Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO). | picture alliance/dpa

Äußerung des STIKO-Chefs Mertens bedauert Satz zur Kinderimpfung

Stand: 10.12.2021 21:45 Uhr

Es war eine Aussage Anfang des Monats, die STIKO-Chef Mertens viel Kritik einbrachte: Er würde ein siebenjähriges Kind "wahrscheinlich jetzt nicht" impfen lassen. Nun bedauert Mertens diesen Satz, kritisiert aber auch seine Kritiker.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, bedauert nach eigenem Bekunden eine Äußerung zur Corona-Impfung von Kindern, für die er von mehreren Seiten kritisiert worden war. Zugleich warf er einigen seinen Kritikern vor, die Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen zu haben.

Es geht um einen Podcast der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Anfang des Monats. Mertens hatte am Ende des Interviews auf die fiktive Frage, ob er ein siebenjähriges Kind impfen lassen würde, wenn er der Vater wäre, gesagt, dass er dies "wahrscheinlich jetzt nicht" tun würde.

"Fehler war, überhaupt etwas Persönliches zu sagen"

Dem TV-Sender Welt sagte Mertens jetzt: "Die Entscheidung über die Impfung ist wirklich eine sehr persönliche Sache, und das reflektiert sich ja auch in unserer derzeitigen Impfempfehlung. Es war damals wahrscheinlich der einzige Fehler, den ich gemacht habe, dass ich überhaupt etwas Persönliches gesagt habe."

Inzwischen empfiehlt die STIKO eine Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren - allerdings nur wenn die Kinder bestimmte Vorerkrankungen oder Kontakt zu Menschen aus einer Risikogruppe haben. Auf Wunsch und nach ärztlicher Aufklärung sollen aber auch Kinder geimpft werden können, die nicht zu einer dieser beiden Gruppen gehören.

"Grober Unfug, mich als Impfgegner zu bezeichnen"

Zur Begründung für die nur eingeschränkte Empfehlung verwies Mertens in dem "Welt"-Interview erneut auf noch fehlende wissenschaftliche Daten. Auch wenn in den USA bereits viele Kinder dieser Altersgruppe geimpft worden seien, benötige die STIKO zunächst "Daten und Studienergebnisse darüber, was aus diesen Kindern nun geworden ist". Diese gebe es aber noch nicht. Auch gebe es vereinzelte Fälle von Herzmuskelentzündungen in diesen Altersgruppen. Daher sei für eine allgemeine Empfehlung noch kein abschließendes Urteil möglich.

Das berühmte Zitat in dem Podcast sei nach einer letzten Zusatzfrage in einem langen Interview gefallen, sagte Mertens. Er habe dann gesagt, dass er derzeit ohne das Vorhandensein eines für Kinder konfektionierten Impfstoffes und ohne abschließende Bewertung durch die STIKO das Kind nicht impfen lassen würde. Das sei ja auch eine völlig richtige und völlig verständliche Aussage. "Die ist dann völlig aus dem Zusammenhang genommen, sehr intensiv berichtet worden - dagegen kann ich letztlich nichts machen - aber es ist natürlich grober Unfug, wenn man mich als Impfgegner bezeichnen wollte", sagte Mertens dem Sender "Welt".

"Hoffentlich ein unbewusster Ausrutscher"

Kritik an Mertens' Äußerung in dem Podcast hatte unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder geübt. "Ich glaube, wir sollten in Bezug auf Sicherheit und Stabilität der Empfehlung wieder auf normale Verfahren zurückkehren und dies weder in Talkshows noch im Podcast ankündigen", sagte Söder.

Auch Mediziner hatten sich irritiert gezeigt - so etwa der Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske, der auch Sprecher seines Berufsverbandes ist. "Wir impfen jetzt seit einem Jahr. Da jetzt eine Angst zu schüren, was vielleicht in Jahren passiert und von Langzeitfolgen zu sprechen, ist absolut absurd. Das war hoffentlich ein unbewusster Ausrutscher", so Maske.

Die STIKO war bereits in anderen Zusammenhängen kritisiert worden - etwa wegen ihrer erst spät erfolgten Empfehlung für Booster-Impfungen. Im ARD-Politimagazin "Panorama" räumte Mertens ein, dass es "wahrscheinlich günstiger" gewesen wäre, mit dem Boostern früher anzufangen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Dezember 2021 um 17:00 Uhr.