" oder Sitz des Verteidigungsministeriums?

Denselben Wunsch hatte bereits die FDP geäußert. Und auch die verteidigungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Siemtje Möller, hält das für eine gute Idee: "Die Bundeswehr als Parlamentsarmee gehört ins Herz der Demokratie und damit vor den Bundestag", sagte Möller dem ARD-Hauptstadtstudio.

Kramp-Karrenbauer selbst jedoch hält den Bendlerblock, also den Sitz des Verteidigungsministeriums, weiter für den richtigen Ort für die Zeremonie. Gelte es doch, von Seiten der Politik vor allem ein Zeichen zu setzen: "Wir gehen zur Bundeswehr, um uns bei den Soldatinnen und Soldaten zu bedanken. Und nicht: Die Bundewehr geht zum Parlament. Da ist die richtige Reihenfolge."

Die Diskussion darüber, wie still oder geräuschvoll, an welchem Ort und in welchem Rahmen die Politik den Einsatz in Afghanistan würdigen sollte, wird weitergehen. Eine großangelegte Feier jedenfalls könnte helfen, hoffen nicht wenige, den oft beklagten Spalt zwischen Gesellschaft und Armee zumindest etwas zu verkleinern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2021 um 17:13 Uhr.

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KOMMENTARE

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Nachfragerin 10.07.2021 • 23:53 Uhr

Ich würde ein Mahnmal bevorzugen.

Meiner Meinung nach sollte man dem Afghanistan-Einsatz ein Mahnmal setzen: Eine Säule für die gefallenen Soldaten, eine weitere für die angefallenen Kosten und eine Bodenplatte, deren Höhe den Nutzen symbolisiert. Die Wiese vor dem Berliner Reichstag wäre gut geeignet.