Apps von ARD, ZDF und Netflix auf einem Smartphone. | Bildquelle: dpa

Streaming Weniger klimaschädlich als gedacht

Stand: 10.09.2020 14:56 Uhr

Streaming-Dienste galten bisher als neue Antreiber des weltweiten Ausstoßes von CO2. Eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt jedoch, dass die Auswirkungen aufs Klima geringer sind als befürchtet.

Von Christopher Jähnert, ARD-Hauptstadtstudio

"Ist Streaming wirklich das neue Fliegen?" Eine Frage, die Umweltministerin Svenja Schulze auch direkt beantwortet: Nein, ist es nicht.

Das Streamen von Serien und Filmen wirkt sich zwar auf das Klima aus, aber doch deutlich weniger als bisher gedacht. Das zeigt die neue Studie - die dieses Mal nicht auf Annahmen basiert, sondern zum ersten Mal auf realen Nutzerdaten.

Unterschiede durch Rechenzentren

Die Studie hat zum Beispiel untersucht, welche Übertragungswege am klimaschädlichsten sind - und auch, welche Unterschiede es bei den Rechenzentren gibt, die im Hintergrund arbeiten. Und da ist die Spannbreite enorm, sagt die Umweltministerin:

"Das Rechenzentrum, in dem die Energie am ineffizientesten genutzt wurde, emittiert zehnmal mehr CO2 als notwendig. Und der Grund ist, dass die Server dort zu gering ausgelastet waren, dass die Gebäudetechnik überdimensioniert ist. Und das ist wirklich Potenzial für den Klimaschutz."

Bessere CO2-Bilanz über WLAN

Und es gibt auch noch mal große Unterschiede bei der Übertragung. Über WLAN ist die CO2-Bilanz deutlich besser als über das Mobilfunknetz, so der Chef des Umweltbundesamts, Dirk Messner:

"Und wenn wir dann die mobilen Angebote anschauen: 5G ist deutlich wirksamer und energieeffizienter als die alten Übertragungswege. Wenn wir Videostreaming betreiben über UMTS - das ist ja die alte Art und Weise wie wir Mobilfunk betreiben - dann ist der Energieverbrauch fünzigmal höher, als wenn wir das über Glasfaserkabel machen. Faktor 50. Das ist wirklich relevant."

Ganz konkret: Eine Stunde Streaming im WLAN verursacht zwei Gramm CO2 - über den alten UMTS-Standard im Mobilfunknetz 90 Gramm. Der Unterschied ist also sehr deutlich.

Schulze fordert Ausbau von WLAN-Netzen

Welche Schlüsse zieht jetzt also die Politik daraus? Erstens: Streaming ist nicht so klimaschädlich wie gedacht. Man muss aber den richtigen Weg finden. Und deshalb fordert die Umweltministerin auch unter anderem, die öffentlichen WLAN-Netzwerke auszubauen.

Bundesumweltministerin Schulze | Bildquelle: REUTERS
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Fordert einen verbindlichen Energieausweis für Rechenzentren: Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Und sie fordert, dass Verbraucher besser erkennen können, ob die Rechenzentren im Hintergrund klimafreundlich sind. "Ich will, dass für Rechenzentren ein verbindlicher Energieausweis eingeführt wird, der eben Auskunft gibt über Energieverbrauch und Leistungsfähigkeit", so Schulze.

Außerdem wird gefordert, das Glasfasernetz in Deutschland auszubauen. Ziel ist da übrigens eine flächendeckende Verfügbarkeit bis 2025 - die Frage ist nur, ob das auch klappt. Denn im vergangenen Jahr hatten einen solchen Anschluss tatsächlich nur zwölf Prozent der Haushalte.

Streaming nicht so klimaschädlich wie gedacht - und jetzt?
Christopher Jähnert, ARD Berlin
10.09.2020 13:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 10. September 2020 um 18:25 Uhr.

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Christopher Jähnert | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo SWR

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