Eine Mitarbeiterin des Impfteams überprüft vor Beginn der Corona-Impfungen eine Spritze mit dem Impfstoff gegen Covid-19. | dpa

Sorge um Unabhängigkeit Ärzteverband für STIKO-Reform

Stand: 31.07.2021 00:29 Uhr

Der politische Druck auf die Ständige Impfkommission ist groß, eine Empfehlung zur Corona-Impfung älterer Kinder und Jugendlicher auszusprechen. Amtsärzte fordern deshalb nun eine Reform des Gremiums, um dessen Unabhängigkeit zu sichern.

Angesichts des politischen Drucks auf die Ständige Impfkommission (STIKO) hat der Verband der Amtsärzte angeregt, die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Einrichtung organisatorisch abzusichern.

Hauptamtliche Strukturen gefordert

"Man müsste überlegen, wie die STIKO künftig aufgehängt ist, um ihre Neutralität und Unabhängigkeit zu sichern", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, der "Ärzte Zeitung". Derzeit ist die STIKO am Robert Koch-Institut angesiedelt, einer Bundesbehörde. Damit gerate sie aber "in den Bereich Politik und Politikberatung", erklärte Teichert. Auch brauche die Kommission hauptamtliche Strukturen, die die professionelle Arbeit der ehrenamtlich tätigen Kommissionsmitglieder unterstütze.

Seit Wochen werden die Wissenschaftler der Impfkommission von Politikern gedrängt, eine ausdrückliche Empfehlung zur Corona-Impfung älterer Kinder und Jugendlicher auszusprechen. Bisher tut sie das nur für vorerkrankte. Allerdings hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA mehrere Impfstoffe für Kinder ab zwölf Jahren grundsätzlich zugelassen, Eltern und Kinder können sich daher nach Beratung mit einem Arzt dennoch für eine Impfung entscheiden.

Kritik an Schäuble

Zuletzt hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) auf die EMA verwiesen und gesagt, er wolle die STIKO "an ihre Verantwortung erinnern". Der STIKO-Chef, der Virologe Thomas Mertens, reagiert mit Unverständnis. "Die EMA bewertet, ob ein Impfstoff grundsätzlich sicher und wirksam ist. Individuelle Impfempfehlungen kann sie aber schon wegen der unterschiedlichen Regeln und epidemiologischen Voraussetzungen in den Mitgliedsstaaten nicht aussprechen", sagte er der "Schwäbischen Zeitung". Man gehe "wesentlich tiefer in der Auswertung der verfügbaren Daten".

"Zum einen zeigen unsere Erhebungen und Modelle deutlich, dass Jugendliche wesentlich seltener schwer erkranken als Erwachsene und zum anderen hat die Impfung dieser Altersgruppe relativ geringe Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Pandemie", erklärte er. Die STIKO werde an ihrem Vorgehen festhalten. "Wir nehmen uns weiter die Zeit, die wir brauchen, um alle Daten auszuwerten, wie es unserem Auftrag entspricht."

Über dieses Thema berichtete B24 Aktuell am 31. Juli 2021 um 07:02 Uhr.